Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe April'22 - Hochrhein-Bodensee
28 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 4 | 2022 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Frau Moock: Traditionell haben Unterneh- mensberatungen Organisationen auf Effi- zienz getrimmt. Heute checken sie, ob das Geschäft nicht grüner, fairer, nachhaltiger und verantwortungsvoller hinzubekom- men ist. Eine Zeitenwende? Patricia Moock: In gewisser Weise schon. Die meisten Mittelständler wollen nicht noch ein Management-Make-Over, sondern sie wollen Werkzeuge, mit denen sie der He- rausforderung begegnen können, dass sie selbst nachhaltiger werden müssen – was sie übrigens auch wollen. Die Unternehmen haben Druck von ihren Kunden – und das ist nicht nur der Endverbraucher. Sie haben Druck von ihren Mitarbeitern und vor allen Dingen haben sie ihn von den Mitarbeitern, die sie gerne hätten. Employer Branding ohne Nachhaltigkeit oder Corporate Social Res- ponsibilty (CSR) funktioniert praktisch nicht. Wie schwierig ist es für einen Mittelständ- ler, sich nachhaltig aufzustellen? Die größte Schwierigkeit liegt im Anfangen, im Herunterschrauben der eigenen Erwartun- gen, wie perfekt das alles sein muss. Muss es aber nicht – es muss einfach anfangen. Ich sehe es als meinen Auftrag, das Wissen hierfür auf das Wesentliche reduziert zur Ver- fügung zu stellen. Die meisten KMU sind so gestrickt, dass sie keinen Schnickschnack wollen, sondern gerne die wesentlichen Schritte gehen. Wie gefährlich ist es für einen Mittelständ- ler sich NICHT nachhaltig aufzustellen? Sehr. Und die Antwort ist jetzt keiner Ak- quiseabsicht geschuldet. Es ist extrem ge- fährlich, nichts zu tun. Erstens wäre es eine Unterlassungssünde, weil man im Moment die Chance hat, sich deutlich von den Mitbe- werbern abzusetzen. Zweitens befindet sich die gesamte Wirtschaft in einer Transforma- tion, die zusätzlich durch den Krieg in der Ukraine und die Pandemie getrieben wird. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat Nachhaltigkeit als den wichtigsten Trend er- mittelt: 74 Prozent der Deutschen machen sich wegen Umweltverschmutzung Sorgen, 69 Prozent fürchten den Klimawandel. Das Ab dem 13. Mai stellt die IHK Südlicher Oberrhein eine ganze Veranstaltungsreihe unter das Motto „Nachhaltigkeit“. In rund zwei Dutzend kostenlosen Veranstaltungen haben Unter- nehmer – auch benachbarter Kammern – die Möglichkeit, sich intensiv mit allen Facetten des Themas zu befassen. Von öko- logischer bis zu sozialer Nach- haltigkeit, vom grünen Gründen übers Finanzieren bis zur Mit- arbeitergewinnung (Programm rechts). Wir sprachen vorab mit Patricia Moock, eine der etwa 20 Vortragenden, über Aufgaben, Chancen und den Sinn von mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen. » Die meisten KMU wollen keinen Schnickschnack « PATRICIA MOOCK Patricia Moock ist Unternehmensbera- terin und Diplom-Chemieingenieurin mit reichlich Erfahrung in der Indus- trie. Die 32-Jährige ist unter anderem zertifizierte Klimaschutzbeauftragte, zertifizierter Change-Leader für Nach- haltigkeitsthemen und Organisations- entwicklerin nach Trigon. Mit ihrer Beratungsgesellschaft 4L Im- pact Strategies hat sie sich der Aufgabe verschrieben, Unternehmen mit den zu ihnen passenden Nachhaltigkeitszielen zu verknüpfen. Zu ihren Instrumenten gehören Ansätze aus der Systemik, innovative Design- prozesse und neue Denkansätze.
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