Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'21 - Hochrhein-Bodensee
10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 11 | 2021 IHK Hochrhein-Bodensee : Alexander Graf 07622 3907213 alexander.graf@ konstanz.ihk.de IHK Schwarzwald-Baar- Heuberg: Philipp Hilsenbek 07721 922126 hilsenbek@vs.ihk.de IHK Südlicher Oberrhein: André OlveiraLenz 0761 3858261 andre.olveiralenz@ freiburg.ihk.de eine flächendeckende 5G-Infrastruktur mit sehr vielen Mobilfunkmasten wie es etwa in Südkorea der Fall ist. Bei uns tritt der 5G-Standard zunächst an die Stelle des alten 3G-Standards beziehungsweise anstelle der UMtS-Frequenzen, die seit September abgeschaltet werden. Viele Nutzer merken es allerdings gar nicht, wenn sie den neuen Mobilfunkstandard nutzen. „5G ist nicht gleich 5G“, sagt Bernd Sörries von WIK-Consult. Je nach Abstand der Sendemasten bringe es kein größeres Datenvolumen mit sich. Manchmal erhalte man auch eine Mischung aus lte und 5G. „5G kann genauso schnell oder langsam wie lte sein oder sogar langsamer“, gibt Sörries zu Bedenken. Dazu kommt, das 5G vorerst nur in Ballungsgebieten ab 50.000 ein- wohner einzug halten soll. „Da werden wir künftig eine Diskussion um ein Stadt-land-Gefälle bekommen und müssen aufpassen, dass der ländliche Raum nicht hint- ansteht“, sagt Hochschulprofessor Anders. Gleichwohl sei 5G aber „das thema der Zukunft“. D as sieht Reinhold Walz, promovierter Physiker und Mitglied im Arbeitskreis Produktion der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, auch so: „5G ermög- licht komplett neue Anwendungen“, sagt er. Als Beispiel nennt Walz autonomes Fahren, bei dem die Fahrzeuge stets mit Informationen über die aktuelle Verkehrslage informiert werden und so Staus umfahren können. „Im ländlichen Raum sind wir aber meilenweit von flächen- deckendem 5G-empfang entfernt“, sagt er. Autonomes Fahren mithilfe von 5G sei in der Region somit eine Zu- kunftsvision. Neben autonomem Fahren und der Ver- folgung von Containern um die ganze Welt nennt Walz die landwirtschaft als gutes Anwendungsfeld für 5G. Walz ist Geschäftsführer der Gewatec GmbH & Co KG in Wehingen , einem führenden Anbieter von eRP- und MeS-Software für den fertigenden Mittelstand. Seine Kunden sind vor allem Automobilzulieferer, Medizin- und Kunststoffspritztechnik-Unternehmen. Viele von ihnen verfügen bereits über eine vernetzte Fertigung, in der Ma- schinen über Sensoren und mithilfe eines WlAN-Netzes oder Bluetooth miteinander kommunizieren. Zum Beispiel darüber, welche teile in welchen Fertigungsschritten sich wo in der Produktionshalle befinden. „Was bisher mit WlAN in Firmennetzen funktioniert, wird mit 5G irgend- wann weltumspannend möglich sein“, sagt Walz. Gleichwohl steht fest, dass 5G nicht das ende vom lied sein wird. Dass das Potenzial groß ist, ist dennoch un- strittig. Für IHK-Präsident liebherr sind 5G-Netze „eine technologie, die noch ihre Anwendungen sucht“ und zugleich „das Rückgrat der digitalen transformation“. A uch wenn es bislang für die meisten ohne geht: Firmen in der Region können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls 5G nutzen. Wenn sie für ihre Produktion nicht WlAN, sondern 5G verwen- den möchten, müssen sie ein eigenes 5G-Campusnetz aufbauen. „Das ist viel komplexer als ein Wi-Fi-Netz, es verspricht aber auch viel mehr“, sagt André Olveira-lenz und weist zudem auf die hohe Sicherheit hin. Unterneh- men benötigen für ein 5G-Campusnetz unter anderem eine eigene Frequenz, die sie beantragen müssen (siehe Kasten Seite 9). Nach Angaben der Bundesnetzagentur (Stand 15. September) wurden deutschlandweit bislang 148 Frequenzen für lokale 5G-Netze beantragt und zu- geteilt. Darunter sind Konzerne wie Porsche in Stuttgart und Daimler in Bremen, Messegesellschaften wie die Deutsche Messe AG in Hannover, Hochschulen und Forschungsinstitute wie das It-Center der RWtH in Aa- chen und das wbk Institut für Produktionstechnik am Karlsruher KIt. Im Regierungsbezirk Freiburg ist bislang niemand dabei. Allerdings gibt es verschiedene Projek- te (siehe Kasten auf Seite 9). So untersucht der Sensorhersteller Sick aus Wald- kirch seit mehreren Jahren zusammen mit der RWtH Aachen in der dortigen Demofabrik, wie 5G für die drahtlose Kommunikation von autonomen transport- systemen (FtS) eingesetzt werden kann. „Durch eine stabile Funkübertragung kann die Sicherheit in der Fa- brik deutlich erhöht werden. Gleichzeitig wird energie gespart, sodass die FtS seltener unerwartet stoppen müssen“, heißt es von Sick. „5G ist eine technologie, die diese Anforderungen erfüllt und für verschiedene Anwendungen untersucht wird.“ Allerdings würden sich bereits mit heutigen Standards datengesteuerte Au- tomatisierungsprozesse realisieren lassen. So hat die Sick AG 2018 in Hochdorf ihre „4.0 Now Factory“ in Be- trieb genommen – eine mithilfe von Sensoren vernetzte Fertigung mit autonomen digitalen Produktions- und Steuerungsprozessen, in der mehrere Produktfamilien hergestellt werden. Wer über die digitale Infrastruktur spricht, darf auch den Breitbandausbau nicht vergessen, der dafür eben- so notwendig und in der Region ebenfalls nicht flä- chendeckend geschehen ist. So sagt auch Sörries von WIK-Consult: „Mobilfunk geht nicht ohne Glasfaser, man muss beides zusammen denken.“ Susanne Maerz 5G ist die neueste Mobilfunkgeneration, aber nicht die letzte. Bild: Adobe Stock
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