Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'22 - Hochrhein-Bodensee
26 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 3 | 2022 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Herr Neuschütz, Sie unterstützen als Berater exportabhängige mittelständische Unternehmen beim Aufbau eines globalen Krisenmanagements. Zu welchen Krisen beraten Sie? Günter Neuschütz: Zu Krisenereignissen, auf die ein Unternehmen so gut wie keinen Einfluss hat, aber je nach Betroffenheit deren Auswirkungen spürt wie die Terroranschläge 9/11 in den USA, die Atomkatastrophe von Fukushima, der Tsunami in Südostasien, die Krim-Annexion oder die Blockade im Suez- Kanal. Auswirkungen sind dann Reiseein- schränkungen, Probleme bei der Lieferkette oder Sanktionen, mit denen ein Unterneh- men umgehen muss. Warum genau braucht es ein Krisenmana- gement? Viele Unternehmen mussten leidvoll erfah- ren, was es bedeutet, ein Tochterunterneh- men in Mexiko, Russland, China oder einem anderen Krisengebiet zurückzulassen. Es fehlte das Wissen, wie man mit der Situation vor Ort umgehen soll. So weit muss es nicht kommen. Ein Unter- nehmen kann im Vorfeld planen, wie es mit einer Krise auf einem anderen Kontinent, in einer anderen Zeitzone unter anderen klima- tischen und kulturellen Bedingungen umge- hen kann. Dafür braucht es ein Krisenteam. Das sind Mitarbeiter, die sonst eigentlich etwas anderes machen, aber aufgrund ihrer Voraussetzungen sich zusätzlich als Krisen- manager einbringen. Welche Menschen eignen sich dafür? Krisenmanagement habe ich in erster Li- nie als Teamwork erlebt. Alleine kann das niemand schaffen. Es kommt auf Vertrau- en an, denn im Ernstfall müssen alle unter Zeitdruck handeln. Als Teamleiter braucht es eine enorme Belastbarkeit und Ein- schätzungsvermögen. Die Führung muss erkennen, wann welche Person auf die Re- servebank zur Erholung muss und wo noch verborgene Talente vorhanden sind. Wichtig erscheint mir auch, dass das Führungsper- sonal erkennt, wann es sich zurücknehmen sollte und Aufgaben, wenn auch schwierige, delegieren sollte. Was ist eine der meistgestellten Fragen in Ihren Krisenmanagementseminaren? Zu den häufigsten Fragen gehören sicherlich: Ab wann weiß ich, dass eine Krise auf mich zukommt, und was genau ist Krisenmana- gement? Meine persönliche Definition von Krisenmanagement lautet so: Das zeitliche Bearbeiten einer außergewöhnlichen Situati- on, in der Unsicherheit, diffuse Informationen und Chaos normal sind. Dabei kommt der Ko- ordination und Kommunikation eine Schlüs- selrolle zu. Wann ein Unternehmen handeln muss? Spätestens, wenn der Flurfunk im Un- ternehmen hörbar ist, der Kunde nervös wird, der Produktionsleiter aus Indonesien anruft und über ein Erdbeben berichtet oder die Medien die ersten Live-Bilder senden. Dann sollte ein Krisenmanagement-Team aktiviert werden. Interview: red ZUR PERSON Günter Neuschütz war fast zwei Jahr- zehnte bei einem weltweit agieren- den Unternehmen tätig, zunächst als Sicherheitschef in der Schweiz, dann als Risk-Manager im Bereich Einkauf und Lieferketten unter anderem in Asien. Parallel dazu war er viele Jahre Reser- veoffizier bei der Bundeswehr. Neben Einsätzen im Kosovo und dem Süd-Su- dan war er in leitender Funktion im Bun- desverteidigungsministerium Berlin, bei der Nato beziehungsweise EU in Brüssel und im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam eingesetzt. Die Beratung ist seine dritte berufliche Lauf- bahn. Seine Aufgaben bestehen darin, internationale Konzerne, aber auch Mit- telstandsunternehmen bei weltweiten Risikoanalysen und der Krisenmanage- mentvorsorge zu beraten. » Im Vorfeld für den Krisenfall planen « Sind Krisen das neue Normal? Darum geht es in einem Tagesseminar zum Thema Krisenmanagement in Schopfheim im April 2022. Bereits jetzt spricht der Referent Günter Neuschütz im Interview über das Thema. Auch Anmeldungen sind schon möglich. Interview mit Günter Neuschütz zum Krisenmanagement Das Tagesseminar „Sind Krisen das neue ,Normal‘?“ findet am 28. April in Schopfheim statt. Referent ist Günter Neuschütz. Weitere Informationen und Anmeldungen unter www.konstanz.ihk.de 143137456 oder bei Johanna Speckmayer 07622 3907-231 johanna.speckmayer@ konstanz.ihk.de
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