Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 -Südlicher Oberrhein
22 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2021 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Wenn über Digitalisierung gesprochen wird, stehen oftmals die Prozesse und Strukturen im Vordergrund. Das ist ver- ständlich. Der Einsatz von Software kann Prozesse automatisieren, digitalisieren und somit enorm vereinfachen. Doch wie optimiert man Prozesse und Strukturen am besten? Gordon Geisler: Am Anfang steht das genaue Hinschauen der Führungskräfte: Welche Pro- zesse habe ich? Funktionieren diese und was kosten sie mich? Hierbei hat es sich bewährt, die einzelnen Prozesse wirklich einmal detail- liert zu erfassen und zu visualisieren. In nur wenigen Wochen lässt sich auf diese Weise Klarheit verschaffen. Und dieses genaue Hinschauen hilft einem enorm dabei, Dinge die „schon immer so wa- ren“ zu bemerken und kritisch in Frage zu stellen. Denn nur funktionierende Prozesse und Strukturen sollten auch ins digitale Um- feld übertragen werden. Emmanuel Beule: Im nächsten Schritt steht dann der Blick in die Zukunft an. Dabei soll- ten sich Unternehmen die Frage stellen, wo- mit sie in zehn Jahren Geld verdienen wollen, also woraus sich die künftige Wertschöpfung generieren soll. Und genau an dieser Stel- le setzen wir dann schließlich an, wenn wir entscheiden, welche Prozesse digitalisiert, vereinfacht oder optimiert werden sollten und welche Strukturen dafür nötig sind. Eine wichtige Erkenntnis ist dabei für viele, dass nicht gleich das gesamte Unternehmen umgekrempelt werden muss. So kann es oft- mals schon enorm hilfreich sein, Daten oder Informationen an einer bestimmten Stelle anders anzuliefern. Das klingt banal, aber in der Praxis lassen sich damit große Effekte erreichen. Welche Rolle spielen Führungskräfte bei der Digitalen Transformation? Beule: Durch Veränderungen mit alten Mus- tern zu brechen, kann durchaus auch weh tun. Um die Bereitschaft für Veränderungen in der gesamten Belegschaft zu schaffen, empfehlen wir Führungskräften daher bereits von Anfang an einen kooperativen Ansatz zu verfolgen. Das funktioniert beispielsweise, wenn man Kollaborationsmöglichkeiten zur Verfügung stellt oder wenn Entscheidungen abteilungs- und hierarchieübergreifend ge- meinsam getroffen werden. Geisler: Gleichzeitig müssen Führungskräfte auch einen Raum schaffen, in dem Verbesse- rungsvorschläge von allen gemacht werden können. Bereits an diesem Schritt scheitern viele, da es oftmals Ängste in der Belegschaft vor Sanktionen gibt. Hier müssen daher vor- ab klare Regeln definiert werden, was okay ist und was nicht, wer die Ansprechpartner sind, wie die Verantwortlichkeiten gelagert sind und so weiter. Die Führungskräfte sollten durch aktive Ansprache zum Mitmachen motivieren und zugleich auch ganz klare Rückendeckung bei den Vorschlägen geben. Wie kann die Digital Transformation Map Unternehmen bei diesem Wandel helfen? Geisler: Mit der Digital Transformation Map lässt sich einfach und schnell herausfinden, welche Änderungen und welche Impulse für Unternehmen hilfreich sind, um langfristig zu wachsen. Wir stellen dabei verschiede- ne Ansätze vor, die Unternehmen auf ein zunehmend dynamisches und digitalisiertes Umfeld vorbereiten. Im Anschluss können sie mit diesem Wissen gut erkennen, welcher der Ansatzpunkte in ihrem Unternehmen am besten funktioniert. Beule: Konkret betrachten wir dabei unter- schiedliche Modelle, die uns für verschie- dene Problemstellungen Lösungsvorschläge liefern können. Unternehmen machen näm- lich oft den Fehler, sich nur auf eine Metho- de festzulegen. Hilfreicher ist aber, hybride Frameworks zu wählen: Also Rahmenbedin- gungen zu schaffen, die es ermöglichen, Die effiziente Gestaltung der digitalen Transformation ist für viele Unternehmen in Deutschland noch Neuland. Mit welchen Methoden dabei Prozesse und Strukturen hinterfragt und für die Zukunft angepasst werden können, zeigt die IHK Digital Transformati- on Map. Mit diesem Angebot unterstützt die IHK Unterneh- men aktiv beim Weg in die digitale Welt. Digitale Transformation (3): Erfolgsfaktor Prozesse und Strukturen » Es muss meist nicht gleich alles umgekrempelt werden « Bild: WoGi/Adobestock
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