Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'22 -Südlicher Oberrhein

15 11 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten GRÜNDER Leute RAUMUNDMEHR Zu Hause arbeiten und dennoch Privatleben und Arbeit trennen, das ist in der aktuellen Zeit oft schwierig. Ve- rena Altmann (46) hat nach einer Lösung für sich ge‑ sucht und sie auch gefunden. „raumundmehr“ bietet mit der „OfficeBox“ auf relativ kleinem Raum Platz für alles, was für die Büroarbeit benötigt wird: Laptop, Tastatur, Drucker ‑– sogar ein großer Monitor passen bei Bedarf in das schlichte Möbelstück, das sich im geschlossenen Zu‑ stand in die Wohnlandschaft integriert. Ist die Officebox geöffnet, hat man einen kompletten Arbeitsplatz inklusive Raum für diverse Arbeitsmaterialien, auf Rollen montiert, ist sie flexibel. Das Design war der Grafikerin, die seit 20 Jahren eine eigene Agentur leitet, ein besonderes Anlie‑ gen. Entwickelt hat Verena Altmann die Box 2020 zu Be‑ ginn der Coronapandemie: „Ich hatte großes Glück, ein guter Freund – Sönke Ober – ist Tischler und hatte etwas Zeit für mein Projekt. So haben wir das zusammen kon‑ struiert“, erzählt die 46-Jährige. Im Dezember schließlich gründete sie in Freiburg ihr Unternehmen, seit 2021 gibt es den Webshop über den die Officebox bestellt werden kann. Mithilfe von Digitalisierungsprämie, Beratungszu‑ schuss sowie mit Eigenkapital konnte Verena Altmann die Gründungsinvestitionen wie Tests, Personal, Webshop, 3-D-Animation, Material und Dummies meistern. Auch ein auf ihre Lebensumstände angepasstes Coaching war der Mutter einer kleinen Tochter wichtig, wie sie betont: „Der Mom-Accelerator von ‚Start-up Mom‘ ist ein Training speziell für Mütter, die gründen wollen.“ Noch steht das junge Unternehmen amAnfang, doch mit ihren beidenAn‑ gestellten will Verena Altmann ihre Officebox bekannter machen und weiterentwickeln. An Ideen mangelt es dem Kreativunternehmen nicht. ak HEINZ WAGNER SEKT „Das ist meine letzte Unternehmung!“, sagt Maximilian Wagner über die 2020 gegründete Sektmanufaktur Heinz Wagner Sekt GmbH aus Sankt Blasien. So überraschend dieser Satz aus dem Mund eines Gründers klingt, so glaub‑ würdig geht er dem 38-Jährigen über die Lippen. Vor rund zehn Jahren folgte der Betriebswirt seiner Passion für Gin, Vermouth und hochwertigen Sekt, engagierte sich bei Spiri‑ tuosen-Start-ups wie etwa Belsazar Vermouth und etablierte deren Produkte am Markt. 2018 dann der Schnitt: Wagner verkauft alle Anteile seines letzten Unternehmens, arbeitet zwei Jahre als Consulting Director für die neuen Inhaber wei‑ ter. Doch das Unternehmertum lässt ihn nicht los – ebenso wie die Idee einer Sektmanufaktur, dieAltbewährtes und mo‑ dernen Zeitgeist verbindet. Finanziert mit einem Teil der Exit‑ gewinne, produziert und vertreibt Maximilian Wagner mit seinem vierköpfigen Team heute Vintage-Sekt in traditionel‑ ler Flaschengärung. „Obwohl Heinz Wagner Sekt noch jung ist, ist es schon ein Familienunternehmen“, scherzt er. „Im‑ merhin führt es neben meinem eigenen auch einen Namens‑ bestandteil meiner Großmutter, Hedwig Heinz.“ Die Weine und Trauben für den Sekt stammen aus Südbaden. „Von B bis Z machen wir alles selbst, für A wie Anbau fehlen uns das Fachwissen und die Weinberge“, sagt der Geschäftsführer, dessen Lager aktuell mit rund 42.000 Flaschen des 2021er Jahrgangs prall gefüllt ist. Abnehmer sind Feinkosthändler sowie Gastronomen aus Deutschland und der Schweiz, aber auch Privatpersonen, die im Handel, über die Webseite und Onlinemarktplätze einkaufen. Eine der größten Herausforde‑ rungen bis hierher sei die Immobiliensuche gewesen, blickt Wagner zurück: „Unser erster Deal ist über Nacht geplatzt und wir mussten nochmal von vorne anfangen.“ Die unter‑ nehmerische Entwicklung sei gut, „die Umsätze stimmen, auch wenn wir noch keine schwarzen Zahlen schreiben.“ Und in Zukunft? „Mein Plan ist, in zwei Jahren den Break- Even zu erreichen und wirtschaftlich so gut dazustehen, dass wir freitags nur ‚cooles Zeug‘ oder Weiterbildungen machen können. Quasi als Alternative zur Vier-Tage-Woche.“ ks Bild: Max Grüninger Inhaberin Verena Altmann mit ihrem Mitarbeiter Jan Haas. Bild: christoph.düpper.photography

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