Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'23 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

49 2 | 2023 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Themen & Trends Klimafreundliche Mobilität Weniger ist mehr Mit klimafreundlichen Alternativen lässt sich punkten: Mitarbeiter schätzen Angebote wie Leasingräder und Jobtickets für den ÖPNV. Verkehr ist der Bereich, in dem die Treibhausgasemissionen seit Jahren auf hohem Niveau stagnieren. Eine Trendumkehr ist nötig - und möglich, wenn alle mitziehen. Wie Unternehmen aus der Region versuchen, ihre Mobilität klimafreundlicher zu gestalten. W enn er über seinen E-Vito spricht, kommt Alexander Theinert ins Schwärmen. „Wer ein- mal elektrisch gefahren ist, will nichts anderes mehr“, sagt er über sein neues Fahrgefühl. „Und so leise“. Theinert ist Geschäftsführer der Belenus GmbH, einem Blech-, Schweiß- und Montagetechnikunternehmen in Bad Dürrheim. Umweltschutz ist ihm ein Anliegen und experimentierfreudig ist er auch. 2018 kaufte er das E-Auto, um zu testen, ob es geeignet für Auslieferungen in der Region sei. Am Anfang stand das Ausprobieren mit der Reichweite. „Ich bin durchaus schon mal im Windschatten eines Lkw gefahren, um mit den letzten zwei Prozent der Batterie nach Hause zu kommen“. Inzwischen ist er aber überzeugt, dass die bergi- ge Landschaft kein Problem darstellt. „Ich komme nach einer Auslieferung oft mit zehn Kilometer mehr in der Batterie zurück“. Denn bergab rekuperiert der Wagen. Zurück auf dem Firmengelände kann der Wagen dann klimafreundlich mit Solarstrom vom Dach geladen wer- den. Insgesamt 50.000 Kilometer haben er und seine Mitarbeiter elektrisch zu- rückgelegt. Der Nachfolger ist bereits bestellt, dessen Batterie dann über die doppelte Reichweite verfügt. Für ein größeres Ladevolumen hat das Unternehmen einen Hy- bridtransporter angeschafft, der Diesel und Strom als Antriebsenergie nutzt. Theinerts 7,5-Tonner entstammt einer Kooperation von Daimler und Mitsubishi und ist heute nicht mehr zu haben. Der Verbrauch liege zwi- schen 12 und 13 Litern und damit bei etwa vier bis fünf Litern weniger als ein vergleichbarer Diesel. Wasserstoff noch keine echte Lösung Lkw sind heute für ein Viertel der Treibhausgasemis- sionen des Verkehrs in Europa verantwortlich, obwohl sie nur zwei Prozent aller Fahrzeuge auf den Straßen ausmachen. Bei Alternativen sieht es bislang mau aus. Die Wasserstofftechnologie im Mobilitätsbereich tut sich noch schwer. „Bei den 26-Tonnern gäbe es eher was, aber das ist für unsere Zwecke viel zu groß“, sagt der Belenus-Chef. Auch ist das Wasserstofftankstellennetz im Ver- gleich zur Verbreitung von Ladesäulen bislang sehr löchrig. Privat fährt Theinert dennoch seit 2018 einen Toyota Mirai mit Wasserstoffan- trieb. Hier spielt dem Unternehmer ein Standortvorteil in die Karten: An der A81, Ausfahrt Geisingen, gibt es eine Tankstelle. Auch oberhalb der A8 gäbe es ausreichend Wasserstofftankstel- len, um von Bad Dürrheim aus bis in die Schweiz und nach Österreich zu lie- fern. Über seinen Klima-Fuhrpark sagt Theinert: „Das ist Idealismus. Rechnen tut sich das noch nicht, man muss das wollen“. Aber gleichzeitig findet der Firmenchef, der für sein Klimaschutzengagement »Viele Unter- nehmen unter- schätzen die Kosten ihres Fuhrparks« Martin Meurer , Projektleiter bei der Energieagentur Freiburg Bild: Adobe Stock/Halfpoint

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