Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

26 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2022 S chon die begleitende Fachausstellung des Forums ließ ahnen, wie vielseitig die Aufgaben sind, die ein modernes Zerspa- nungsunternehmen bearbeiten muss, um erfolgreich bleiben zu können: Von der Soft- ware zur Fertigungsorganisation bis zum Spezialisten für die Oberflächenbehandlung zeigten schon vor den Keynotes und Fach- vorträgen gut zwei Dutzend Aussteller opti- mierte oder neuen Möglichkeiten effizienter und hochwertiger zu fertigen. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos unterstrich die Bedeutung innovativer Technologien und Denkweisen für die Zerspanung und forderte zugleich politische Unterstützung, um die Leistungsfähigkeit der Branche und damit die Wirtschaftskraft der Region zu schützen: Keine einseitige Festlegung auf den elektrischen Antrieb und Technolo- gieoffenheit in Sachen Mobilität, flächen- deckender Ausbau von Glasfasernetzen als zentrale digitale Infrastruktur und mehr Planungssicherheit angesichts von Krisen wie Ukraine-Krieg und Energiesanktionen, so ihre Aufzählung. Hinzu komme die Problematik aus Fach- kräfte- und Nachwuchsmangel und ver- sagenden Lieferketten. „Wir stellen uns den aktuellen Herausforderungen, wir sind innovativ“, unterstrich die IHK-Präsidentin zugleich. Und auch Harald Stallforth, Vorstandsvor- sitzender des Forum-Veranstalters Techno- logyMountains, stellte die Bedeutung der Innovation für die Branche heraus: „Wir werden heute viel über Möglichkeiten hierzu hören, optimierte Prozesse kennenlernen“, verwies er auf die folgenden Keynotes. CO 2 als Fertigungs­ beschleuniger Wie stark Innovation auch in scheinbar kleinen Aspekten Produktivität und Kos- ten beeinflussen können, belegte Bahman Azarhoushang vom Kompetenzzentrum für spanende Fertigung (KSF) der Hochschule Furtwangen: Der Professor stellte die For- schungen seines Instituts zum Thema Küh- lung bei der Zerspanung vor. So nutzt man dort CO2, um damit Werkzeug und Werkstück am Schneidepunkt zu kühlen und mikroskopisch kleine Öltröpfchen einzu- bringen. Das Medium wird durch besondere Ausgestaltung von Werkzeugen direkt am Wirkungspunkt abgegeben und erwies sich als bestens geeignet für Hochgeschwindig- keitszerspanung. So erreiche man nicht nur deutlich höhere Verarbeitungsgeschwindig- keiten an kritischen Werkstoffen wie Titan, sondern erzielte auch signifikant bessere Werkzeugstandzeiten durch deutlich gerin- geren Verschleiß. Mit diesen konkreten Impulsen gerüstet ging es nachmittags in weitere Fachvor- träge: Die Bandbreite der Themen reichte von der Bearbeitung von Oberflächen per Laser über die Nutzung digitaler Prozess- ketten bis hin zum Leistungsvermögen von modernen Kühlschmierstoffen. Gemeinsam war den vorgestellten Themen auch hier der Fokus auf den aktuellen Wissensstand in Forschung und Entwicklung mit Bezug zur Praxis in Fertigung und Organisation. Zukunftssichernde Kooperationsprojekte Dass die Zerspanung als maßgebliche Fer- tigungstechnologie in der Region Zukunft hat, das sollte durch solches Know-how gesichert sein: „Und wenn es uns gelingt, miteinander in Kooperationsprojekte zu gehen und gemeinsam Entwicklungen anzu- packen, werden wir auch morgen noch eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas sein“, resümiert Technology Mountains-Ge- schäftsführer Thomas Wolf. Ja Daniela Jardot Fachbereich Innovation | Technologie 07721 922-121 jardot@vs.ihk.de 4. InnovationForum Zerspanungstechnologie Kongress liefert Perspektiven Eröffnung des diesjährigen Innovationsforums Zerspanungstechnologie in der Stadthalle Tuttlingen. Von links: Thomas Wolf (Geschäfts- führer Technology Mountains), Harald Stallforth (Vorstandsvorsitzender TechnologyMountains), IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos, Bahman Azar- houshang (Kompetenzzentrum für spanende Fertigung), Hans-Christian Möhring (Universität Stuttgart) und Konrad Wegener (ETH Zürich). Für die 150 Besucher des 4. InnovationForum Zerspanungstechnologie in der Stadthalle Tuttlingen lieferten hochkarätige Experten wertvolles Know-how für die eigene Zukunft: Denn eine der Leitbranchen der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, für die der Technologieverbund Technology Mountains diesen Kongress erstmals seit drei Jahren wie- der ausrichten konnte, steht vor wichtigen Herausforderungen. Mehr Produktivität durch intelligente Prozesse und Technologien ist das Thema, das den informativen Tag prägte. Bild: Michael Kienzler

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