Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Januar'22 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

8 iHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 1 | 2022 titel Testo Redesign von Produkten Ist Testo von Lieferengpässen betroffen? Peter Kräuter,Vorstandsmitglied (CTO): Auch wir, in der Branche für Mess- technik und Sensorik, sind von Lieferengpässen und -ausfällen von elektroni- schen Bauteilen direkt betroffen – aktuell bei mehr als 40 unserer Produkte. Das verursacht enorme Aufwände. Die Situation ist zudem so dynamisch, dass jederzeit weitere Produkte hinzukommen könnten, was eine langfristige Pla- nung schwer möglich macht. Was fehlt? Stark von den Lieferengpässen belastet ist das Produktgeschäft mit Mess- geräten samt allen produktionsnahen Fachbereichen des Supply Chain Managements. Es fehlen vornehmlich aktive Komponenten wie Control- ler, digitale Wandler, Speicher oder auch Spannungsregler. Insbesondere Microcontroller bereiten uns aktuell große Sorgen, da diese das Herzstück jedes Testo-Messgerätes sind. Grund für die Engpässe bei diesen elektroni- schen Zulieferteilen ist ein Zusammenspiel aus der weltweit stark erhöhten Nachfrage aufgrund der Digitalisierung und dem schnellen Hochfahren von Industrie und Handel nach dem Covid-19-bedingten Konjunkturabschwung. Wie stark beeinträchtigt Sie das? Derzeit ist auf Lieferbestätigungen von Zulieferern kein Verlass, und es herrscht große Unsicherheit hinsichtlich kurzfristiger Absagen von Her- stellern. Die Verfügbarkeit von Zweitlieferanten für ähnliche Bauteile ist ebenfalls stark eingeschränkt. Aufgrund des globalen Ausmaßes und dem zu beobachtenden Konfliktpotential auf dem Halbleitermarkt droht in diesem Jahr ein hohes Risiko an Umsatzausfällen. Daher ist für uns aktuell die Ver- sorgungsabsicherung hinsichtlich Qualität und Menge, mit Blick auf unsere Produkte und die dafür benötigten Zulieferteile, eine der größten Herausfor- derungen. Mit welchen Strategien arbeiten Sie dagegen an? Bisher wurden hohe Mehrausgaben getätigt, um den Materialvorrat im Lager zu erhöhen und die Lieferfähigkeit unserer Produkte abzusichern. Bei Produkten, wo definitiv keine Komponenten – auch nicht durch erhöhte Preise – verfügbar sind, wurden umfangreiche Redesigns von elektronischen Schaltungen und Firmwareanpassungen getätigt und werden zukünftig auch weiterhin erforderlich sein. Mit welcher „Durststrecke“ rechnen Sie? Perspektivisch wird uns diese Krise voraussichtlich bis 2023 begleiten. Wobei Dauer und Ausmaß schwer zu prognostizieren sind, da viele Faktoren zusammenkommen und sich laufend verändern. Durch die genannten Maßnahmen und einen intensiven Dialog mit den Herstellern versuchen wir, auch in den kommenden Jahren die Lieferfähigkeit unserer Produkte auf- rechtzuerhalten. Interview: uh Ob elektrische Zahnbürsten,Waschmaschi- nen, Smartphones oder PCs: „Es gibt seit dem Sommer in allen Bereichen Lieferengpässe“, sagt Bruno Hall , Geschäftsführer der Expert Villringer GmbH, die gleichnamige Elektrofach- märkte in Lörrach, Schopfheim, Rheinfelden und Bad Säckingen betreibt. Der promovierte Kaufmann rechnet damit, dass dies auch noch etwa ein halbes Jahr lang so bleibt. Deshalb haben Hall und seine Mitarbeiter die Art,Ware zu bestellen, geändert: „Wir kaufen nicht mehr nur den tatsächlichen Bedarf, sondern fast alles, was wir bekommen“, sagt er. „In manchen Produktbereichen haben wir unsere Warendispositionen verdreifacht.“ So hat er nicht nur genügend Ware in den Geschäften, son- dern auch um etwa 20 Prozent höhere Lagerbe- stände, um für künftige Engpässe gerüstet zu sein. Hall ist froh, dass es dafür zurzeit günstige Kredite von der Kreditanstalt für Wieder- aufbau gibt. Er arbeitet nun mit mehr Lieferanten als früher zusammen und bestellt auch neue Marken. Zum Beispiel Smartpho- nes von asiatischen Anbietern, die in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind, um so die Wartezeiten bei den etablierten Anbietern auszugleichen. Und auch zusätzliche Modelle von Waschmaschinen, damit immer genügend Geräte vorhanden sind – auch wenn es nicht immer die sind, die die Kunden zunächst im Auge hatten. „Unsere Aufgabe besteht dann darin, den Kunden zu erklären, warum das an- dere Modell die Anforderungen des Kunden in ähnlicher Weise erfüllt“, sagt Hall. „Da kommt uns unsere Beratungskompetenz zugute.“ Denn wessen Waschmaschine oder Smartpho- ne kaputt sei, der brauche nunmal Ersatz.Wer lieber ein paar Wochen auf das neueste Modell wartet, der könne es vorbestellen. „Das ma- chen wir viel mehr als früher“, sagt Hall. Eine weitere Herausforderung ist für ihn zurzeit die Papierknappheit, da das Unternehmen regel- mäßig mit Werbebeilagen in der Presse auf sei- ne Angebote hinweist: „Wir haben Probleme, unsere Beilagen erstellen zu lassen“, berichtet er. Daher setzt Hall nun mehr auf Onlinewer- bung als er es bisher ohnehin schon getan hat. „Corona wirkt hier als Beschleuniger.“ mae Expert Villringer Auch zu Alternativen beraten

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