Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 5 | 2022 REGIO REPORT  IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Herr Azarhoushang, welche Herausforderungen werden aktuell an die Unternehmen in der Zerspanungstechnologie gestellt? Bahman Azarhoushang: Heute werden hochpräzise Teile über CNC-Werkzeugmaschinen mit integrierter Sensorik gefertigt. Die Integration von Industrie 4.0 in vollautomatisierte Fertigungslinien und der Einsatz digitaler Zwillinge der Maschinen sind in einigen Unternehmen bereits Stand der Technik - und die Entwicklung geht weiter. Es ist unabdingbar, die neuen Entwicklungen in den Zerspa- nungstechnologien zu verfolgen und zu versuchen, die neuartigen und vorteilhaften Methoden anzuwenden. Viele Firmen haben noch nicht realisiert, welcher Mehrwert durch intelligente und vernetzte Werkzeugmaschinen, intelligente Werk- zeuge und Produkte generiert werden kann. Die Annahme, dass der Aufwand größer als der Mehrwert ist, wird immer mehr zu einer Bedrohung für die Zukunft der Firmen, weil die im heutigen globalen Markt geforderte Flexibilität nur über entsprechende Technologien realisiert werden kann. Dies betrifft insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, die das notwendige Know-how nicht im Hause haben. Hier bietet es sich an, externes Expertenwissen oder Forschungsinstitute in Anspruch zu nehmen und im Detail prüfen zu lassen, mit welchem Aufwand welche Lösungen entwickelt werden können. Welche Einflüsse hat Elektromobilität auf Firmen, die im Bereich der Zerspanung tätig sind? Seit einiger Zeit erleben wir einen weltweiten Umbruch. Elektro- autos sollen nicht nur ein nachhaltiges und klimaschonendes Ver- kehrssystem ermöglichen, sie erfordern auch einen Umbruch bei den Automobilzulieferern. Der tatsächliche Bedarf an Zerspanung wird deutlich reduziert, neben neuen Teilen ändern sich auch die Dimensionen der bisher produzierten Teile. Daraus entstehen An- forderungen an eine sinnvolle Prozessgestaltung mit effektiven Prozessen und hohen Zerspanleistungen durch innovative Techno- logien. Teilweise sind neue Maschinen erforderlich. Sehen Sie die additive Fertigung eher als Bedrohung oder als Chance für die Zerspaner? Die additive Fertigung wird von Jahr zu Jahr relevanter. Sie nimmt immer mehr Schwung auf, das heißt, aktuell lassen sich additiv auch größere Teile und auch größere Mengen produzieren. Somit ist anstelle von Kleinserien jetzt auch die Fertigung von Großse- rien möglich. Dadurch steigt die Wirtschaftlichkeit der additiven Teileproduktion. Die Zukunft der Zerspanungsindustrie in der Region » Wissen von Instituten oder externen Experten anzapfen « Bei der Weiterentwicklung von Fertigungsverfahren rücken neben der Steigerung der Produktivität bei gleichzeitiger Senkung der Fertigungskosten Umweltaspekte zunehmend in das Blickfeld der zerspanenden Industrie. Die ökologische Anpassung der Prozesse und die Einführung in den Markt stellen die Hersteller vor neue Herausforderungen und erfordern neue Lösungen, meint Bahman Azarhoushang, Professor an der Hochschule Furtwangen. ZUR PERSON Bahman Azarhoushang ist seit September 2013 Professor an der Hochschule Furtwangen in der Fakultät Mechanical and Medical Engineering und gleichzeitig Leiter des Kompetenzzentrums für Spanende Fertigung (KSF). Er verfügt dort über moderne Maschinen, Vorrichtungen, Mess- geräte und Räumlichkeiten für die Durchführung zahlreicher Forschungsprojekte. Azarhoushang hat über 55 Publikationen in verschiedenen Spra- chen veröffentlicht. Zahlreiche Vorträge auf nati- onalen und internationalen Konferenzen belegen seine Forschungsaktivitäten.

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