Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe März'22 - Hochrhein-Bodensee
15 3 | 2022 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Die Gründer von Re-Cycle: Janosch Deurer, Stefan Möhrle, Gökhan Oruk und Jürgen Durner (von links). RE-CYCLE Die Suche nach einem passenden Gebrauchtrad im World Wide Web kann sowohl Käufer als auch Verkäufer vor un- geahnte Probleme stellen. Man sucht ein Erwachsenenbike und steht – trotz Bild im inserierten Angebot – plötzlich vor einem viel zu kleinen Kinderrad, weil der Inserent schlicht schlecht informiert hat. So passiert ist das dem selbststän- digen Finanzdienstleister Gökhan Oruk (31). Für ihn war dieses Erlebnis Anlass genug, eine eigene Onlineplattform für gebrauchte Fahrräder in Angriff zu nehmen. Oruk holte sich Stefan Möhrle (28), Janosch Deurer (31) und Jür- gen Durner (33) mit ins Boot, die 2019 bereits mit einem weiteren Kollegen die IT-Beratungsfirma Corewire ins Le- ben gerufen hatten. Gemeinsam entwickelten die vier einen Prototypen des Onlineauftritts und gründeten schließlich im Januar 2021 Re-Cycle. Dank strukturierter Auswahlfelder kann jeder Inserent hier nun genaue Angaben zum ange- botenen Rad machen, ein paar Details sind Pflicht, andere optional. „Infotexte und Bilder, die zum Beispiel erklären, was man wo wie am Fahrrad zu messen hat, helfen dem Inserenten,Angaben richtig einzutragen“, erläutert Möhrle. Der Schwerpunkt von Re-Cycle liegt aktuell noch auf dem Großraum Freiburg, doch es sind bereits Inserate aus ganz Deutschland auf der Website zu finden. Die Nutzung ist der- zeit für Käufer wie auch für Verkäufer kostenlos, die Online- plattform finanziert sich über kontextbasierte Werbung. Für die Zukunft plant das Quartett, das Angebot auszuweiten und weitere Partner zu finden. Re-Cycle ist nach wie vor ein Nebenprojekt der vier Freiburger, generiert aber bereits ers- te Umsätze. ak Knut Gröner vor einer Auswahl von Demoversionen für seine handgefertigten trushapes Snowboards. Bild: Benedikt Brüne TRUSHAPES Der Wintersport braucht eine intakte Bergwelt. Egal, ob man auf zwei Brettern unterwegs ist oder auf einem. Als Knut Gröner vor einigen Jahren sein gebrochenes Snow- board wegen der zum Teil giftigen Materialien auf dem Sondermüll entsorgen musste, passte dies nicht zu seiner Vorstellung vom Sport im Einklang mit der Natur. „Warum das Sportgerät nicht selber bauen?“, dachte sich der Kon- stanzer Wirtschaftsingenieur, nachdem er einen Workshop für den Bau von Surfbrettern besucht hatte. Ökologische Snowboards: Gröner sah die Marktnische. Also übertrug der heute 38-Jährige das frisch erworbeneWissen auf seine Trushapes (englisch für „echte Formen“). Für deren Herstel- lung kommen nur nachwachsende Rohstoffe oder recycelte Materialien zum Einsatz. Der Holzkern besteht aus Pappel- und Buchenholz, die Oberfläche aus Echtholzfurnier. Statt Glasfaser verwendet Gröner Flachsfaser, der Laufbelag wird aus recyceltem Kunststoff hergestellt. Ende 2020 kündigte er seinen Job in der Automobilbranche, ein halbes Jahr spä- ter meldete er sein Unternehmen am Konstanzer Seerhein an. Zur Finanzierung seines Vorhabens reichte bislang sein Eigenkapital, allein für Beratungszwecke nahm er Gutschei- ne von der Jobagentur und vom Steinbeis-Verbund in An- spruch. „Alles in allem war es die richtige Entscheidung“, sagt Knut Gröner mit viel Motivation in der Stimme. Die braucht er, um neue Hürden zu meistern: Der Umzug in neue Werkstättenstehtan,derBekanntheitsgradseinerOne-Man- Show sei ausbaufähig, und auch ein erhöhter Automatisie- rungsgrad ist notwendig, um die Stückzahlen hochzufahren. Immerhin: Für die Saison 2022/23 peilt er einen Umsatz im mittleren fünfstelligen Bereich an. Um den Lebenszyklus seiner Snowboards zu verlängern, hat Gröner bereits eine Upcycling-Idee im Kopf: Statt sie auszurangieren, werden aus Snowboards dann Longboards. Entsprechende Schab- lonen für das Anschrauben der Rollen liegen schon in der Schublade. bb
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