Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'22 -Südlicher Oberrhein

9 1 | 2022 iHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten UNTERSTÜTZUNG & INFORMATION Kontaktstelle Lieferketten: Die zentrale Anlaufstelle für Unternehmen aus Baden- Württemberg ist die IHK Region Stuttgart. www.stuttgart.ihk24.de 4792398 Blitzumfrage Lieferengpässe der DIHK: www.dihk.de Lieferengpässe Kostenloses Web-Seminar Lieferkettensorg- faltspflichtengesetz: 2. Februar, 15.30-17 Uhr, Anmeldung: www.suedlicher-oberrhein.ihk.de Veranstaltungen Infos zum Lieferkettengesetz: www.konstanz.ihk.de 5195636 Coronalockdowns über überlastete Häfen und fehlende Speditionskapazitäten bis zur gestiegenen Nachfrage etwa durch Hamster- käufe und der Verlagerung von Vertriebska- pazitäten in Regionen, die sich schneller von Corona erholt hatten als europa. ein Großteil des – ohnehin zu niedrigen – weltweiten Containerbestandes ist nach wie vor in den falschen Gewässern unterwegs. Project 44, eine Plattform für logistikdienst- leister, verzeichnet von 2019 auf 2021 neben weltweit längeren transitzeiten auch eine deutliche Zunahme von sogenannten Contai- ner Rollovers, Frachtladungen, die aufgrund von terminverzögerungen auf andere als die ursprünglich vorgesehenen Schiffe verla- den werden müssen, und so den weltweiten Warenumschlag stören. Durch den einge- schränkten Personenreiseverkehr bleiben Flieger am Boden, und selbst die gestärkte Bahnverbindung von China nach europa kann die fehlenden Schiffscontainerkapazitäten bei Weitem nicht ersetzen. „Die erholung der Weltwirtschaft in diesem Umfang kam schneller als erwartet“, erklärt iHK-experte Schmidt, „nun kommen die ohnehin auf Kan- te genähten Prozesse nicht hinterher.“ Aber egal, woran es im konkreten Fall letzt- lich liegt, Produzenten wie Händler stellen die lieferengpässe seit Monaten vor hand- feste Probleme. 88 Prozent der Unterneh- men haben, so ergab eine DiHK-Umfrage im Frühherbst, mit höheren einkaufspreisen zu kämpfen. immerhin zwei Drittel versuchen, diese an ihre Kunden weiterzugeben. Fast ebenso viele suchen nach zusätzlichen lie- Ein Standard- container kostete im Dezember 9.300 US-Dollar im Mittel der acht wichtigsten Ost-West- Verbindungen. 170 Prozent mehr als in der Vorjahres- woche Quelle: Drewry Supply Chain Advisors Zweirad Joos Schritt ins Risiko Fahrräder, wohin man schaut. Die Verkaufshalle steht voll, auch die Zubehörregale weisen keine erkennbaren Lücken auf.Wer bei Zweirad Joos in der Radolfzeller Schützenstra- ße gähnende Leere zu sehen glaubt, vermutet das Problem an der falschen Stelle. Denn egal ob mit oder ohne elekt- rische Unterstützung: Fahrräder gibt es genug. Schwierig wird’s bei individuellen und kurzfristigen Kundenwünschen. Das liegt vor allem an Verzögerungen in den internationa- len Lieferketten. „Besonders knapp sind Fahrradkomponen- ten und Ersatzteile von Shimano“, erläutert Andreas Joos , seit 1997 Chef des Familienunternehmens. „Während wir im Sommer im See gebadet haben, gingen in Asien einige Länder in den Lockdown, was zu vorübergehenden Schlie- ßungen der Produktionsfabriken führte“, so der 55-Jährige. Als Konsequenz entstanden weltweite Verzögerungen in den Auslieferungen, Containerrouten wurden umgeplant, Frachtkosten explodierten. Die Auswirkungen erklärt Joos am Beispiel eines neuen Mountainbikes: „Wenn ich 40 Räder geordert habe, be- komme ich 20, und ein Drittel hiervon ist schon von Kunden bestellt.“ Als sich die Entwicklung abzeichnete, hat der Firmenchef seine jährliche Vor-Order verdoppelt. Ein Schritt ins Risiko, aber: „Wenn etwa für eine Reparatur das Brems- öl fehlt, ist das ein Misserfolg auf der ganzen Linie“, sagt Joos. Verfügbarkeit gewinnt an Bedeutung zu Lasten rein betriebswirtschaftlicher Argumente. Verständlich bei 16.000 Reparaturen, die sein Unternehmen jährlich umsetzt. Mitunter spielt die Branche verkehrte Welt: So berichtet Joos von Mitbewerbern, die – um nicht auf dem Trockenen zu sitzen – Zahnkränze bei ihm zum Verkaufspreis bestellt haben statt beim Hersteller zum Einkaufspreis. Joos hat deshalb nicht nur seine Bestellmengen, sondern auch den Lieferantenpool erweitert – etwa um ein Drittel im Ver- gleich zur Vor-Corona-Zeit. „Jeder Kanal wird genutzt“, sagt Joos. Das gilt für den Einkauf – und den Vertrieb: Der 2007 gegründete Onlineshop ermöglicht vieles. Individuelle Video- Beratung, Automatisierung und Versand wie Click&Collect- Optionen. Hier findet der Kunde sein Wunschrad, nur dauert es jetzt länger, bis er es fahren kann. Deshalb empfiehlt Joos mit seinen 165 Mitarbeitern: „Frühzeitig bestellen!“ bb Bild: Benedikt Brüne

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