Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Februar'22 -Südlicher Oberrhein
24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 2 | 2022 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein In Meisterkurs investiert Catherina Wörner war lange nicht klar, wie ihre beruf- liche Zukunft aussehen soll. „Ich wusste eigentlich nur, dass ich nicht den ganzen Tag vor dem Compu- ter sitzen will“, sagt die 26-Jährige rückblickend. Da dieses Wissen noch nicht für den finalen Entschluss zu ei- nem Beruf reichte, machte sie nach dem Realschulabschluss erst einmal ihr technisches Abitur. Und suchte wieder in alle Richtungen. Schließlich fand sie über eine Onlinean- zeige im April 2015 zu einem einwöchigen Praktikum bei der Spedition Decker & Co in Achern als Berufskraftfahre- rin. „Mein Vater ist auch Lkw gefahren“, berichtet sie, wie sie dazu kam, diesen Beruf auszuprobieren. Und nach den wenigen Tagen, an denen sie bei anderen Fahrern mit- fahren durfte, war für sie klar, dass hier ihre Zukunft liegt. „Ich bin einfach total aufge- blüht“, erinnert sie sich, wie die Entscheidung nach der langen Zeit der Unklarheit dann so schnell fiel. Drei Jahre später beendete Wörner ihre Ausbildung nicht nur mit dem Zeugnis in der Tasche. Hinzu kam der Förderpreis der Straßenverkehrs-Genossenschaft Baden , dotiert mit 2.500 Euro. Decker und Co über- nahm die junge Frau. Und noch immer schwärmt sie von ihrem Beruf: „Für mich ist der Job ideal, ich bin für mich, habe aber trotzdem Kontakt mit Menschen.“ An- fangs war sie mit einem 7,5- oder 15-Tonner unterwegs, später dann mit einem 40-Tonner. „Und natürlich wa- ren manche Kunden erst einmal skeptisch: eine kleine, recht junge Frau? Packt die das?“, sagt sie lachend. Die Vorurteile beseitigte Wörner aber schnell durch ihr Können und Auftreten. Bald wollte sie mehr Verantwortung. Ihr Weg: Der Meisterkurs für den Kraftverkehrsmeister. Mit dem Geld aus dem Förderpreis plus Unterstützung ihres Arbeitgebers, der den Restbetrag übernahm, ging es im September 2020 los. Knapp sieben Monate drückte sie Vollzeit die Schulbank in Ulm – beziehungsweise coronabedingt per Homeschooling. „Ohne den För- derpreis hätte ich den Meisterkurs definitiv nicht so schnell gemacht“, ist sie dankbar für das Geld der Straßenverkehrs-Genossenschaft Baden – aber auch die Unterstützung ihres Betriebs. Decker und Co zahlte außerdem noch ein kleines Gehalt, obwohl sie während der Monate des Meisterkurses gar nicht im Betrieb tä- tig war. „Das zahle ich später zurück“, berichtet sie von der Abmachung zwischen ihr und ihrem Arbeitgeber. In Zukunft wird Catherina Wörner den Fuhrparkleiter der Spedition unterstützen, auch ihr Gehalt macht ei- nen Sprung. Trotzdem muss sie nicht tagtäglich am Rechner sitzen. „Ich werde unter anderem neue Fahrer anlernen. Und da ich mit dem Meisterkurs die Ausbildereignungsprüfung gemacht habe, kann ich mich auch um unsere Azubis kümmern.“ Anerkennung im Betrieb erworben Das möchte auch Niklas Schindler. Auch er ist ausgebildeter Berufskraftfahrer, auch er erhielt den Förderpreis der Straßenverkehrs-Genos- senschaft Baden . Das war 2016, damals war Schindler gerade einmal 18 Jahre alt. „Und dann wollte ich erst einmal fahren, nichts anderes“, erzählt er von dieser Zeit und über den Reiz, auf der Straße zu sein. Überhaupt fühlte er sich für einen Meisterkurs zu jung. „Den Ausbilderkurs wollte er machen, er war auch angemeldet, aber der kam dann nicht zustande“, erinnert sich sein Arbeitgeber Sascha Klumpp (im Bild links) von der Spedition Klumpp in Renchen. „Und dann war die Luft einfach raus.“ Letztlich nutzte Schindler die Dual ausgebildete Fachkräfte sind das Rückgrat der Wirtschaft. Deshalb stiften zahlreiche Persönlichkeiten und Unternehmen im Bezirk der IHK Südlicher Oberrhein jedes Jahr Förderpreise für herausragende Ausbildungsabsolventen – Gesamtsumme stets rund 100.000 Euro. Das Geld ist dabei zweckgebunden für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung und soll bei der „Karriere mit Lehre“ hilfreich sein. Drei ehemalige Förderpreisträger berichten, was sie mit dem Geld gemacht haben und was inzwischen aus ihnen geworden ist. »Ich werde unter anderem neue Fahrer anlernen« Catherina Wörner »Dann wollte ich erst einmal fahren, nichts anderes« Niklas Schindler (r.) Förderpreise wirken Karriere mit Rückenwind
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