Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'22 - Hochrhein-Bodensee
51 11 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Serie über nachhaltige Betriebsgelände (3/3): Winterquartiere schaffen Einfach mal nicht aufräumen Kost und Logis für Vögel Wer etwas für die heimischen Piepmätze tun will, kann eine Futterstelle einrichten – oder gleich mehrere. Sinnvoll ist es, auf ausreichend Abstand zu achten: zur nächsten Glasscheibe (zwei Meter, besser mehr) und zur nächsten Kat- ze (Futterstellen also an hochgelegenen, über- sichtlichen Stellen einrichten). Auch vor starkem Wind und Regen sollte der Ort geschützt sein. Dies gilt ebenfalls für Nistkästen, die nicht nur Vögel zum Überwintern nutzen. Auch Mäuse, Eichhörnchen, Fledermäuse und viele Insekten machen es sich in den künstlichen Schlafstu- ben gemütlich, wenn die Temperaturen pur- zeln. Die kalte Jahreszeit lässt sich zudem gut nutzen, um Pläne fürs Frühjahr zu schmieden und festzulegen, wo auf dem Firmengelände dann Bäume, Hecken und Sträucher gepflanzt werden als Lebensraum und Nahrungsvorrat für die gefiederten Freunde. Die Dringlichkeit für den Artenschutz könnte kaum größer sein: Im Vergleich zum Jahr 1800 gibt es heute 80 Prozent weniger Vögel in Deutschland. Unterschlupf für den Igel Klar, in der siebten Etage eines Büroturms lässt sich ein Winterquartier für den Igel nicht einrichten. Wem aber eine Rasen- oder Gar- tenfläche zur Verfügung steht, kann dem sta- cheligen Vierbeiner einen Haufen aus Holz, Reisig und Laub zusammenschieben – am besten in einer ruhigen Ecke des Geländes. Eine Hecke, alte Baumstümpfe oder Holzstapel sorgen für Stabilität und Schutz. Auch ein mit Laub bedeckter, umgedrehter, stabiler Karton oder eine Holzkiste sind geeignete Unterkünf- te. Einfache Igelhäuschen sind im Baumarkt erhältlich, oder man baut sie selbst – vielleicht eine Aufgabe für den jüngsten Azubijahrgang? Der Klassiker: das Insektenhotel Diesen Room-Service nehmen Bienen, Hum- meln, Fliegen, Marienkäfer oder Ohrenkneifer gern in Anspruch: Insektenhotels. Dazu braucht es nicht zwingend Gärten, Balkone oder Dach- terrassen. Platzieren lassen sich die Holzhäu- ser fast überall. Wichtig ist die Ausrichtung nach Süden: Sonne ja, Wind und Feuchtigkeit nein. Regenwasser sollte gut ablaufen können. Insektenhotels gibt es in unterschiedlicher Bauart und Größe zu kaufen, oder man bastelt sie selbst zusammen. Vielleicht eine Idee für das nächste Teamevent? Bauanleitungen gibt es online, etwa beim Naturschutzbund (Nabu) ( www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insek- ten-und-spinnen/insekten-helfen/00959. html). Viele Insekten suchen in Gebäudeni- schen, speziell in Garagen, Kellern oder Dach- stühlen nicht nur Schutz vor Schnee und Frost, sondern vor allem eines: Ruhe – und damit keine Störquellen wie zu viel künstliches Licht oder Staub- und Laubsauger. Schutz für Amphibien Sommer ist, wenn in Hörweite so mancher Arbeitsplätze Froschkonzerte angestimmt werden. Ein halbes Jahr später wird es an den Ufern von Teichen und Tümpeln ruhig. Frösche, Kröten und Molche suchen sich dann ein dunk- les, feuchtes Winterquartier. Der Nabu weist darauf hin, dass nicht nur vielbefahrene Stra- ßen und Gullys, sondern auch Kellerschächte zur tödlichen Falle werden können. Mit einem engmaschigen Gitter lässt sich das Problem einfach lösen. Grundsätzlich sind Kompost- und Laubhaufen, Baumwurzeln und feuchte Erdlöcher (für die Erdkröte) sowie tief ausgeho- bene Teiche, die deshalb nicht bis zum Grund zufrieren (für den Grasfrosch und die Larven des Teichmolchs) geeignete Wohnstätten, die das Überwintern dieser Tiere erleichtern. Auch eine Trockenmauer ist nicht nur ein schönes Gestaltungselement auf dem Firmengelände, sondern gleichzeitig ein potenzieller Winterun- terschlupf für Eidechsen. bb SERIE: NACHHALTIGE BETRIEBSGELÄNDE Teil 1: Tausche Rasen gegen Blühwie- sen. Mehr Biodiversität auf dem Firmenareal schaffen (WiS 5/2022) www.wirtschaft-im- suedwesten.de/themen-trends/tausche-rasen- gegen-bluehwiese Teil 2: Damit Falter nicht abschwirren. Aktiv gegen Lichtverschmutzung (WiS 10/2022) www.wirtschaft-im-suedwesten.de/themen- trends/damit-falter-nicht-abschwirren Für heimische Wildtiere sind naturnahe Gärten ein idealer Rückzugs- ort, speziell im Winter. Und was auf privatem Grundstück gut ist, kann auf dem Firmengelände nicht verkehrt sein. Unternehmen kön- nen hier einen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leisten. Oft sind kleine Maßnahmen von großer Wirkung. Umgekehrt gilt: Wer beim großen Aufräumen der Gartenanlagen radikal Laub und alte Ästen einsammelt, entfernt zugleich Lebensräume und Nahrungsquellen. Worüber sich Vögel, Insekten und Co. in der kalten Jahreszeit freuen. Bild: Adobe Stock/ondrejprosicky
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