Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'22 - Hochrhein-Bodensee

19 12 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten IHK Hochrhein-Bodensee   REGIO REPORT Handel sieht schwere Zeiten voraus Waren die Erwartungen im regionalen Handel bereits im Frühjahr eher verhalten, so schwinden sie für die kommenden Monate weiter. Nur noch sechs Prozent der befragten Händler sehen einen besseren Ge- schäftsverlauf voraus, während aktuell 46 Prozent eine Verschlech- terung gegenüber der aktuellen Situation prog- nostizieren. Dementsprechend vorsichtig agieren die Unternehmen, was Investitionen im Inland betrifft. Rund ein Drittel der Unter- nehmen im Kammerbezirk plant für die kom- menden Monate mit geringeren Investitionen. Dabei werden die Positionen „Beschaffung von Ersatzbedarfen“ mit 63 Prozent, „Ausbau der Digitalisierung“ mit 59 Prozent und „Ener- gieeffizienz- und Umweltschutzmaßnahmen“ mit 49 Prozent am häufigsten genannt. An den wesentlichen Planungen bezüglich der Beschäftigtenzahlen ändert sich gegenüber Frühjahr in der Wirtschaft nur wenig. So geht der überwiegende Teil der Unternehmen in der Region – 69 Prozent – weiter von einer konstanten Anzahl beschäftigter Personen in den kommenden zwölf Monaten aus. 16 Prozent rechnen mit einer tendenziell stei- genden Belegschaft, 15 Prozent mit fallenden Beschäftigtenzahlen im Unternehmen. Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung Die Energiepreisentwicklung der vergangenen Monate wird für im- mer mehr Unternehmen zu einem Problem. Viele Betriebe versuchen auf alternative Energieträger auszuweichen, in Energieeffizienzmaß- nahmen zu investieren oder einen Großteil der gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben. Bei einem Teil der Unternehmen reichen diese Maßnahmen aber kurzfristig nicht aus. Dies führt im Produktionsbereich dazu, dass aufgrund der hohen Strom- und Gaspreise aktuell rund 14 Prozent der Unternehmen ihre Produktion reduzieren. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren Energiepreisentwicklung und der Einführung, Höhe und Ausgestaltung zukünftiger Preisbremsen lässt das Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen in der Region seit Monaten steigen. Energiepreise und Fachkräfte- mangel erschweren Planung Mit 78 Prozent sind die Energiepreise das meistgenannte Risiko. Die Suche nach geeig- neten Fachkräften treibt zudem zwei Drittel der Unternehmen um. Da die geburtenstarken Jahrgänge bald in den Ruhestand gehen, ist auf absehbare Zeit hier keine Entspannung zu erwarten. Jedem zweiten Unternehmen bereiten mo- mentan die Rohstoffpreisentwicklung und die gesunkene Inlandsnachfrage Sorgen. War letztere in den vergangenen Jahren immer eine Stütze im Konjunkturverlauf, so werden im aktuellen Umfeld von Unsicherheit und Inflation Konsumausgaben und Investitionen zurückgefahren. Umso wichtiger erscheint es, wirtschaftspoli- tische Rahmenbedingungen zu setzen, die zur Stabilisierung des Wirtschaftsstandortes bei- tragen. Hierbei sind insbesondere Maßnah- men zur Energiepolitik, ein nennenswerter Bürokratieabbau sowie ein Belastungsmoratorium der Wirtschaft, aber auch Investitionen in die Infrastruktur notwendig. ag Alexander Graf Leiter Geschäftsfeld Standortpolitik, Geschäftsführer 07622 3907-213 alexander.graf@konstanz.ihk.de »Trübe Aussichten: Der Anteil der Unternehmen, die mit besseren Geschäften planen, ist auf zwei Prozent zurückgegangen« Alexander Graf 50 70 90 110 130 150 170 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 Region Hochrhein-Bodensee Baden-Württemberg Oktober 2022 Dr. Alexander Graf KONJUNKTUR-INDIKATOR* *Index aus Geschäftslage und Geschäftserwartungen KONJUNKTUR-INDIKATOR* insgesamt im regionalen Vergleich Bild Alexander Graf: Herbert Weniger; Grafiken: IHK Hochrhein-Bodensee Quelle: Herbst-Konjunkturklima der IHK Hochrhein-Bodensee vom Oktober 2022

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