Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 -Südlicher Oberrhein

20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2021 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein wertvoll der Austausch mit den Unternehmern für sie sei: „Diese Gespräche, der direkte Aus- tausch untereinander, sind für mich durch nichts zu ersetzen.“ Um Berufsabschlüsse ging es beim Zusam- menkommen mit Theresa Schopper, Minis- terin für Kultus, Jugend und Sport. Andreas Volkert, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke in Kehl, berichtete von fehlen- den Arbeitskräften in seinem Unternehmen. „Da brauche ich 25- bis 30-Jährige aus dem Ausland, die ich anlerne. Doch dazu sind Konzepte erforderlich. Bei Teilqualifizierun- gen und der Anerkennung von beruflichen Abschlüssen müssen wir neu denken.“ Ehrenpräsident Steffen Auer, Geschäftsführer von Schwarz- wald Eisenhandel in Lahr, stellte ähnliche Probleme beim Blick über den Rhein fest: „Die französischen Fach- kräfte beherrschen 80 Prozent der geforder- ten Tätigkeiten für einen IHK-Abschluss. Wa- rum können sie nicht einfach eine verkürzte Ausbildung von einem Jahr machen, um die fehlenden 20 Prozent aufzuholen?“ Die grüne Politikerin gab Volkert und Auer recht: „Diese lupenreine Trennung, die es da bei uns bei den Berufsabschlüssen gibt, ist ein Problem.“ Erst am späten Abend vor dem Termin mit der Unternehmerschaft vom südlichen Oberrhein war Thekla Walker von der UN-Klimakonfe- renz im schottischen Glasgow zurückge- kehrt. „Die Verbindungen und Netzwerke, die dort entstehen, sind auch für den wirt- schaftlichen Austausch hilfreich“, sagte die Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirt- schaft und stellte fest: „Es ist wichtig, gute Ideen zu kopieren.“ Für die grüne Politikerin ist Umweltpolitik auch Wirtschaftspolitik. Am Beispiel der Wasserstoffwirtschaft im Land machte sie dies deutlich: „Bis 2030 werden hier 16.000 Arbeitsplätze entste- hen.“ Nachhaltigkeit dürfe in ihren Augen nicht mehr als „On-Top-Thema“ gesehen werden: „Nachhaltigkeit ist das Geschäfts- modell der Zukunft.“ Andreas Truttenbach, stell- vertretender Präsident der IHK Südlicher Oberrhein und Geschäftsführer von RMA Rheinau, kritisierte, dass der bürokratische Aufwand, um Fördermöglich- keiten für die Klimawende in den Unterneh- men zu erhalten, extrem hoch sei, gerade für die kleinen und mittelständischen Be- triebe. Auch Vizepräsident Reiner Richter, Vorstandsmitglied der Volksbank Lahr, wies darauf hin, dass die Wege für Investitions- willige geebnet werden müssten. Zuspruch bekamen hier beide von der Umweltministe- rin: „Wir müssen die Bedingungen schaffen, dass die Hindernisse verschwinden. Dann kommen die Investitionen zuhauf.“ Weitere Treffen gab es mit den Fraktions- vorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Schwarz, und der CDU, Manuel Ha- gel. Beide Politiker drängten auf dringend notwendige Veränderungen. „Ein ,Weiter so!‘ reicht nicht“, sagte Schwarz. Hagel mahnte: „Wir müssen eine neue Leistungs- und Ver- antwortungskultur diskutieren, sonst ist der Wohlstand weg.“ Vertieft wurden die Diskussionen am Abend mit dem Hauptgeschäftsführer des BWIHK, Michael Alpert, und Landtagsabgeordneten aus dem Kammerbezirk: neben Bernd Met- tenleiter, Daniela Evers, Alexander Schoch, Sandra Boser und Thomas Marwein von Bündnis 90/Die Grünen auch Patrick Rapp, Volker Schebesta und Willi Stächele von der CDU sowie Gabi Rolland von der SPD. Alle Politiker betonten, dass sie gern bereit seien, die besprochenen Themen in Freiburg bei den Sitzungen der Vollversammlung oder der Fachausschüsse zu vertiefen. Dieter Salo- mon, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, nahm diesen Auftrag von dem Par- lament der Wirtschaft direkt mit: „Laden wir sie also ein!“ IHK-Präsident Eberhard Liebherr forderte die Unternehmer auf: „Lassen Sie uns diesen Spirit jetzt nutzen und aus diesen zwei Tagen etwas machen.“ naz Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (vorne Mitte) umrahmt von Kammerpräsident Eberhard Liebherr (l.) und Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon. Dahinter die knapp drei Dutzend Teilnehmer starke Delegation vom südlichen Oberrhein. »Es ist wichtig, gute Ideen zu kopieren«

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