Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

14 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2022 Leute GRÜNDER Was entwickelt Ihr Unternehmen? Wir entwickeln hochpräzise Drucker, die sehr dickflüssige Medien wie Metallpasten auf Halbleiter auftragen können. Entwickelt haben wir diese Technologie speziell für die Anwendung für Solarzellen. Um den Strom, der in einer Solarzelle erzeugt wird, einzu- sammeln, wird hochleitfähiges Silber ver- wendet. Das ist eine gefragte Ressource, mit der man besonders effizient umgehen muss. Unser Verfahren funktioniert aber auch für andere Halbleiter. Was ist das Besondere an der Technologie? Diese Dispenstechnologie gibt es in ande- ren Bereichen bereits, aber mit deutlich geringeren Druckgeschwindigkeiten und Präzision. Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Homogenität der Leiterbahnen, die mit unseren Druckköpfen verdruckt werden können sowie die sehr hohe Durchsatzzahl. Solarzellen sind ein Massenprodukt, in ei- ner industriellen Produktionslinie wird pro Sekunde eine Solarzelle hergestellt. Auf so einer Solarzelle sind 100 bis 200 solcher Kontakte pro Seite. Und auf diese können wir in einer Überfahrt mit einer Druckge- schwindigkeit von einem halben Meter pro Sekunde mit 100 bis 200 Düsen Leiterbah- nen auftragen. Wie wurde die Gründung finanziert? Wir haben über das Wirtschaftsministerium den Exist-Forschungstransfer bekommen. Das heißt, wir wurden als Gründerteam noch als Institutsmitarbeiter am Fraunho- fer ISE gefördert, um uns komplett auf das Produkt und die Gründung der Firma fokus- sieren zu können. Im Anschluss haben wir dann eine Preeseed-Finanzierung über das Pre-Seed-BW-Programm akquiriert. Das ist ein Wandeldarlehen, das Unternehmen in einer sehr frühen Phase unterstützt und von der Landesbank ausgezahlt wird. Dort haben wir dann auch unseren ersten Co- Investor gefunden, den Fraunhofer Techno- logie-Transfer Fonds (FTTF). Mit diesem und dem High-Tech Gründerfonds haben wir an- schließend erfolgreich eine Seed-Finanzie- rung von 1,2 Millionen Euro durchgeführt. In der befinden wir uns gerade und sind jetzt auch für den Markteinstieg in der Akquise von neuen Mitteln. Highline Technology GmbH Gründer: Marian Breitenbücher (34), Martin Kuchler (34), Florian Clement (43), Maximilian Pospischil (38) (im Bild, von links) Ort: Freiburg Gründung: 2019 Branche: Produduktionstechnologie (Dispenstechnologie) Idee: Materialverbrauch in der PV-Industrie reduzieren Druckverfahren für die Photovoltaikindustrie Silber sparen ist goldwert Was ist der nächste Schritt? Aktuell sind wir im Fraunhofer ISE, dem größten Solarzellenforschungslabor in Eu- ropa, eingemietet. Dort haben wir unsere Technologie in eine Industrieanlage eines deutschen Automatisierherstellers einge- baut und können die Silberersparnisse und Effizienzgewinne auf Zellebene zeigen. Bis Ende des Jahres wollen wir bei einem euro- päischen Zellhersteller demonstrieren, dass die Anlage auch im industriellen Maßstab leistet, was sie verspricht. Danach ist der Markteinstieg geplant. Aus wievielen Mitarbeitern besteht das Team? Am Fraunhofer ISE begann es mit vier Grün- dern. Bei Highline sind inklusive Gründer acht Personen festangestellt, plus zehn Stu- denten. Interview: db

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