Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'23 -Südlicher Oberrhein

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 4 | 2023 TITEL bei denen du erstmal machtlos bist“, sagt der 45-Jäh- rige, der auch im Stadtparlament sitzt. Der Unternehmer, Jahrgang 1977, nennt vor allem einen Gedanken, der ihn stärkt: „Der ‚Rote Bär‘ ist der älteste Gasthof Deutschlands, wurde 1387 erstmals erwähnt. Er hat den 30-jährigen Krieg überlebt, die Pest, die bei- den Weltkriege. Das zeigt doch, dass es immer einen Weg gibt.“ Ein Virus oder eine Energiepreiskrise werden nicht das Ende sein, ist der Gastronom überzeugt. Christoph Glück ist gut vernetzt. Für ihn eine echte Bank, um auf große Herausforderungen zu reagieren. Unterstützung durch Verband und Kammer seien wich- tige Faktoren, die Sicherheit vermitteln, sagt er. Und er setzt auf den Teamgedanken. „Ich habe – als das Haus geschlossen war – mit meiner Belegschaft im Innenhof gegrillt. Wir haben offen miteinander geredet und so den Zusammenhalt gestärkt.“ Diesen Austausch führte er auch innerhalb des Verbands und mit Mitglie- dern wie Rüdiger Wörnle. „Wir haben uns regelmäßig gesprochen, davon haben wir beide profitiert. Es hat uns stärker gemacht“, sagt er. Wichtig für ihn war dazu, dass er sich bewusst Auszeiten gegönnt hat – bei den Eltern oder mit seiner Partnerin. „So ein Wochenende im Schwarzwald erdet dich und gibt Kraft.“ Krise als Ausgangspunkt für Veränderung Es gibt viele Ratgeber oder Handlungsstrategien für gutes Management. Dazu zählt das „PERMA“-Modell. Entwickelt wurde es vom US-amerikanischen Psycholo- gen Martin Seligmann. Hinter dem englischen Akronym verstecken sich Faktoren, die zu mehr Wohlbefinden führen sollen: übersetzt sind das positive Gefühle, Stär- ken, Beziehungen, Sinn und Zielerreichung. Studien zeigen, dass Mitarbeiter, die im Job Perma erleben, mehr leisten und eine große Verbundenheit zum Un- ternehmen haben. Davon profitiert der Betrieb nicht nur in herausfordernden Zeiten, sagt Heike Akli. Krisen seien daher ein guter Anlass, bestehende Strukturen zu hinterfragen, vor allem, wenn diese nicht funktionieren. Wie schlimm wäre denn der schlimmste Fall Als Regionalverantwortlicher der Deutschen Vermö- gensberatung in Waldkirch führt Siegfried Weis ein Büro mit Angestellten. Zudem ist er Teamleiter von 35 freiberuflichen Beratern. Die Branche lebt vom persönlichen Kontakt mit der Kundschaft und „das 10 TIPPS FÜR MEHR WIDERSTANDSKRAFT 1 Austausch mit Gleichgesinnten, Ideen ent- wickeln, gedanklicher Sparringspartner sein 2 Energie nicht im Mikromanagement aufbrauchen 3 Mitarbeitende mitnehmen, ehrlich sein 4 Ängste und Gefühle zulassen 5 Nicht alles hinterfragen und zergrübeln, Dinge akzeptieren 6 Auszeiten schaffen, Abstand (gedanklich und geographisch) gewinnen 7 Aktiv genießen, die Sinne verwöhnen 8 Ausgleich finden – Lesen, Gartenarbeit, Wandern, Yoga, Sporteln 9 Hilfe und Unterstützung suchen und annehmen 10 Auf die eigene Gesundheit achten »Unser Haus hat die Pest und zwei Welt- kriege über- lebt. Das zeigt, es gibt immer einen Weg« Christoph Glück Inhaber des Roten Bären, Freiburg »Führen kostet Kraft. Deshalb ist Regenerati- on essenziell« Claudia Serr Inhaberin der Serr GmbH, Villingen-Schwenningen Bild: Willrow Hood - stock.adobe.com Bild (rechts): Adobe Stock/GiZGRAPHICS

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