Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'23 - Hochrhein-Bodensee
50 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2023 Themen & Trends schon mehrfach ausgezeichnet wurde: „Man muss nicht alles kaputtrechnen. Manchmal fahre ich zu Kunden, da stehen riesige Fuhrparks mit vielen Auspuffen. Das kostet auch.“ Bestandsaufnahme als Startpunkt Im Bereich Verkehr stagnieren die Treibhausgasemissio- nen seit Jahren auf hohem Niveau, die Zahl der Autos auf deutschen Straßen steigt stetig. „Das bildet sich auch bei Unternehmen ab“, sagt Martin Meurer, Projektleiter im Bereich Unternehmenskonzepte bei der Energieagen- tur Regio Freiburg. Gemeinsam mit der IHK Südlicher Oberrhein arbeitet die Energieagentur im Projekt „Ziel- gerade2030“ daran, dass Unternehmen der Region die Klimaneutralität bis 2030 erreichen. Die Grundlage für eine effiziente unternehmerische Klimaschutzstrate- gie ist die strukturierte Berechnung der entstehenden CO 2 e-Emissionen und ein genaues Verständnis über die verschiedenen Emissionsquellen nach „Greenhouse Gas Protocol“. „Was nicht erfasst, lokalisiert und gemessen werden kann, lässt sich auch nicht reduzieren“, sagt Meurer. Bei diesem Schritt hilft die „Zielgerade2030“. Emissionen aus dem Verkehr fallen im unternehmeri- schen Kontext viele an: Dazu gehören direkte Emissi- onen der Unternehmensfahrzeuge, die mit Diesel oder Benzin betankt werden, aber auch solche durch zuge- kauften Strom für E-Autos. Auch indirekte Emissionen, die vor- und nachgelagert in der Wertschöpfungskette anfallen, wie zum Beispiel durch Geschäftsreisen und Pendlerkilometer der Mitarbeitenden, kommen dazu. Das macht das Thema komplex und herausfordernd. „Es gibt nicht nur einen Verantwortlichen: Reise, Fuhr- park, Logistik, Controlling – Viele Abteilungen spielen mit rein und das Thema wird oft nicht zusammenge- führt“, sagt Meurer. Der Experte bekräftigt Alexander Theinerts Wahrnehmung, dass viele Unternehmen sich einen möglicherweise unnötig großen Fuhrpark leisten. „Wenn zum Beispiel die Leasingfahrzeuge nur 30 Prozent der Woche genutzt werden und ansonsten rumstehen, ist das ein Kostenfaktor, der von vielen unterschätzt wird.“ Zudem sei ein großer Fuhrpark auch eine Platzfrage: „Oft ziehen Unternehmen um, wenn sie sich vergrößern wollen. Dabei ist vor der Tür ein riesiger Parkplatz, den man auch anders als zum Abstellen von Fahrzeugen verwenden könnte“, sagt Martin Meurer. Ängste durch Ausprobieren abbauen Mit etwas Planung lassen sich Fuhrparks optimieren. Bei der Industrie-Technik Kienzler GmbH & Co. KG in Vogtsburg nutzt die Geschäftsführung zum Beispiel ei- nen Elektrokleinwagen für den Arbeitsweg und stellt das Fahrzeug den Mitarbeitern während der Arbeitszeit für Dienstfahrten zur Verfügung. Sofern Dienstwagen notwendig sind, rät Meurers Kollege und Mobilitätsexperte Patrick Spies zu einem detail- lierten Leitfaden für deren Anschaffung. „Bei E-Autos langen oft auch solche mit kleineren Reichweiten, hier sollte vor dem Kauf oder Leasing genau überlegt werden, was nötig ist“, sagt Spies. Denn große Batterien sind unökologisch und machen ein Fahrzeug unnötig schwer und teuer. Wenngleich der Kaufpreis noch immer über dem von Dieselfahrzeugen und Benzinern liege, könn- ten geringere Wartungskosten dies im Betrieb wieder wettmachen. Um die sogenannten Reichweitenängste abzubauen, rät der Experte dazu, Mitarbeiter die Gefährte ausprobieren zu lassen und auch den Ladevorgang zu üben. Damit E-Autos umweltfreundlich betrieben werden können, muss der Strom aus erneuerbaren Quellen stammen. Hier haben Unternehmen die Möglichkeit ihre Bilanz AUF DEM WEG ZUR NACHHALTIGEN MOBILITÄT Förderprogramm Mobilitätsmanagement Lkw mit alternativen Antrieben, Carpooling oder per ÖPNV statt Auto? Das Förderprogramm „Behördliches und Betriebliches Mobilitätsmanagement“ (B2MM) des Landesverkehrsministeri- ums bezuschusst Unternehmen, die ihre Mobilität klimafreund- licher gestalten wollen. In einem ersten Schritt sind Analyse, Konzepterstellung und Projektmanagement förderfähig, ein- schließlich externer Unterstützung durch Beratung, Studien und Gutachten. In einem zweiten Schritt kann die Umsetzung der Maßnahmen gefördert werden, wie der Bau von Radab- stellanlagen für Mitarbeiter. Ansprechpartnerinnen sind Han- na Scheck-Reidinger und Verena Bott b2mm@vm.bwl.de . Mehr Infos über den QR-Code: Zielgerade 2030 Die IHK Südlicher Oberrhein und die Energieagentur Regio Freiburg haben miteinander das Projekt „Zielgerade2030“ aus der Taufe gehoben. In diesem Bündnis werden Unternehmen fachkundig bis zum Ziel der Klimaneutralität begleitet. Fachleute beraten vor Ort und individuell. Auf Grundlage einer CO 2 -Bilanz wird ein individueller Aktionsplan entwickelt, mit dem das Unter- nehmen durch klimafreundliche Energieträger und eine nach- haltigere Mobilität seine Klimaschutzpotenziale heben kann. Mehr Infos unter https://zielgerade2030.de. Mobilsiegel Mit der Verleihung des Mobilsiegels der Freiburger Verkehrs- AG (VAG) werden Betriebe und Institutionen ausgezeichnet, die ihre Mitarbeiter zur Wahl von umweltfreundlichen Ver- kehrsmitteln motivieren. Die nächsten Bewerbungen sind ab Frühjahr 2023 möglich. Mehr Infos zur Bewerbung unter www.mobil-siegel.de.
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