Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September'22 - Hochrhein-Bodensee

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2022 titel Alter Hase: Eto Gruppe, Stockach Von Start-ups viel gelernt Michael Schwabe hat in Sachen Digital- und Start-up-Szene eine steile Lernkurve hingelegt, wie der Geschäftsführer der „ETO GRUPPE“, ei- nem 2.500 Mitarbeiter starkenAutomobil- und Maschinenbauzulieferer mit Sitz in Stockach, selbst feststellt: „Die Szene tickt völlig anders als unsere Branche. Geschwindigkeit ist dort wichtiger als Absicherung. Deshalb redet dort jeder mit jedem über seine Ideen.“ Man disku- tiert, greift den Ball auf, zieht Experten hinzu „und aus einer anfänglichen Spinnerei wächst eine Innovation.“ Im klassischenAutomobilzu- lieferergeschäft würde man erstmal den Patent- anwalt anrufen, ein Non-Disclosure-Agreement abfassen und eine Präsentation vorbereiten, witzelt Schwabe. Vor rund drei Jahren hat der Hersteller von Steu- erungstechnik für Pkw- und Lkw-Antriebe und die Industrie begonnen, sich aktiv auf die elektromobile Zukunft vor- zubereiten, unter anderem mit umfangreichen internen Innovationsprozessen. „Aber wir wä- ren naiv anzunehmen, dass wir das alles aus eigener Kraft stemmen könnten, was an Trans- formation nötig ist,“ sagt Michael Schwabe. „Dort draußen gibt es bereits Ideen, die wir gut nutzen können – in Start-ups, denen wir mit unserer Expertise und Größe zu den nö- tigen Skaleneffekten verhelfen können.“ Das Unternehmen definierte die Technologiefelder, die für die eigene Zukunft wichtig sind und suchte das Gespräch mit der Szene, stell- te auf Kongressen und in Fachmedien offen die eigenen Ansätze und Projekte vor, signali- sierte Bereitschaft und Agilität – und freut sich über die Resonanz: „Mittlerweile laufen uns 80 Prozent der Erfinder und Geschäftsanbahnun- gen von alleine zu. Die finden uns, bevor wir sie finden“, berichtet Schwabe nicht ohne Stolz. Das Eto-Engagement in Start-ups hat viele Fa- cetten und reicht von niedrigschwelligenAnsät- zen wie dem Sponsern von Innovationsteams und Wissenschaftsclustern über Minderheits- beteiligungen, die konkrete Projekte verfolgen, bis zu 100-Prozent-Übernahmen, wenn beide Seiten überzeugt sind, so mehr Schlagkraft zu haben. uh Entscheidend dürfte deshalb wohl sein, dass die Chemie zwischen den Unternehmen stimmt und man einander auf Augenhöhe begegnen kann. Was so mancher Firma mit jahrhundertealter Tradition und Weltmarktführer- status nicht leichtfällt. Alexander Vatovac rät deshalb zum Perspektivwechsel: „Nur weil man lange im Markt existiert, heißt das nicht, dass das weiter so sein wird.“ Beide Seiten tun gut daran, die Vorurteile abzulegen und unvoreingenommen zu überlegen, wie man voneinander profitieren kann. Die Campana-Schott-Studie lässt hof- fen: Danach bezeichneten zwei Drittel der alten Hasen und jungen Wilden ihre Zusammenarbeit als erfolgreich. 83 Prozent sahen ihre Erwartungen erfüllt. Und 73 Pro- zent der etablierten Unternehmen haben fest vor, mit Start-ups zusammenzuarbeiten. Ulrike Heitze Alter Hase/junger Wilder: Reisebüro Stiefvater, Weil am Rhein Gründen in eigener Sache Aron Stiefvater hat zurzeit gleich zwei Mützen auf. Zum einen die als Hauptge- schäftsführer der Reisebüro-Gruppe Stiefvater mit vier Reisebüros, einem Kreuzfahrt- Café, 50 Mitarbeitern und einer 50-jährigen Familientradition. Zum anderen die des CEO des brandneuen Start-ups LXG AG, das im November an den Markt gehen soll und bis Jahres- ende sein internationales Team auf 20 Leute verdop- peln möchte plus Entwicklern in Berlin und Belgrad. Stiefvater führt das Start-up zusammen mit Maxi- milian Bastian, einem langjährigen Freund. Die Reisebürogruppe ist Hauptanteilseigner der neuen Aktiengesellschaft. Entstanden ist die Idee zu LXG in der Coronazeit, berichtet Stiefvater. „Da hatte man mal Zeit, etwas rechts und links zu schauen.“ Und potenzielle neue Standbeine zu erdenken, die das Reisebürogeschäft ergänzen könnten. Herausge- kommen ist eine Geschenkplattform (www.lxg.ag) , auf der B2B-Kunden die Möglichkeit haben, sich via individueller Landingpage bei Kunden, Mit- arbeitern und Partnern zu bedanken und Geschenkgutscheine zu vergeben. Für Kulinarik, Interieur, Beauty- und Technikprodukte – oder eben für Reisen und Events. „Mit der Ge- schenkplattform als Partner können wir Stiefvater in Richtung E-Commerce und über die Region hinaus entwickeln, ohne das Ganze selbst vonA bis Z durchexerzieren zu müs- sen“, erklärt der Chef die Vorteile. „Wir erleben gerade das Beste aus zweiWelten. Ich kann meine Erfahrung als Familienunternehmer ins Start-up einbringen und bringe Input von dort mit. Unsere Stiefvater Digital GmbH und die LXG-Kollegen befruchten sich mit ihren Erfahrungen, was in der Praxis geht und was nicht, gerade gegenseitig.“ Solange das neue Start-up so dynamisch wächst, haben die einzelnen Belegschaften noch wenig miteinander zu tun. Mittelfristig, sobald sich die Infrastruktur gefestigt hat, sei aber ein stärkerer Austausch angedacht, sagt Aron Stiefvater. „Wir haben unser Familienunter- nehmen mit ‚Tradition trifft Innovation!‘ überschrieben. Da passt das Start-up gut ins Bild.“ uh IHK Hochrhein-Bodensee: Alexander Vatovac 07531 2860-135 alexander.vatovac@konstanz.ihk.de www.ihk.de/konstanz 1668998 IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Maik Schirling 07721 922-349 schirling@vs.ihk.de www.ihk.de/sbh/gruender IHK Südlicher Oberrhein: Christian Müller 07821 2703 641 christian.mueller@freiburg.ihk.de www.ihk.de/freiburg/starthilfe/unter- nehmensgruendung2

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