Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Dezember'21 - Hochrhein-Bodensee

20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 12 | 2021 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee Frau Kumar, mit Ihrem Unternehmen FabRap möchten Sie Geschenkpapier aus Papier und Folie überflüssig machen und setzen auf Verpackungen aus Stoff. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Dach- ten Sie vom Prinzip der Nachhaltigkeit zum Produkt oder suchten Sie umgekehrt für ein bestehendes Produkt eine nachhal- tige Lösung? Das ist eine lange Geschichte. Schon als Kind habe ich Geschenke in bunte Stoffe einge- packt, einfach, weil ich es schön fand. Doch meine Idee für FabRap kam viel später. Mein Fokus lag erst einmal bei der Biobaumwolle. Vor zwölf Jahren, als ich noch in Saigon lebte und meine Kinder klein waren, suchte ich nach Babybekleidung aus Biobaumwolle. Vie- le Menschen haben keine Vorstellung davon, mit wie vielen Chemikalien Baumwolle be- handelt wird. Das wollte ich meinen Kindern nicht anziehen. Also habe ich ein Unterneh- men für Babybekleidung aus Biobaumwolle gegründet. Ich lernte in dieser Zeit viel über zertifizierte Biobaumwolle. Sie kamen also über die Biobaumwolle zu Ihrer Idee für FabRap? Genau, aber auch, weil ich in Vietnam ge- sehen habe, dass die Menschen ihre Ge- schenke in erster Linie in Zellophanfolie einpacken. Das verursacht viel Müll und ist schlecht für die Umwelt. Das geht auch anders, dachte ich mir, und so entstand die Idee für FabRap. Ich habe einige Prototypen entwickelt und getestet. Die Rückmeldun- gen waren super. Der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit ist inzwischen omnipräsent – ich könnte mir also vorstellen, dass Ihre Geschäftsidee recht erfolgreich ist? Ja, die Menschen sind für nachhaltige Pro- dukte mittlerweile sehr offen. Wir haben den richtigen Zeitpunkt für wiederverwendbare Geschenkverpackungen getroffen. 2019 ha- ben wir losgelegt, und trotz Coronakrise und geschlossenem Einzelhandel sind unsere Verkäufe jedes Jahr um 40 Prozent gestiegen. Gratulation! Beim Thema Geschenkpapier sehe ich immer meine Oma vor mir, wie sie unter dem Weihnachtsbaum das bunte Papier, das wir Kinder aufgerissen hatten, mit ihren Händen glattgestrichen hat, um es später noch einmal zu verwenden. Und dann denke ich: Wir waren alle schon mal sehr viel nachhaltiger, wir haben es nur vergessen. Absolut richtig, wir haben uns an die Weg- werf- und Konsumgesellschaft gewöhnt. Aber es muss ja nicht zwingend so weitergehen. Wir können uns auch wieder umgewöhnen. Es ist schön zu sehen, wie überall neue Ideen für Nachhaltigkeit entstehen. Gerade bei Gründungen spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Nachhaltige Produkte und Dienstleistungen sind die Zukunft. Mit dem Klimaschutz ha- ben wir eine der größten Herausforderungen überhaupt zu bewältigen. Die Wegwerf- und Konsumgesellschaft verursacht zu viel CO 2 , belastet die Umwelt und verschmutzt unsere Natur. Dass dieser Weg so nicht weitergehen kann, müsste mittlerweile jedem klar sein. Die Mehrheit der Menschen befürwortet ja einen nachhaltigen Lebensstil, nur im Alltag fällt es ihnen schwer, sich von ihren Gewohnheiten zu lösen. Ich halte hier Ihr fröhlich buntes Tuch in Händen – viele verbinden aber Nachhaltigkeit spontan mit ZUR PERSON Hema Kumar (50) wurde in Nordindien geboren. Mit neun Monaten zogen ihre Eltern mit ihr und ihrer Schwester nach London, wo sie die nächsten Jahre ver- brachte. Als sie neun Jahre alt war, ging die Familie nach Australien, wo Kumar ihren Schulabschluss machte und ein Wirtschaftsstudium absolvierte. Ihr Weg führte sie und ihren Mann mit den ge- meinsamen Kindern nach Dubai und Sai- gon, wo Kumar ihr erstes Unternehmen gründete: eine Firma für Babykleidung aus Biobaumwolle. Seit 2014 leben sie in Deutschland, zuerst in Berlin, seit 2018 in Konstanz. Angesichts des Klimawandels wächst das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit. Auch mehr Unternehmen befassen sich damit. Zu diesen zählt „FabRap“ der Konstanzer Gründerin Hema Kumar. Sie verkauft wiederverwendbare Geschenkverpackungen aus Biobaum- wolle. Mit IHK-Hauptgeschäftsführer Claudius Marx hat sie über ihr Unternehmen und eine nachhaltige Zukunft gesprochen. » People, Planet und Profit im Blick behalten « Interview mit Hema Kumar dazu, wie man mit nachhaltigen Ideen Geld verdienen kann

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