Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'22 - Hochrhein-Bodensee
56 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 10 | 2022 Praxiswissen O b in Deutschland, Polen, China, den Vereinigten Staaten von Amerika oder Tunesien: Mitarbeiter der Anton Häring KG, die Führungsverantwortung oder eine Expertenrolle an einem der fünf Standorte über- nehmen möchten, müssen Deutsch sprechen. Dass es im ersten Moment überrascht, wenn die Firmenspra- che eines global agierenden Konzerns nicht Englisch ist, kann Geschäftsleiterin Miriam Häring nachvollzie- hen. Der vermeintliche Sonderweg des Technologie- unternehmens hängt eng mit dem seit Jahrzehnten anhaltenden Fachkräftemangel und wachsenden glo- balen Aktivitäten des Familienbetriebs zusammen, sagt sie: „Seit den 1980er-Jahren versucht Anton Häring, seinen Personalbedarf auch über Zuwanderung zu de- cken. Um internationalen Mitarbeitern den Neustart zu erleichtern, hat sich die Gründerfamilie früh dafür ein- gesetzt, dass diese Deutsch lernen, sich um adäquaten Wohnraum bemüht und versucht, die Menschen über Vereine sozial zu integrieren. Diesen Dreiklang haben wir beibehalten.“ Eine weitere Herausforderung, die in die Wahl der Fir- mensprache hineinspielte: Als das Unternehmen sein weltweites Geschäft ausbaute, saßen die Know-how- Träger am Hauptsitz in Bubsheim – die meisten von ih- nen ohne ausreichende Englischkenntnisse. „Kommu- nizieren zwei unsichere Fremdsprachler miteinander, sind fachliche sowie interkulturelle Missverständnisse keine Seltenheit. Dieses Risiko wollten die Gründer mit ihrer Entscheidung für Deutsch als Konzernsprache minimieren“, skizziert Häring. Bis heute gilt: Der Mut- tersprachler stellt sicher, dass sein Gegenüber alles richtig verstanden hat. Inhouse-Sprachkurse als Schlüssel Deutsch zu lernen ist heute Teil des Managementpro- gramms für den internationalen Fach- und Führungs- kräftenachwuchs. Konzernweit vermitteln zahlreiche Lehrkräfte inhaltlich auf die Tätigkeit abgestimmte Sprachkenntnisse. Sieben von ihnen unterrichten al- lein an der Häring-Akademie in Bubsheim. Auf dem Lehrplan stehen sowohl 45-minütige Einzelstunden als auch Konversationstrainings in Kleingruppen, in denen Grammatikregeln vermittelt und Sprachkennt- nisse gefestigt werden. Auch für die sechs ukraini- schen Jugendlichen, die bei Anton Häring eine ein- jährige Einstiegsqualifizierung absolvieren, gibt es ein spezielles Angebot, das sie auf ihre duale Ausbildung und den damit zusammenhängenden Schulbesuch vorbereitet. Und für die übrige Belegschaft? „Nicht-Muttersprach- lern, die Deutsch lernen möchten, es aufgrund ihrer Tätigkeit aber nicht müssen, bieten wir kostenfreie Kurse nach Feierabend an“, sagt die Unternehmerin und betont: „Dieses Angebot ist freiwillig und wir res- pektieren, wenn es nicht angenommen wird.“ In diesem Fall versucht das Unternehmen, sein Personal anders in interne Abläufe zu integrieren – die wichtigsten In- formationen werden zum Beispiel weiterhin in Englisch und anderen Sprachen verbreitet. Eine gemeinsame Sprache ist essenziell für die Integration internationaler Mitarbeiter und den unternehmerischen Erfolg. Das fand auch die Gründerfamilie der Anton Häring KG und hat sich bereits vor 40 Jahren für Deutsch als Firmensprache entschieden. Wie das Unternehmen diese über alle Standorte hinweg etabliert. Ein Praxisbeispiel. Welcome Center Weitere Informationen zur Arbeit des Welcome Centers unter www.ihk.de/sbh 4628594 Bild: Adobe Stock, Good Studio Sprachbarrieren abbauen Ich verstehe dich
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