Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'22 - Hochrhein-Bodensee

55 6 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Claus Stockburger Verkehrsbetriebe 50 Jahre gute Fahrt durchs Ländle SCHOPFHEIM. Seinem „Ideenordner“ ist Claus Stockburger bis heute treu geblieben, obwohl er die Geschäftsführung des Verkehrs- betriebes 2013 an seine Frau Ursula und den jüngeren Sohn Manfred übergeben hat. Kam ihm nachts ein Einfall, wurde der immer gleich aufgeschrieben, so der 76-Jährige. Beim Aufschreiben blieb es nicht, viel hat er in die Tat umgesetzt: 1972 gründet er eine Fahrschule mit Sitz in Schopfheim. Bereits zwei Jahre später setzt er den ersten Bus für Schülerbeförderung einer Sonderschule ein. Auch die Gründung des ersten „City-Bus Schopfheim“ 1978 geht auf seine Initiative zurück. Schritt für Schritt erweitert Stock- burger sein Unternehmen. 1983 kauft er ein Taxiunternehmen. Im selben Jahr beginnt die Zusammenarbeit mit einer großen ortsansäs- sigen Firma, im Zuge derer Stockburgers ihren Fuhrpark um zwei Lastwagen erweitern. Der Flughafentransfer für diverse Firmen ist seit 1984 ein wichtiges Standbein, die achtsitzigen Pkws vermieten Stockburgers an den Wochen- enden auch an Privatpersonen. 1987 erfolgt die Umfirmierung zur GmbH, gefolgt drei Jahre später vom Neubau des Betriebshofes in Schopfheim, auf dessen Ge- lände heute beide Geschäftsführerfamilien wohnen. Im selben Jahr kauft Stockburger das Busgeschäft Friedlin, zwei Jahre später übernimmt er den Omnibusbetrieb Knäble. Im ÖPNV beginnt 1991 die Zusammenarbeit mit der SBG, der Südbadenbus, als Auftragsun- ternehmer. Acht Linienbusse mit dem roten „Stockburger“- Namenszug auf weißem Grund umfasst der Fuhrpark heute, dazu 15 Acht- sitzer. 2021 wird eine weitere Ausschreibung im Schülerverkehr gewonnen, der Mitarbei- terstamm von 35 auf 40 aufgestockt. „Mit dieser Größe fühlen wir uns wohl“, sagt Ursula Stockburger. Was bringt die Zukunft? Elekt- rolösungen sehen Stockburgers aufgrund der Wiesentaler Berglandschaft eher skeptisch. Man hoffe auf Wasserstoff. db Manfred und Ursula Stockburger Sensorhersteller kündigt Wechsel im Vorstand an Sick meistert Herausforderungen durch Corona WALDKIRCH. Der Sensorhersteller Sick AG mit Sitz in Waldkirch blickt trotz wei- terhin negativer Auswirkungen durch die Coronapandemie auf ein erfolgreiches Ge- schäftsjahr zurück. So verzeichnete das Unternehmen 2021 einen Auftragseingang in Höhe von gut 2,3 Milliarden Euro, ein Plus von 34 Prozent im Vergleich zu 2020 sowie einen Umsatz von 1,964 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wo er bei 1,7 Milliarden Euro lag, wie das Unternehmen im Rahmen der Jahrespressekonferenz mitteilte. Das EBIT betrug 202 Millionen Euro und erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 44 Prozent. Nach dem pandemiebedingt schwierigen Vorjahr sei dies eine sehr erfreuliche Ent- wicklung, bewertete Mats Gökstorp, Vor- standvorsitzender der Sick AG, die Zahlen. Wie viele andere Unternehmen musste auch der Sensorspezialist auf Störungen in den Lieferketten reagieren, die sich aufgrund von fehlenden Schiffscontainern, Fabrik- und Ha- fenschließungen, einer niedrigeren Verfüg- barkeit von Materialien und anderen logisti- schen Engpässen ergaben. Speziell die Lage am Frachtmarkt sei sehr angespannt, auch der Lockdown in Shanghai wirke sich auf Lieferungen nach China aus. Deshalb passt Sick nach eigenen Angaben seine Lieferun- gen täglich dynamisch an die Situation an, beispielsweise indem immer jene Flughäfen genutzt werden, die zum momentanen Zeit- punkt im Zielland am besten geeignet sind. Allen Hürden zum Trotz: Aufholeffekte aus dem Vorjahr führten zu einer deutlichen Verbesserung der Geschäftslage im Jahr des 75. Firmenjubiläums. Die gute Entwicklung spiegelt sich auch im Anstieg der Mitarbei- terzahl wider: Weltweit vergrößerte sich die Belegschaft um 5,6 Prozent auf 11.022 Be- schäftigte. An den Standorten in Südbaden (Waldkirch, Buchholz, Reute, Denzlingen, Freiburg) stieg die Zahl auf 4.552: ein Plus von 6,3 Prozent. Auch bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) legte Sick von 201 Millionen Euro im Vorjahr auf 210 Millionen Euro im Jahr 2021 noch einmal zu, ein Plus von 4,6 Prozent. Mit Blick auf den Krieg um die Ukraine beton- ten Gökstorp und Vorstandskollege Markus Vatter den Begriff der Zeitenwende, den der Konflikt markiere. Abgesehen von einem klei- nen Segment – im Bereich Babynahrung – sei man aus dem ohnehin wenig bedeutsamen Russlandgeschäft ausgestiegen. Produkte für militärische Zwecke schloss der Vorstand aus Gründen der Familientradition aus. Weitaus mehr Gedanken macht sich die Konzernfüh- rung für den Fall eines Gasembargos gegen Russland. Im Verhältnis der Lieferungen an Privathaushalte und Industrie müsse „eine Balance gefunden werden, die beiden Berei- che hängen zu stark voneinander ab“, sagte Gökstorp. Ergänzend zur Betrachtung der Geschäfts- zahlen verkündete die Sick AG eine wichtige Personalie: Nach mehr als zwei Jahrzehnten wird sich Personalvorstand Martin Krämer Ende September aus dem Unternehmen zu- rückziehen. Bereits ab Juli wird Nicole Kurek, zuletzt Senior Vice President bei der BMW Group, dem Vorstand von Sick angehören. Sie verantwortet als Krämers Nachfolgerin das Ressort People & Culture. bb Bald Personalvorständin bei Sick: Nicole Kurek

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5