Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'22 - Hochrhein-Bodensee

9 11 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Badische Staatsbrauerei Rothaus AG, Grafenhausen Regenerative Energie am Start Vorstand Christian Rasch: „Für unser Ziel, bis 2030 klimapositiv zu wer- den, modernisieren wir unsere Anlagen und Prozesse bei Rothaus ständig. Umwelt- und insbesondere Klimaschutz ist und war uns als Hersteller reiner Naturprodukte immer schon wichtig. Rothaus hat dafür bereits in den letzten zehn Jahren hohe Investitionen im zweistelligen Millionenbereich getätigt. Klimapositivität geht einher mit Energieeffizienz, Energieeigenproduktion und Eigennutzung des Stroms. Für die Inbetriebnahme der neuen PV-Anlage, die auf 1.000 Metern Höhe aus der Schwarzwaldson- ne Energie erzeugt, hat Rothaus, dank der hohen Kompetenz der eigenen Mitarbeitenden in Kombi- nation mit hervorragenden externen Fachfirmen, gerade einmal zwölf Monate von der Planung bis zur Realisierung benötigt. Mit der Hackschnitzel- anlage werden 80 Prozent der Dampfwärme aus Biomasse erzeugt, damit ist Rothaus unabhängig von der Lage am Gasmarkt. Engpässe müssen so nicht be- fürchtet werden. Als landeseigenes Unternehmen hat Rothaus die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen bereits vor in Kraft treten umgesetzt und verzichtet beispielsweise auf das Anstrahlen der Brauereigebäude und die Beleuchtung der Sudpfanne in Rothaus. Krisen bieten auch immer Chancen. Wir stellen aktuell in allen Bereichen der Brauerei neue Mitarbeitende ein, auch um den bevorstehenden Generations- wechsel vorzubereiten. Rothaus setzt alle geplanten Projekte und Investitionen um. Erklärtes Ziel ist es, mit Schwung aus der Krise herauszukommen.“ zu zahlen. Je nach Länge des Mietvertrags lohnt die In- vestition auch für den Mieter. Eine Win-Win-Situation. Mitarbeiter motivieren „Kein Betrieb ist perfekt. Jeder noch so eingespiel- te betriebliche Ablauf lässt sich noch verbessern“, sagt Frederik Richau, Projektleiter der Initiative „Kli- mafreundlicher Mittelstand“ vom Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V. (VEA). „Wer noch keine hat, sollte jetzt eine Task Force für Energiethemen einbe- rufen“, sagt Richau. Wichtig sei, so Richau, alle Mitar- beiter bei der Energiesparreise mitzunehmen. „Belo- bigungen und kleine Geschenke können Anreize zum Energiesparen für Mitarbeitende schaffen.“ Wichtig sei auch, die Energiesparziele und deren Fortschritte, ebenso wie die Erdgas- und Strompreise regelmäßig an die Mitarbeiter zu kommunizieren. Von anderen lernen Natürlich haben schon längst viele Unternehmen die Gelegenheit ergriffen, ihr Energiesparpotenzial unter die Lupe zu nehmen. Eindrucksvoll zeigt das eine Liste mit Praxisbeispielen, die die VEA zusammengetragen hat. Ein Beispiel aus der Kunststoffbearbeitung: Dort sorgen hohe Betriebsdrücke für beträchtliche Wärmeentwick- lung und dadurch bedingt zu hohen Energieverlusten, wenn Wärme in die Umgebung entweicht. Mittels Däm- mung des Schneckenzylinders einer Extrusionsmaschine „blumen bär“ GmbH, Bad Krozingen Transportwege verkürzen, wo es geht Dieter Bär und Nicole Oberfell, Geschäftsleitung: „Die Produkti- onskosten steigen beträchtlich, ob im Bereich der Blumenzwiebeln oder unserer landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen. Die Erzeu- ger verringern teilweise ihre Produktion, einige müssen diese kom- plett einstellen. Die Preisentwicklung ist daher beträchtlich und kann nicht immer vollständig an unsere Kunden weitergegeben werden. Die Summe der Kostensteigerungen für Energie, Strom und Diesel verlangen auch von uns weitere organisatorische und technische Maßnahmen, um Einsparungen zu erzielen. Bei der Sanierung unseres neuen Unternehmenssitzes wurde bereits darauf geachtet, alle Umbaumaßnahmen möglichst nachhaltig zu ge- stalten, damit das denkmalgeschützte Anwesen auch energiesparen- de und ressourcenschonende Qualitäten aufweisen kann. Durch die Investition in eine energieeffiziente Wärmepumpe sowie Kühlhäuser und Klimakammern haben wir bereits beste Grundlagen für einen niedrigeren Energiebedarf geschaffen. Auch durch die Nutzung von Ökostrom, nachhaltiger Digitalisierung und durch die Optimierung von Arbeitsabläufen möchten wir zusätzliche Kosten mindern und dadurch auch künftige Herausforderungen meistern. Wir müssen uns im landwirtschaftlichen Bereich schon immer Heraus- forderungen anpassen und uns permanent auf neue Anforderungen unserer Umwelt einstellen. Verschiedene Maßnahmen werden hier regelmäßig konzipiert und könnten so zeitnah umgesetzt werden. Hierzu zählen unter ande- rem die Verbesserung von Arbeitsabläufen und die Weiterentwicklung von Maschi- nen und Pflanztechniken. Wir entwickeln Maschinen, die mehrere Arbeitsabläufe in einem Arbeitsgang ausführen können. Dadurch können Fahrwege und erhebliche Kraftstoffmengen eingespart werden. Auch durch Lageroptimierungen können unnötige Transportwege vermieden werden. Darüber hinaus sind weitere Investitionen zum Beispiel in Solaranlagen und die Anschaffung von Elektrofahrzeugen geplant. Bei der Sortenauswahl und der Bearbeitung unserer Produkte be- rücksichtigen wir die Belange des Umweltschutzes und achten auf einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und Rohstoffen. Weiter- hin tragen wir zu einer besseren Ökobilanz bei. Denn durch regionale Blumenfelder werden zusätzliche Wege sowie lange Transportzeiten vermieden und somit Energie und CO 2 -Emisionen eingespart. Wir un- terstützen damit nachhaltig die Landwirtschaft vor Ort und wirken so auch Umweltbelastungen und sozialen Missständen in der weltweiten Blumenproduktion entgegen.

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