Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 -Südlicher Oberrhein

26 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2021 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Zielgerade 2030 angelaufen Echt klimaneutral werden Seit einigen Wochen ist die Initiative „Zielgerade 2030“ am Start. Was hinter dem Gemeinschaftsprojekt der IHK Südlicher Oberrhein und der Energieagentur Regio Freiburg steckt und warum klimaneutral nicht gleich klimaneutral ist. D er Ansatz von Zielgerade 2030 ist es, dass sich möglichst viele Unternehmen und Kommunen im Rahmen des Bündnisses verpflichten, bis zum Jahr 2030 klimaneut- ral zu werden, und dies über entsprechende Schritte auch erreichen. Die Experten der IHK Südlicher Oberrhein und der Energieagentur Regio Freiburg beraten und unterstützen bei dem Prozess. Die ersten Unternehmen sind an Bord (siehe auch Interview), Gespräche mit weiteren Interessierten laufen. Am Anfang des auf mehrere Jahre angelegten kostenpflichti- gen Projektes steht für jeden Teilnehmer das Erstellen einer Treibhausgasbilanz und eines daraus resultierenden Maßnahmenplans. Wichtig ist den Initiatoren des Projektes, dass die angestrebte Klimaneutralität nicht als blo- ße Kompensation von CO 2 -Äquivalenten (CO 2 e) verstanden wird, betont Trix Saurenhaus von der Energieagentur: „Kompensation allein trägt nicht wirklich zum Klimaschutz bei. Da ist man in der Konsequenz schnell beim Green- washing. Das hilft der Welt nicht weiter.“ Bei Zielgerade 2030 sei das anders, erklärt Damian Wimmer, der das Projekt seitens der Energieagentur leitet. Die Initiative forciert ak- tiv, dass der CO 2 e-Ausstoß der Unternehmen und Kommunen maximal vermindert und für die Zukunft vermieden wird. Jahr für Jahr wird die jeweils ausgestoßene CO 2 e-Menge analy- siert und werden Maßnahmen beraten, um den Ausstoß weiter zu reduzieren. Diese Schritte müssen dann umgesetzt werden. Werden die Teilnehmer des Bündnisses im Jahr 2030 – oder auch schon früher – für klimaneu- tral erklärt, haben sie durch verschiedenste Maßnahmen ihren eigenen CO 2 e-Ausstoß auf ein unvermeidbares Minimum reduziert. Erst dann wird diese letzte Restemission ausgegli- chen: Pro unvermeidbarere Tonne CO 2 e wird ein Betrag x in ein zertifiziertes Kompensati- onsprojekt einbezahlt. Mithilfe dieser Zahlung wird anderorts ein Potenzial zur CO 2 e-Einspa- rung gehoben, das ohne diese Zahlung nicht genutzt worden wäre. „Zusammengefasst funktioniert Zielgerade 2030 also so: Analysieren, Reduzieren, Kom- pensieren“, stellt Wimmer fest. Denn der ef- fektivste Schutz fürs Klima ist, CO 2 e gar nicht entstehen zu lassen. Erst dann sollte seine Kompensation in Betracht kommen. JM Jil Munga 0761 3858-263 jil. munga@freiburg.ihk.de . Die nächste Infoveranstaltung zur Zielgerade 2030: am 25. Januar 2022 online, 16 bis 17 Uhr. Anmeldung: www.zielgerade2030.de DREI FRAGEN AN… Michael Faller, Geschäftsführender Gesellschafter von Faller Packaging Warum sind Sie Teil der Zielgerade 2030? Wir sind davon überzeugt, dass wir schon heute aktiv werden müssen, um den nachfolgenden Ge- nerationen eine lebenswerte Welt hinterlassen zu können. Faller Packaging wirtschaftet nachhaltig und möchte seinen CO 2 -Fußabdruck immer weiter verringern. Bereits seit 2003 geben wir deshalb aus Eigeninitiative einen jährlichen Nachhaltig- keitsbericht heraus. Jetzt ist es Zeit, auf der Ziel- gerade 2030 den nächsten Schritt zu machen. Die effektive Steuerung von Klimaschutzaktivitä- ten neben unserem Tagesgeschäft ist natürlich eine Herausforderung. Wir nehmen diese aber gerne an und freuen uns sehr, dass wir bei der CO 2 -Bilanzierung Unterstützung und neue Impulse erhalten. Gemeinsam mit der IHK und der Energieagentur Regio Freiburg werden wir einen kontinuierlichen Fortschritt bis zur CO 2 -Neu- tralität sicherstellen. Haben Sie schon Klimaschutzmaßnahmen ergriffen? Faller Packaging bezieht für die Produktion an unseren deut- schen Standorten in Waldkirch, Binzen und Schopfheim sowie am Standort in Hvidovre, Dänemark, ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien. Die Energieagen- tur Regio Freiburg unterstützt uns dabei, dies auch an unseren anderen Standorten zu ermöglichen. Außerdem bestehen unse- re Produkte wo immer es möglich ist aus recyclebaren Materialien. Wir unterstüt- zen unsere Kunden aktiv dabei plastikfrei zu verpacken. Natürlich bietet auch unser geplanter Neubau in Waldkirch vielfältige Möglichkeiten für noch nachhaltigere Pro- duktionsprozesse und umweltfreundliches Wirtschaften. Welche Erkenntnisse erhalten Sie aus dem Auseinandersetzen mit Ihrer CO 2- Bilanz? Das Thema CO 2 -Bilanz ist bei uns, aber glücklicherweise auch bei unseren Kunden, voll angekommen. Wir erhalten immer mehr Anfragen zum CO 2 -Fußabdruck unserer Produkte. Zuver- lässige Supply-Chain-Partner und Lieferanten werden dazu in Zukunft immer ausführlicher Antwort geben müssen. Wir sehen deshalb in unserem Engagement im Rahmen von Zielgerade 2030 auch einen Wettbewerbsvorteil. Interview: JM Michael Faller Bild: Adobe Stock

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