Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'21 - Hochrhein-Bodensee

50 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2021 PraxISWISSen UMWeLT Was kann das neue „ecocockpit“ der IHKs im Land? es ist ein einfaches Tool, mit dem Unterneh- men in die CO 2 -Bilanzierung einsteigen und herausfinden können, wie ihre Klimawirkung ist. es ermittelt, wie viel Kohlendioxid be- ziehungsweise CO 2 -Äquivalente, also auch andere Treibhausgase, die in der atmosphä- re die gleiche Wirkung haben, der Betrieb emittiert. Da die Handhabung des ecocockpit sehr einfach ist, rate ich jedem Unterneh- men, es einfach mal auszuprobieren. Warum sollten Unternehmen das wissen wollen? es gibt ganz unterschiedliche Gründe, war- um Unternehmen sich damit auseinander- setzen sollten. erstens aufgrund von staat- lichen Vorgaben wie des CO 2 -Preises, der dazu animieren soll, weniger fossile energie- träger zu nutzen, oder aufgrund staatlicher Förderungen, die an CO 2 -ersparnisse ge- knüpft sind. Zweitens um sich den eigenen Mitarbeitern gegenüber als verantwortungs- voll handelnder arbeitgeber zu präsentieren, Stichwort: Fridays for Future. Und drittens, weil Kunden, Konsumenten und Lieferan- ten das zunehmend fordern. Bei Textilien oder Lebensmitteln gibt es schon zahlreiche nachhaltige Labels, weil Konsumenten und Kunden dies stärker fordern. Damit steigen die Lieferantenanforderungen auch im B2B. Stichwort Label: Ist das Ecocockpit selbst eines? nein, es ist keine Zertifizierung, sondern – bei der richtigen anwendung – eine Vorbe- reitung für die Zertifizierung. es identifiziert die größten Hebel, an denen Unternehmen ansetzen können. Für CO 2 -Bilanzen gibt es übrigens auch unterschiedliche normen. Das ecocockpit basiert auf dem Greenhouse Gas Protocol, kurz: GHG. Bei Klimabilanzen können drei unterschiedliche Umfänge, so- genannte Scopes, abgebildet werden. Bei GHG sind Scope 1 und 2 Pflicht, Scope 3 ist optional. Wie funktioniert das Tool, und wie aufwen- dig ist es? ecocockpit ist einfach aufgebaut und intuitiv in der Handhabung, aber man kann es nicht mal eben in der Mittagspause erledigen. Der aufwand hängt auch von der Branche und der Vorarbeit ab. Wer zum Beispiel schon ein energiemanagementsystem hat, ist schneller als andere, die noch ganz blank sind. Man registriert sich und gibt dann alle möglichen Daten und Zahlen ein – aus der Produktion, dem Controlling et cetera. Ganz wichtig: Die Daten werden nicht extern gespeichert, son- dern nur intern beim User. Die Bilanz lässt sich auf einzelne Bereiche aufteilen, also etwa Standorte, Prozesse oder Produkte. ein großer Vorteil des ecocockpits ist auch, dass man Umrechnungsfaktoren etwa für Trans- portwege oder Geschäftsreisen nicht selbst recherchieren muss. Dafür sind emissions- Klimaschutz: Neues IHK-Angebot zur CO 2 -Messung » Das kann augenöffnend sein « Das Thema Klimaschutz ist in aller Munde und kommt auch im- mer mehr auf die Unternehmen zu. Denn Deutschland hat sich verpflichtet, die Treibhausgas- emissionen bis 2030 um 65 Pro- zent gegenüber 1990 zu senken und bis 2045 klimaneutral zu sein. Ein erster Schritt für Betrie- be: den eigenen CO 2 -Verbrauch ermitteln. Dafür bieten die IHKs ein Onlinetool an. Wie das funk- tioniert, was es bringt und was Unternehmen sonst in Sachen Klimaschutz tun sollten, erklärt IHK-Expertin Jil Munga. Bild: VectorMine - adobe Stock

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