Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'22 - Hochrhein-Bodensee
47 10 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Verkehrsminister Windfried Hermann besucht Hafen Kehl Hafendirektor fordert verbesserten Gleisanschluss KEHL. Der fehlende Regen treibt Hafendirektor Volker Molz um: Am Binnenhafen in Kehl werden aufgrund des Niedrigwassers im Rhein derzeit 100.000 Tonnen pro Monat weniger umgeschlagen als in vorangegan- genen Jahren. Die Schiffe können momentan nur etwa ein Viertel ihrer Kapazität beladen. Ein Problem für die im Hafen ansässigen Firmen wie die Badischen Stahlwerke oder die Papierfabrik Koehler: Ihnen fehlen wichtige Rohstoffe. Wie der Hafen Kehl in Zeiten der Klimakrise und Niedrigwasser zur klimafreundlichen Verkehrswende beitragen kann, darum ging es beim Besuch von Finanzstaatssekretärin Gisela Splett und Landesverkehrsminister Winfried Hermann (beide Grü- ne) Anfang September. Mit rund sieben Prozent Anteil am Güterverkehrsauf- wand nimmt die Binnenschifffahrt in Deutschland bis- lang nur eine untergeordnete Rolle im Güterverkehr ein. Der Transport auf dem Wasser hat aber insbesondere aus Klimaschutzsicht laut Umweltbundesamt Vorteile gegenüber dem Lkw-Transport: Ein 40-Tonnen-Sattel- zug verursacht pro Tonne Fracht und Kilometer (tkm) rund 68 Gramm Kohlendioxid, ein Binnenschiff mit 17 g CO2 etwa ein Drittel. „Es muss wieder mehr über die- sen Weg gehen“, meint deswegen Winfried Hermann. Mit Blick auf die Einschränkungen wegen des Nied- rigwassers verwies Hermann auf eine Initiative mit Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die drei Bundes- länder machen sich dafür stark, die Fahrrinne für die Schifffahrt im Mittelrhein so schnell wie möglich zu vertiefen. Es gehe dabei nicht um ein großflächiges Ausbaggern, sondern um eine „Abladeoptimierung“ von 20 Zentimetern. Minister: „Abbau war kurzsichtig“ Neben dem Niedrigwasser bremsen den Hafen Kehl fehlende Zuggleise aus. „Das Verkehrssystem Was- serstraße funktioniert nur, wenn auch die Bahn- und Lkw-Anbindung stimmt“, sagt Molz. Das Problem: In der Vergangenheit seien in Kehl 6,5 Kilometer Schienen demontiert worden, so der Hafendirektor. Rangierflä- che, die heute schmerzlich fehlt. Denn die Strecke ist nicht elektrifiziert. Bevor ein Zug auf das Hafengelände fahren kann, muss eine Diesellok angekoppelt werden. Der Abbau von Gleisen sei kurzsichtig gewesen, er- klärte der Landesverkehrsminister Winfried Hermann bei seinem Besuch. Er versprach den Hafen in Sachen Schienenbau zu unterstützen. „Wichtig ist, dass wir den vergleichsweise ökologischen Transport vom Wasser nicht auf die Straße bringen.“ db
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