Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2022 A ngesichts steigender Energiepreise, Lieferket- tenproblemen und Teilemangel ist die Stimmung durchwachsen – beim Blick in die Zukunft gaben sich die Branchenvertreter kämpferisch und optimistisch zugleich. wvib-Präsident Thomas Burger fand in seiner Begrü- ßung deutliche Worte: „Noch nie war die Welt der Automobilindustrie so in Aufruhr wie heute“. Der Schonacher Unternehmer, selbst Automobilzulieferer, prangerte das Gebaren der Markenhersteller in der Krise an. Firmen wie Mercedes und VW machten in der Krise Kasse – und drangsalierten die Zulieferer, unter anderem indem sie Kosten in die Lieferkette wei- tergäben, gleichzeitig aber kaum Preissteigerungen akzeptierten. An das Plenum appellierte Burger: „So wie jetzt kann es nicht weitergehen.“ Den Wandel aktiv mitgestalten IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos unterstrich in Ihrer Begrüßung dagegen die langfristigen Aussichten und gab sich kämpferisch: „Wir wollen diesen Wandel aktiv mitgestalten – die Voraussetzungen für eine erfolgrei- che Transformation sind hier vor Ort gegeben.“ Ha- kenjos betonte die strukturell guten Standortfaktoren der Region, merkte aber zugleich auch an, dass die anstehenden Aufgaben keine kleinen sind. Die Vorträge des Tages drehten sich dann um die verschiedensten Facetten der Transformation. Der deutsch-amerikanische Internetpublizist Tim Cole nahm sich in seiner Keynote die Digitalisierung der Branche vor und verglich die digitale Transformation mit der Tektonik: „Erdplatten mögen sich nur langsam und unbemerkt bewegen – können aber schlagartig Erdbeben auslösen.“ Auch Martin Koers, langjähriger Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), ging in seinem Vortrag „Beispiellose Krise trifft beispiellose Transformation“ auf die schwierige Gemengelage der Branche ein und stellte die Frage, ob die bisherigen Erfolgsfaktoren der Branche auch in Zukunft Erfolg garantierten. Die von Burger angesprochenen Reibun- gen in der Lieferkette, Spannungen auf dem Weltmarkt, politische Regulierung ohne Technologieoffenheit, Silo- denken in der Klimapolitik, schleppende Digitalisierung – Deutschland drohe, dadurch seine Spitzenposition zu verlieren. Koers appellierte an Politik und Unterneh- men: „Wir, die das Auto erfunden haben, dürfen uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.“ Harald Marquardt, Vorsitzender des Vorstands der Marquardt-Gruppe aus Rietheim-Weilheim und IHK- Vizepräsident, verbreitete mit seiner Keynote un- ternehmerischen Optimismus. Ob Akkuschrauber, Autoschlüssel oder Smartphone-Fahrberechtigungs- Eröffnung des Automotive-Gipfels in Donaueschingen. Von links: Thomas Burger (Präsident wvib Schwarzwald AG und Geschäftsführender Gesellschafter Burger Group), Harald Mar- quardt (Vorsitzender des Vorstands der Marquardt-Gruppe aus Rietheim-Weilheim und IHK- Vizepräsident), Moderator Andreas Richter, Keynote Speaker Martin Koers, IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos, Keynote Speaker Tim Cole, Christoph Münzer (Hauptgeschäftsführer wvib Schwarzwald AG) und Thomas Albiez (Hauptgeschäftsführer IHK). Bilder: Michael Kienzler »Wir, die das Auto erfunden haben, dürfen uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen« Automotive-Gipfel von IHK und wvib Den Wandel gestalten Wohin bewegt sich die Automobilwirtschaft? Unter der Überschrift „Transformation in schwierigem Umfeld gestalten“ begab sich die Branche beim Automotive-Gipfel in den Donauhallen in Donaueschingen auf die Suche nach Antworten.

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