Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'22 -Südlicher Oberrhein
9 4 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Frau Keller, Sie beschäftigen 140 Mitarbeiter und stellen Bürsten her. Welchen Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit können Sie da leisten? Jasmin Keller: Ich sage oft, dass ich mit unseren Produkten den Weltfrieden retten möchte und ernte damit dann Lachen oder Fragenzeichen. Das mit dem Weltfrieden müssen Sie erklären. Wir haben uns vorgenommen, die UN- Nachhaltigkeitsziele tatsächlich umzu- setzen. Mit ihnen könnte die Welt gut funktionieren, ohne dass jemand darunter leidet. Für uns bedeutet das, die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern, die wir als Familien unternehmen seit mehr als 150 Jahren aufgebaut haben. Das gelingt, indem wir unser traditionelles Handwerk ständig weiterentwickeln, um es auch für die Zu- kunft fit zu machen. Seit 2013 geben Sie regelmäßig eine EMAS-Umwelterklärung ab. Warum tun Sie das? Wir wollen transparent sein für unsere Marktpartner. Für uns selbst können wir damit kritisch überprüfen, was schon gut läuft und was wir noch besser machen können. Stillstehen ist nicht unsere Art. Deshalb werden wir künftig auch einen CSRD-Nachhaltigkeitsbericht abgeben. Wie sieht Ihre nachhaltige Unterneh- mensstrategie aus? Raus aus der Komfortzone und Neues aus- probieren. Wir arbeiten derzeit an innova- tiven Borsten, die vollkommen abbaubar sind. Aber auch an neuen Modellen zur Sicherung der Arbeitsplätze. Aktuell tes- ten wir die Vier-Tage-Woche für unsere Mitarbeiter bei gleichem Gehalt. Bislang kann ich dadurch keinen Umsatzrückgang feststellen. Wie gehen Sie Fragen und Problem stellungen rund um Nachhaltigkeit an? Groß denken! Ich orientiere mich an in- ternationalen Unternehmen auch aus an- deren Branchen und breche das Relevante für unsere Vision, Mission und Strategie runter. Aber um hier erfolgreich zu sein, braucht es auch Glück. Und eine Kultur für Fehler und Scheitern, mit der Bereitschaft, dar- aus zu lernen. Interview: SH » Nachhaltigkeit ist der Mut, neue Wege zu gehen « JASMIN KELLER Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas leitet die 53-Jährige die beiden Todtnauer Bürstenfabriken Keller und Faller in der fünften Generation. klimaneutral. Der Betrieb ist als fahrrad- freundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet und als familienbewusstes Unternehmen zertifi- ziert. Auch das Miteinander unter den Kol- legen stimmt. „Trotzdem hatten wir irgend- wann den Eindruck, dass wir die PS unserer Leistung nicht mehr auf die Straße kriegen“, erinnert sich Santha Zeiher, Marketingexper- tin bei FSM. Der damals zweiköpfige Vorstand analysier- te die Situation und suchte nach Lösungen. Dabei stießen sie auf die Businessbücher von Silke Hermann und Niels Pfläging, die sich als Berater auf die Entwicklung und Trans- formation von Organisationen spezialisiert haben. Daraus entstand 2019 der Impuls, die Fachabteilungen und Hierarchien bei FSM ab- zuschaffen. Stattdessen gibt es jetzt selbst- organisierte produkt- und kundenbezogene Teams. Dadurch ist die Firma effizienter und damit wirtschaftlicher geworden bei einer » Als Einzelkämpferin motiviert mich der Austausch mit Nachhaltigkeitskollegen aus anderen Firmen« Mareike Rehl Nachhaltigkeitsbeauftragte der VAG, Freiburg Die IHK-Ansprechpartner rund ums Thema Nachhaltigkeit in und für Unternehmen: IHK Hochrhein-Bodensee: Heike Wagner 07531 2860-190 heike.wagner@konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg: Marcel Trogisch 07721 922-170 trogisch@vs.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: Jil Munga 0761 3858-263 jil.munga@freiburg.ihk.de Bild links: VAG, Patrick Seeger
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