Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'22 -Südlicher Oberrhein
14 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2022 Leute GRÜNDER Über Ihren Webshop verkaufen Sie moderne Souvenirs mit Bezug zum Schwarzwald. Woher kommt Ihr Interesse an der Region? Mein Vater war halb Franzose, halb Deutscher, meine Mutter Haitianerin. Ich habe schon überall auf der Welt gelebt. Aber in Deutschland habe ich mich irgendwie schon immer am wohlsten gefühlt. Meine Oma kommt aus Empfingen im Nordschwarzwald, vielleicht deswegen. Schon als Kind haben mich die Trachtentänze fasziniert. Ich finde es großartig, dieses Stück Kultur zu bewahren. Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die Waren aus? Ich möchte kleine und originelle Unternehmen und Künstler för- dern, die wenig Unterstützung haben und noch nicht wissen, wie sie vertreiben sollen. Ich verkaufe die Ware zum Selbstkostenpreis und erhalte nur eine Provision. Ich kenne die Region wirklich gut. Es ist mir sehr wichtig, dass die Waren wirklich von hier stammen. Deswegen schaue ich mir vor Ort an, wie und wo die Dinge her- gestellt werden, und lasse mir die Geschichte und Idee dahinter erzählen. Und ich teste alles selbst. Was haben Sie zuvor gemacht? Eine Zeit lang war ich Barkeeperin im Landhotel Dammenmühle. Bei Uwe Baumann, einem lokalen Kulturförderer, habe ich ein Prakti- kum gemacht. Das Umfeld hat mir gefallen, aber ich wollte gerne selbst verantwortlich sein. Nach einer kaufmännischen Weiterbil- dung wollte ich mich eigentlich in die Schwarzwald Kosmos GmbH einkaufen, um Kulturförderung zu betreiben. Uwe Baumann hat mich auf die Idee mit einem Shop gebracht. Erst war ich skeptisch – aber dann dachte ich, warum eigentlich nicht? Ich bin eine gute Ver- käuferin. Das Arbeitsamt Lahr hat mich sehr ermutigt meinen Weg zu gehen und auch die IHK-Beratung habe ich in guter Erinnerung. Wie haben Sie die Gründung finanziell gestemmt? Mich haben zu Beginn viele Menschen unterstützt. Ein Fotograf hat die Produkte günstig fotografiert, ein Bekannter hat mir privat Geld geliehen. Natalia Schwarz, deren Bollenhut-Schmuck von Men- schen mit Behinderung gefertigt wird und den ich inzwischen auch anbiete, hat mir sogar ungefragt einfach Geld überwiesen, damit ich die erste Ware einkaufen konnte. Was haben Sie als Herausforderung empfunden? Mein schriftliches Deutsch war anfangs nicht besonders gut. Wenn ich Korrespondenz zu führen hatte, saß ich oft gehemmt vor dem Computer, weil ich nichts falsch machen wollte. Das hat mich viel Zeit gekostet, was bei Kundenanfragen natürlich nicht geht. Ein B2- Kurs im Beruf in diesem Sommer gab mir wahnsinnig viel Selbstver- trauen. Das war ein großer Schritt für mich. Mir begegnen auch manchmal Menschen, die meinen, wegen mei- ner Hautfarbe könnte ich mich nicht für den Schwarzwald einsetzen. Denen begegne ich mit Humor. Ich versuche meine ganze Energie in die Förderung von interessanten Unternehmen zu stecken und mich nicht zu ärgern. Was sind nächste Pläne? Ich hätte gerne ein Ladenlokal oder wenigstens einen vorüberge- henden Showroom in der Lahrer Innenstadt, um mehr Publikums- verkehr anzulocken. Hier im „zeit.areal“, dem ehemaligen Roth- Händle-Areal, kommen Interessenten ganz gezielt vorbei, weil sie zum Beispiel bei einer Touristeninfo von mir erfahren haben. Leider hat die Stadt bislang kein Interesse gezeigt, obwohl es Leerstand gibt. Und die Ladenmieten sind sehr teuer. Interview: db Kunst und Design aus dem Schwarzwald Bollenhut und Gemälde Kosmos Schwarzwald Shop & Galerie Gründerin: Rosena Kuhner Ort: Lahr Gründung: 2019 Branche: Verkauf Idee: (Online-)Shop für regionales Design und Kunsthandwerk, Geschenkideen für Firmen Rosena Kuhner in ihrem Shop im zeit.areal in Lahr. Im Arm hält sie den „Schwarzwaldzwerg Schorsch“ – nach eigenen Angaben ein Bestseller.
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