Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 - Hochrhein-Bodensee

IHK Hochrhein-Bodensee   REGIO REPORT Datensicherheit für die IT-Region Karlsruhe ANZEIGE Für Führungen durch unsere Rechenzentren besuchen Sie unsere Homepage unter telemaxx.de nicht darauf wetten, dass es für die Schweiz einen besseren Deal gibt.“ Er zitiert den Schweizer Diplomaten Jakob Kellenberger, der die bilateralen Verträge Ende der 1990er-Jahre verhandelt hat. „Was uns Schweizern heute fehlt, ist der Sinn für korrekte Größenordnungen. Man will nicht zur Kenntnis nehmen, dass die EU eine regulatorische Supermacht geworden ist.“ Im anschließenden Podium diskutieren die FDP-Bundestagsabgeord- nete Ann-Veruschka Jurisch und Fredy Fässler, Regierungsrat des Kan- tons St. Gallen und Vorsitzender der Internationalen Bodensee-Konfe- renz, darüber, ob es einer eigenen, grenzregionalen Politik bedürfte. „Ich sehe momentan nur Verlierer“, sagt Regierungsrat Fässler und fordert: „Wenn wir geballt als Bodenseeraum auftreten, könnte sich etwas bewegen.“ Und Ann-Veruschka Jurisch ergänzt: „Wir brauchen einen politischen Impuls. Die Bodenseeregion ist eine Chancenregion mit Forschungsinstitutionen und Wirtschaftskompetenz. Wir müssen uns um den See herum im Sinne eines europäischen Gedankens zusammenschließen.“ In eine ähnliche Richtung argumentiert Roland Scherer von „DenkRaumBodensee“, Direktor des IMP-HSG an der Universität St. Gallen: „Ich habe die Hoffnung, dass das Scheitern des Rahmenabkommens zu einer gleichen Gegenreaktion führt wie das EWR-Nein, in dessen Folge es zu einer deutlichen Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Bodenseeregion gekommen ist.“ Das Forum hat deutlich gemacht, wie sehr sich Vertreter auf bei- den Seiten um die künftigen Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz sorgen. Claudius Marx sieht darin auch ein positives Momen- tum: „Dieselben Parteien, die zuvor über Jahre an einer Kooperation gearbeitet haben, haben nach dem Scheitern der Verhandlungen ein ebenso großes Interesse an der Schadensbegrenzung. Beide Seiten wissen, dass sie viel zu verlieren haben. Das war nach dem schweizerischen Nein zu EWR und EU nicht anders. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass Schweiz und EU auch dieses Mal eine Lösung finden werden, die die grenzüberschreitenden Beziehungen, wirt- schaftlich und gesellschaftlich, nicht gefährdet, sondern im Gleich- schritt fortentwickelt.“ Ein hoffnungsvoller Abschluss für eine sehr ehrliche Veranstaltung. hw

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