Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'22 - Hochrhein-Bodensee

30 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 4 | 2022 REGIO REPORT   IHK Hochrhein-Bodensee ANZEIGEN BITTE BEACHTEN SIE DIE ANZEIGENSPECIALS: WIRTSCHAFTSRAUM RUND UM DEN BODENSEE Seite 33 bis 39 in dieser Ausgabe RUFEN SIE UNS AN – WIR BERATEN SIE GERNE! ANZEIGEN-HOTLINE: 07221/2119-12 Prüfer Medienmarketing GmbH Ooser Bahnhofstr. 16 · 76532 Baden-Baden albecker.andrea@pruefer.com www.pruefer.com MASCHINENBAU ELEKTROTECHNIK KUNSTSTOFFVERARBEITUNG Seite 60 bis 65 in dieser Ausgabe betrifft erst einmal direkt die Hersteller von Konsumgütern. Aber die haben ihre Zulie- ferer. Und sie stehen ihnen auf den Füßen, wenn es um CO 2 -Fußabdruck oder Einhaltung des Lieferkettengesetzes geht. Wo steht der deutsche Mittelstand denn in seinen Nachhaltigkeitsbemühungen? Er steht gar nicht so schlecht da. Der Mit- telstand stellt meistens Produkte her, die wirklich gebraucht werden. Das gibt ihm per se Sinnhaftigkeit. Das ist wichtig, weil die Nachhaltigkeitsfrage eng verknüpft ist mit der Sinnfrage: Warum gibt es uns als Un- ternehmen? Kunden, Geschäftspartner, die Gesellschaft stellen diese Frage eben auch. Interessanterweise tauchen bei der Beant- wortung häufig Konflikte auf. Zum Glück, denn so hat man die Chance, sie zu beseitigen, weil sie unterschwellig ohnehin da waren. Grundsätzlich würde ich aber sa- gen, dass der Mittelstand schon sehr viel für die eigene Nachhaltigkeit unternimmt. Meist sind das lose Einzelmaßnahmen, die man gut zusammenführen kann. Die Vereinten Nationen geben mit ihren 17 Zielen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene eine Struktur vor. Ist nur das ein gutes Unternehmen, was alle 17 abarbeitet? Natürlich nicht. Jedes Unternehmen muss sich die Frage stellen, welche davon wirklich relevant sind. Zwingend sind eigentlich nur die Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsstrate- gie, eine Klimaneutralitätsstrategie und die Arbeit an der Energieeffizienz. Ein Unterneh- men sollte außerdem wissen, wo die großen Hebel sind bei den eigenen Treibhausgas- emissionen. Wer dann noch das Ganze in einem Bericht kommuniziert, ist schon mal ganz ordentlich aufgestellt. Warum ist die Kommunikation so wichtig? Driftet das nicht schnell ins Greenwashing? Ein Unternehmen MUSS mit seinen Stake- holdern im Gespräch sein. Das Thema Nach- haltigkeit gehört in jedes Vertriebsmeeting. Aber auch nach innen ist die Kommunikation an diesem Punkt sehr wichtig, weil Nachhal- tigkeit ohne Interdisziplinarität nicht funktio- niert. Alle sind betroffen: Die Personalabtei- lung, Forschung und Entwicklung, Marketing, Produktion, Einkauf… Das darf man aber ruhig positiv sehen: Es ist eine großartige Möglichkeit, das Unterneh- men zu stärken und einen Dialog mit allen zu starten. Nach außen kommuniziert wer- den sollte allerdings nur das, was wirklich funktioniert und authentisch ist. Kunden und Geschäftspartner merken ziemlich schnell, ob das Thema tatsächlich verankert ist. Haben Sie praktische Tipps für Unternehmen? Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, DNK, bietet eine hervorragende Unterstützung, die kostenfrei ist und vom Aufbau einer Strategie bis zum Support beim Bericht reicht. Dann ist es wichtig, den größten Treiber für Emissio- nen zu identifizieren und da anzusetzen. Gro- ße Maßnahmen mit viel Impact anzugehen ist besser, als sich mit 20 kleinen Maßnahmen zu verzetteln. Meine Kunden fragen mich oft nach „quick wins“ und ich sage ihnen ehrlich, dass ich nichts weniger leiden kann als in diesem Bereich schnelle Effekte zu erzielen. Nach- haltigkeit ist ein komplexes Thema, das sich nicht eben mal schnell abfeiern lässt. Ein Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit zu drehen, heißt, dass sich bei allen Men- schen darin das Mindset ändern muss. Und: Geschäftsführer und Gesellschafter müssen es aushalten, dass wir nicht alle Ungewissheiten ausräumen können und dass es Dinge gibt, die einfach ihre Zeit brauchen. Das ist aber Unternehmertum an und für sich. Glauben Sie an die Klimaneutralität der Industrie als solcher? Die Industrie wird immer Treibhausgase emit- tieren. Das geht gar nicht anders. Das ist aber auch genau das Feld, auf dem ich meine Aufgabe sehe: Ich möchte die Industrie gerne befähigen, in diesen Umbruchzeiten so viel hinsichtlich Nachhaltigkeit zu gestalten wie nur möglich. Eigentlich ist die augenblickliche Dynamik absolut großartig. Interview: Doris Geiger

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