Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'22 - Hochrhein-Bodensee

61 6 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Herr Krause, wie ist bei Ihnen in Shanghai aktuell die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt? Andreas Krause: Hauptsächlich läuft die Ver- sorgung über Bestellungen per Social media. Hier in China nutzt man dazu die Plattform WeChat. Unser gesamter Compound, unse- re Wohnanlage, hat sich in verschiedenen WeChat-Gruppen themenspezifisch vernetzt. der Haken: es werden von Händlern zurzeit hauptsächlich Großmengen angeboten, zum Beispiel eier mit einer mindestabnahme von 30 Kisten. Per WeChat melden sich dann die Bewohner eines Compounds, die jeweils eine oder zwei Kisten haben wollen. Hat man die mindestbestellmenge beisammen, werden die eier in kurzer Zeit in den Compound ge- liefert. Alle paar Tage kommen zudem Versorgungs- pakete von der Stadtregierung mit Obst, Fleisch und Gemüse und mittlerweile haben bereits wieder einige Supermärkte und aus- gewählte Filialen von restaurantketten geöff- net. Auch hier läuft es meist auf Großbestel- lungen hinaus. Sobald ein mitbewohner von der Öffnung eines nahegelegenen restau- rants erfährt, setzt er das WeChat-netzwerk in Bewegung, um Bestellungen zu bündeln. Können Sie sich innerhalb der Wohnviertel, unter Kollegen oder mit anderen Gruppen persönlich treffen? Im Zuge der Pandemiebekämpfung soll auf jeg- lichen sozialen Kontakt verzichtet werden. das Leben beschränkt sich somit fast ausschließ- lich auf die eigenen vier Wände. der etablierte Tauschhandel innerhalb der Compounds findet in der regel auch kontaktlos statt: Fragt etwa eine nachbarin nach milchpulver für ihr Kind, stellt man es ihr einfach vor die Tür, wenn man eine dose übrig hat. der chinaweite Austausch mit den Kollegen läuft weiterhin reibungslos über Social media und mS-Teams. Sind Erleichterungen im Lockdown in Sicht? Wenn ich mir die sinkenden Fallzahlen insge- samt in Shanghai anschaue und, dass weiter- hin sukzessive Covidtests bei uns im Com- pound durchgeführt werden, gehe ich hier mittelfristig von erleichterungen aus. Was diese „erleichterungen“ dann aber konkret bedeuten und wann sie tatsächlich kommen, wird sich noch zeigen müssen. das ist aktuell schwer absehbar. Was vermissen Sie am meisten? mit meiner Frau und meiner 19 monate alten Tochter mal wieder einen langen Spaziergang zu machen, zum Schwimmen und auf den Spielplatz zu gehen. Und ich vermisse die kollegiale Atmosphäre bei der AHK und hoffe, dass wir bald wieder alle zusammen im Büro sind und dass das soziale Leben auf die Stra- ßen Shanghais zurückkehrt. Wie unterstützen Sie aus dem Homeoffice deutsche Unternehmen vor Ort? der Lockdown in Shanghai betrifft mittlerwei- le alle Unternehmen – unabhängig von Bran- che oder Größe. den deutschen Unternehmen vor Ort helfen wir aktuell insbesondere mit un- seren etablierten und guten Verbindungen zur chinesischen Lokal- und Zentralregierung. Wir sprechen aktiv Probleme an, stehen als Ver- mittler zur Verfügung und informieren unsere mitgliedsunternehmen mehrmals wöchent- lich über aktuelle entwicklungen. Bei konkreten Fällen von einzelnen Unternehmen für Transport- erlaubnisse oder Closed-Loop-Genehmigun- gen unterstützen wir durch Gespräche mit der regierung. mittlerweile gibt es verschiedene Whitelists, die Unternehmen benennen, die mit der Wiederaufnahme der Produktion – im Closed-Loop-Verfahren – beginnen können. Wie können Sie für Unternehmen in Deutschland derzeit tätig werden? Wegen der aktuellen einreiserestriktionen stößt vor allem unsere Inkubationslösung, mit der man mitarbeiter über uns anstellen kann und somit „einen mann/eine Frau vor Ort“ hat, etwa um distributoren zu koordinieren oder neue Geschäfte anzubahnen, auf gro- ßes Interesse bei Unternehmen, die auf den chinesischen markt wollen. man muss keine Tochtergesellschaft gründen. Die Reisebeschränkungen gelten seit über zwei Jahren. Wie haben Sie Ihre Services und Ihre Arbeitsweise darauf einegstellt? Vom erstberatungsgespräch über marktstu- dien, Geschäftspartnersuchen bis hin zur durchführung von delegationsreisen für Un- ternehmen, die in den chinesischen markt einsteigen wollen, wird alles online und über Videokonferenzen durchgeführt. egal, ob aus dem Büro oder dem Homeoffice, wir sind für unsere Kunden wie gewohnt erreichbar. Interview: Lisa Fischbach Auslandshandelshilfe während des Coronalockdowns in China Shanghai nur vom Fenster aus Seit Ende März ist die chinesische Hafenmetropole wegen der „Zero Covid“-Strategie der chinesischen Regierung nahezu abgeriegelt. Mit immensen Auswirkungen für die Menschen und die Wirtschaft vor Ort, aber auch für hiesige Unternehmen, da eines der größten Drehkreuze des Welthandels seit Wochen weitgehend stillsteht. Andreas Krause, Director Market Entry bei der Auslands- handelskammer (AHK) Greater China, berichtet aus Shanghai, wie es sich in einer solchen Ausnahmesituation lebt und arbeitet und wie die AHK deutschen Unternehmen helfen kann. Die AHK Greater China und ihr Angebot: www.china.ahk.de Andreas Krause AHK, Shanghai Bild: Adobe Stock, dptro

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