Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'22 - Hochrhein-Bodensee

20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2022 REGIO REPORT  IHK Hochrhein-Bodensee I n ihrer aktuellen Studie „Einfluss des Kauf- verhaltens der Kunden aus der Schweiz auf den Einzelhandel in der Region Hochrhein- Bodensee“ untersucht die IHK, wie sich der Einkaufstourismus aus der Schweiz in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Dabei nimmt sie gezielt die Faktoren Wechselkur- ses, Kaufkraft in der Region und Coronakri- se in den Blick. Die Analyse soll abschätzen helfen, wie sich der stationäre Einzelhandel entlang der Schweizer Grenze künftig ent- wickeln wird.  Schweizerische Nachfrage hat viele Gesichter „Über Jahre ist die Nachfrage aus der Schweiz gestiegen. Südbaden ist zum Nahversorger der Nordschweiz geworden. Verkaufsflächen, Sortimentstiefe und Markenvielfalt in den grenznahen Orten sind darauf ausgerich- tet“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Claudi- us Marx. „Treiber der Nachfrage sind neben der Qualität des Angebots und der Aufent- haltsqualität in den Innenstädten die höhere Kaufkraft der Schweizer Kundschaft, das at- traktive Preisgefälle im Einzelhandel und die Rückerstattung der Mehrwertsteuer. Nicht zuletzt befeuert ein attraktiver Wechselkurs des Schweizer Franken zum Euro die Nach- frage. Für 2,5 Milliarden Euro haben die Men- schen aus der Schweiz 2019 auf deutscher Seite eingekauft. Die grenzüberschreitende Nachfrage macht damit in etwa ein Drittel des Umsatzes im Einzelhandel aus. Vereinzelt liegt der Anteil der Schweizer Kunden sogar bei 50 bis zu 80 Prozent.“ Mit der Pandemie, Lockdowns, scharfen Hygienemaßnahmen und einer Grenzschließung brachen laut Marx die Umsätze zeitweise völlig ein, die Auswir- kungen seien bis heute zu spüren. „Dem Ein- zelhandel fehlt bis heute noch gut ein Drittel der Schweizer Kundschaft.“  Regionale Kaufkraft auf Wachstumskurs Dennoch besteht kein Grund zu übermäßi- ger Sorge, so das Fazit der aktuellen IHK- Studie. Im Gegenteil, sagt Handelsreferentin Lena Häsler. Vieles spreche dafür, dass sich der grenznahe Einzelhandel gut entwickeln werde. „Obwohl die Umsätze und Gewinne im Einzelhandel heute noch deutlich unter Vorkrisenniveau liegen, sind die Perspektiven gut.“ Das hänge schon mit der Bevölkerungs- entwicklung zusammen. „Die Bevölkerung in der Grenzregion wird bis 2035 voraussichtlich um fünf Prozent wachsen. Auch die Kaufkraft in der Region wird weiter zulegen. Das Poten- zial liegt dabei eindeutig bei der Schweizer Nachfrage.“ Die Kaufkraft in den grenznahen, dicht besiedelten Kantonen liegt laut Häsler bei 33 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Auf deutscher Seite liegt sie bei fünf Milliarden Euro. „Da ist noch viel Luft nach oben.“ Inflation schmälert Preisersparnis leicht Ein günstiger Wechselkurs, die Umsatzsteu- errückerstattung bei gleichzeitig niedriger Mehrwertsteuer seien optimale Vorzeichen, damit die Menschen aus der Schweiz wie- der wegen der zum Teil deutlich günstigeren Preise in Deutschland einkaufen, sagt Uwe Böhm, Geschäftsführer für Internationales in der IHK. „Schon in der Vergangenheit stieg und fiel die Zahl der Ausfuhrkassenzettel mit dem Wechselkurs. Auch wenn die aktu- ell hohe Inflation in Deutschland gegenüber der Schweiz die Ersparnis für die Schweizer Kundschaft etwas schmälert, mittelfristig wird die Inflation durch steigende Energie- kosten auch an der Schweiz nicht spurlos vorübergehen und damit auch dort zu höhe- ren Preisen führen.“  Aufenthalt in Innenstädten attraktiver gestalten So positiv danach die Ausgangslage auch scheint, die Entwicklung sei kein Selbstläufer, meint Claudius Marx. Damit sich der Einzel- handel positiv entwickele, müssten sich pa- rallel auch die Innenstädte weiterentwickeln. „Der Einzelhandel hat gute Perspektiven, aber auch Herausforderungen. Einfach nur Waren anzubieten, das kann der Onlinehan- del viel besser – quantitativ ist dieser Wett- bewerb nicht zu gewinnen. Es wird künftig darum gehen, in den Innenstädten Erlebnisse zu schaffen und bereits den Aufenthalt als solchen so attraktiv wie möglich zu gestalten. Das beginnt nicht erst an der Ladentür! Dabei gibt es wohl wenige Regionen in Deutsch- land, wo die Ausgangslage für Innenstädte und Einzelhandel so gut ist.“ hw Wie werden sich die Umsätze im grenznahen Einzelhandel langfristig entwickeln? Und welche Rolle spielt dabei die Kundschaft aus der Schweiz? Darum geht es in der aktuellen IHK-Studie zum Kaufverhalten schweizerischer Kunden. Zentrale Ergebnisse im Überblick.   Volle Taschen: IHK-Studie erwartet, dass sich der grenznahe Einzelhandel positiv entwickeln wird. Bild: Adobe Stock - methaphum IHK-Studie zur Entwicklung des Einkaufstourismus Gute Perspektiven trotz Herausforderungen

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