Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'23 - Hochrhein-Bodensee

8 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2023 TITEL er heute auf keinen Fall mehr missen möchte, nicht nur, weil er ein hervorragender Koch geworden ist. Entsprechende Ausbildungsangebote lassen sich nicht über Nacht konzipieren, aber sie sind längst nicht so kompliziert, wie viele Unternehmen befürchten. Für viele Anliegen gibt es zudem umfangreiche staatliche Förderprogramme. Die IHKs in der Region können intensiv dazu beraten und bei der Implementierung unterstützen, sodass es sich nicht nur für Unternehmen, die Gefahr laufen, dass Lehrstellen dau- erhaft leer bleiben, lohnt, neue Zielgruppen zu erschließen. Einen Versuch wäre es wert (weitere In- fos zu den Angeboten auf Seite 10). Duale Ausbildung lebhaft erklären Ganz akut sollten Unterneh- men auf Bewerbersuche nochmal alles an Präsenz in die Waagschale werfen, was sie auf- bringen können. Orientierung und ntscheidungshilfe geben, sind hier die Zauberworte. Denn viele Jugendliche sind, nicht zuletzt auch durch die kontaktarmen Corona- jahre, in Sachen Berufsorientierung und persönliche Lebensplanung reichlich unbeleckt. „Die Schülerinnen und Schüler sind heute lange auf der Suche, wo es mit ihnen mal hingehen soll“, stellt Monika Burgmaier fest. Sie war bis zum vergangenen Sommer über lange Jahre Schulleiterin der Gewerblich-Technischen Schule Offen- burg und ist nicht verwundert, dass sich Jugendliche im- mer später festlegen. „Viele wissen auch gar nicht, was hinter einer dualen Ausbildung steckt, genauso wenig wie ihre Eltern.“ Ihre Empfehlung deshalb an die Betrie- be: Informieren was das Zeug hält. Alle Generationen. Wem es als Unternehmen gelingt, eine Laufbahn aufzu- zeigen und ein Umfeld zu skizzieren, in dem man sich um den Azubi kümmert und sorgt, und die Geschichte spannend erzählt, kann Jugendliche damit abholen. Diesem Ansatz folgt auch die bundesweite Ausbildungs- kampagne der IHKs „Jetzt #könnenlernen. Ausbildung macht mehr aus uns“, die im März startet und an der sich die drei IHKs der Region beteiligen (mehr zur Aktion sie- he rechts): „Ich denke, es hilft unseren Mitgliedsunter- nehmen auf jeden Fall, wenn wir flächendeckend für die duale Ausbildung werben, ein Bild von ihr vermitteln und ihr Image bei Eltern und Jugendlichen aufwerten“, erklärt IHK-Ausbildungsexpertin Miriam Kammerer. Neun reale Azubis aus ganz Deutschland werden für die Kampagne via TikTok, Instagram und Co. authentische Einblicke in ihr Azubileben geben. Profil zeigen Ein Unternehmen muss heute deutlich stärker als früher nahbar sein und seine Werte kommunizieren – glaubwürdig –, um bei der Jugend anzukommen. „Die Sinnfrage ist für die Berufseinsteiger wichtig“, beobachtet Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein. Es gehe um eine gewisse Grundhaltung, die passen muss, und auch ums Image. „Schließlich will man als Jugendlicher in einem Job und bei einem Arbeitgeber landen, der von der eigenen Peergroup gutgeheißen wird.“ Viele Unternehmen, so stellt Kaiser fest, würden sich im Kontakt mit Azubis deshalb schon bemühen, der Firma ein Gesicht zu geben, sie mit Emotionen aufzuladen und echte Einblicke zu gewähren. Hilfreich, wenn einen dabei auch die eigenen Mitarbeiter und Azubis per Mund-zu-Mund-Propaganda unterstützen. Kontakt in vielerlei Verpackung Ganz nah ran an die Jugendlichen, möglichst nieder- schwellige Angebote machen, intensiv reinschnuppern lassen, sind Gebote der Stunde. Zum ersten Mal seit Jahren sind dafür auch wieder die Jobmessen im Live- Betrieb. Vielen Unternehmen reicht der Kontakt via Messestand aber nicht mehr – oder sie können oder wollen ihn sich nicht leisten – und entwickeln eigene Ansätze, um ins Gespräch zu kommen. So schrieb jüngst Kern-Liebers, ein internationaler Industriezulieferer aus Schramberg, per Annonce seinen Chefsessel aus: Als „Chef:in für einen Tag“ können 14- bis 18-Jährige den Kern-Liebers-CEO einen ganzen Tag lang im Job beglei- ten. Ein Testballon, auf den man schon sehr gespannt sei, sagt das Unternehmen. Auf niederschwelligen, spielerischen Kontakt setzt seit letztem Jahr auch die Initiative #afterschool von zwölf Unternehmen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. „Eine Halle, eine Band mit DJ, Foodtruck und Spielen, drum- herum wir mit zwölf ganz einfachen Infoständen und gut aufgelegten Kollegen. Es muss nicht immer kompliziert sein“, beschreibt Thomas Eick von Straub Verpackungen das Setting und merkt an, dass über das Event doch ei- niges an Kontakten für Praktika und Ausbildungsverhält- nisse zustandekam. Für die Zukunft arbeitet die Initiative an einem gemeinsamen Praktikumsprogramm. Wie erfolgreich ein solches gemeinschaftliches Ange- bot sein kann, macht die „ALMI“, die Arbeitsgemein- schaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen, mit ihrer „Jobxpedition“ nun schon im vierten Jahr vor: Zwölf Unternehmen mit insgesamt 25 unterschiedli- chen Ausbildungsberufen bieten gut 120 Schülern in den Osterferien binnen drei Tagen im Schnelldurchlauf die Möglichkeit, in drei Betriebe tiefer reinzuschnuppern, mit den eigenen Azubis als Guides. Für Ellen Wagner von Wagner System nicht nur eine Aktion, um unmittelbar Praktikanten und Azubis zu generieren, sondern vor al- lem auch ein Langfristinvestment ins Image der dualen Ausbildung. „Wenn es zum Beispiel um gewerbliche Be- rufe geht, herrschen bei Schülern und Eltern oft falsche Vorstellungen vor“, stellt sie fest. „Wann hat man da zum Beispiel noch einen Schraubenschlüssel in der Hand? Das sind doch viel eher schon IT-Berufe.“ Um dieses Wissen zu vermitteln und für Jobxpedition zu werben, gehen Wagner und ihre Mitstreiter auch in die Schulen »Wenn es um gewerbliche Berufe geht, herrschen bei Schülern und Eltern oft falsche Vorstellungen vor« Ellen Wagner IHK Hochrhein- Bodensee: Alexandra Thoß 07531 2860-131 alexandra.thoss@ konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald- Baar-Heuberg: Miriam Kammerer 07721 922-512 kammerer@vs.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: Simon Kaiser 0761 3858-150 simon.kaiser@ freiburg.ihk.de Comics auf diesen Seiten: Adobe Stock, jirawatp

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