Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2022 titel IMS Gear Mit Kunden zusammenarbeiten Von Lieferengpässen vor allem bei sogenannten High-Performance-Kunststoffen, die im Automotive- Sektor zum Einsatz kommen, aber auch bei einigen Stahlsorten, berichtet Kai Konieczny , Vice President Purchasing bei der IMS Gear SE & Co. KGaA mit Sitz in Donaueschingen. Das Unternehmen ist ein auf Zahnrad- und Getriebetechnik spezialisierter Automobilzulieferer mit weltweit rund 3.100 Mit- arbeitern und einem Jahresumsatz von circa 440 Millionen Euro (2020). Preissteigerungen spürt IMS Gear ebenfalls. Konieczny berichtet beispielsweise, dass bestimmte Kunststoff- und Stahlsorten vergan- genes Jahr bis zu 30 Prozent mehr gekostet haben als 2020. Er rechnet mit „teils dramatisch weiter steigenden Preisen“ 2022 – aufgrund der Energieko- stenzuschläge sowie der im Aufbau begriffenen CO 2 - freien Produktion von Stahl. Zudem geht er davon aus, dass auch die Rohstoffengpässe noch bis weit in das Jahr 2022 hinein anhalten werden. Was kann man bei IMS Gear dagegen tun? „Die Möglichkeiten, den Lieferengpässen und Preis- steigerungen entgegenzuwirken, sind – vorsichtig ausgedrückt – sehr begrenzt“, sagt Konieczny. Im Automotivebereich seien aktuell, abhängig vom jeweiligen Rohstoff, lediglich Lieferverträge mit einer Dauer von einem bis maximal sechs Monaten realistisch machbar. Auf längerfristige Verträge lasse sich derzeit kein Anbieter ein, dazu sei die Marktlage zu volatil. Die überwiegende Mehrzahl der Lieferanten habe die zu erwartenden Engpässe bei Liefermengen und -fristen frühzeitig angekün- digt. So konnte sich IMS Gear laut Konieczny darauf „flexibel einstellen“. Beispielsweise veränderte das Unternehmen die Produktionsmengen ent- sprechend. „Zudem nutzen wir die Möglichkeit, zusammen mit unseren Kunden auf gemeinsame Beschaffungsquellen zuzugreifen“, sagt Konieczny. Gänzlich vermeiden ließen sich temporäre Liefer- engpässe allerdings nicht. mae Kai Konieczny im Stahllager von IMS Gear. Trumpf Einer für alle Und täglich grüßt das Murmeltier. Seit Anfang September beginnen Moritz Ziegler s Tage immer auf dieselbe Weise: 7.30 Uhr, weltweiter Videocall mit den Einkaufs- leitern aller Trumpf-Standorte samt den Vorständen fürs operative Geschäft, zur Bestandsaufnahme. Wo gehen wichtige Teile zur Neige? Wo rund um den Globus ließe sich Nachschub auftreiben? „Wir haben zwar schon im Herbst 2020, als sich die ersten coronabedingten Lie- ferprobleme abzeichneten, begonnen, Engpasslagen über die gesamte Gruppe zu monitoren“, berichtet Ziegler, der bei dem Ditzinger Werk- zeugmaschinenhersteller Trumpf mit hiesigen Töchtern in Freiburg, Teningen und Schramberg die konzernübergreifende „Task Force Be- schaffung“ leitet. „Damals schien es uns angemessen, Transparenz zu schaffen, sich alle 14 Tage zu treffen und sich bei Bedarf untereinander auszuhelfen.“ Seitdem habe sich der Mangel an Teilen und Rohstoffen rasant zugespitzt. „Dieser neuen Intensität seit Herbst begegnen wir mit täglichen Calls und vor allem, indem wir Aufgaben bündeln, um die einzelnen Tochtergesellschaften zu entlasten. Diese müssen vor al- lem technische Alternativen in kürzester Zeit qualifizieren“, erklärt Mo- ritz Ziegler. So geht beispielsweise sein Team für alle Trumpf-Standorte auf die weltweite Chipsuche „und hat sich so in dem Thema eine hohe Expertise erarbeitet“ – von der gelegentlich auch Unterlieferanten mit nicht so guten Zugängen zum Brokermarkt profitieren. Droht tatsäch- lich irgendwo ein Bauteil auszugehen, wird konzernweit recherchiert, wer noch alternative Beziehungen hat und sich einschalten kann. uh Straub-Verpackungen Maximal flexibel „Es wäre übertrieben zu sagen, dass wir aus Klopapier und Küchenrolle Verpackungen machen“, schmunzelt Steffen Würth , Geschäftsführer des Bräun- linger Verpackungsspezialisten Straub, um gleich wieder ernst zu werden: „Aber aktuell versuchen wir tatsächlich, alles an Materialien, was uns zur Verfügung steht, so sinnvoll wie unter diesen Umständen möglich einzusetzen, um die Balance zwischen Kundenansprüchen und Rentabilität zu halten.“ Die Verpackungsindustrie sieht sich seit Monaten doppelt herausgefordert: Erhöhte Nachfrage dank Hamsterkäufen und Onlinebestellboom trifft auf Engpässe von der Papierfaser über Kleber bis zu Transportkapazitäten. „Wir produzieren unterschiedlichste Wellpapp- produkte für gewöhnlich höchst optimiert.Wenn Papierlieferungen aber einfach zwei, drei Wochen später eintreffen, ist das Gift für jede Optimie- rung. Dann wird man zwangsläufig jeden Tag aufs Neue kreativ und vor allem flexibel“, stellt Würth fest. Dann werden eben auch mal Aufträge vorgezogen, bei denen die Fasermischung gerade besser passt, oder man steuert notgedrungen einen höheren Anteil von teuren Primärfasern bei, wenn Recyclingmaterial partout nicht zu bekommen ist. „Immerhin schweißt es das Team noch enger zusammen“, versucht er dem täglichen Improvisieren etwas Gutes abzugewinnen. Alle müssten sich intensiver absprechen. Trotzdem wünscht sich Würth bald mal wieder eine Zeit – vielleicht im zweiten Halbjahr – zum Durchschnaufen, wo sich alles beruhigen kann. uh

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