Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 -Südlicher Oberrhein

19 12 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten I n entspannter Runde plauderte Baden- Württembergs Regierungschef mit den Unternehmern vom südlichen Oberrhein über die Aufgaben, die aktuell vor ihm und der grün-schwarzen Koalition liegen. Die Ent- bürokratisierung bezeichnete er als „dickes Brett“. Beinahe schon empört sagte Winfried Kretschmann über bürokratische Hürden: „Jeden Tag erfahre ich, was ich nicht darf.“ – „Wir auch!“, schallte ihm die Antwort der Voll- versammlungsmitglieder unisono entgegen. Mit Blick auf die Windkraftanlagen, deren Ge- nehmigungen derzeit durchschnittlich sieben Jahre dauern, machte der Ministerpräsident deutlich, wie er das Thema Entbürokratisie- rung angehen möchte. Eine Taskforce soll helfen, damit 1.000 Windräder entstehen – die Zeit von der Planung bis zum Bau soll auf dreieinhalb Jahre reduziert werden. Selbst- kritisch gestand Kretschmann: „Es hat al- lein drei Monate gebraucht, bis die Taskforce stand. Das ist schon ein Beispiel dafür, dass es so nicht mehr funktioniert.“ Die Bürokratie dürfe nicht mehr weiter steigen, lautete daher Kretschmanns Forderung. „Nur so können sich die Unternehmen darauf konzentrieren, wie sie sich auf den Weltmärkten behaupten statt gegen die Bürokratie.“ Eine Bitte richte- te der grüne Politiker abschließend an seine Zuhörer: „Nennen Sie uns Ihre Beschwernis- se ganz konkret. Denn wenn es in dem einen Fall problematisch ist, ist es das in tausend anderen auch. Also muss ich es ändern.“ Ein weiteres Treffen im Haus der Geschichte an der Stuttgarter Kulturmeile fand mit Nicole Hoffmeister-Kraut statt. Ausdrücklich dankte die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tou- rismus für die Arbeit der Kammern im Rahmen der Corona-Soforthilfen in Baden-Württem- berg. Direkt sprach sie Jens Fröhner an. Der Chief Information Officer der IHK Südlicher Oberrhein hatte die Lösung des vollelektro- nischen Workflows, den alle Industrie- und Handels- sowie die Handwerkskammern in Baden-Württemberg während des Soforthil- feprogramms im Frühjahr 2020 genutzt hatten, in Zu- sammenarbeit mit der IHK Stuttgart verantwortet. Im Dialog mit der Ministe- rin forderte Toni Schlegel, Betreiber verschiedener gastronomischer Betriebe in Freiburg, eine Reform des Arbeitszeitge- setzes. Für ihn ein wichtiger Punkt im Kampf um Arbeitskräfte. „Eine Modernisierung ist dringend notwendig“, erhielt er Zustimmung von der CDU-Politikerin. „Und zwar nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in unserer digitalen Welt.“ Zum Abschied betonte sie, wie Mit vielen Fragen und auch Anregungen im Gepäck ist die Vollversammlung der IHK Südlicher Oberrhein Anfang November nach Stuttgart gereist, um Vertreter der Landesregierung zu treffen. Dabei ging es um die brennendsten Herausforderungen der Unternehmerschaft: vom Arbeitskräftemangel über die Ener- giewende bis zur überbordenden Bürokratie. Höhepunkt der zweitägigen Exkursion war ein Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann. IHK-Vollversammlung zur landespolitischen Exkursion in Stuttgart Wirtschaft trifft Politik Bilder: Michael Bode für die IHK Südlicher Oberrhein Ministerpräsident Winfried Kretschmann engagiert im Gespräch mit den Unternehmern und IHK-Experten der IHK Südlicher Oberrhein (im Vordergrund, oben l.). Per Bus war die Vollversammlung im November nach Stuttgart un- terwegs (oben r.). Toni Schlegel, Gastronom in Freiburg, bei einer Frage an Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (r.). »Nennen Sie uns Ihre Be- schwernisse ganz konkret«

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5