Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe November'21 - Hochrhein-Bodensee

tItel pelt so viele Daten wie vor drei Jahren produzieren. ein Grund für die Steigerung ist die Coronapandemie: mehr Videokonferenzen, Onlinemessen und -events, mobiles Arbeiten. Das Problem dabei: „Der aktuelle Zustand des Mobilfunknetzes hält den gestiegenen Anforderungen an vielen Stellen nicht mehr stand.“ Auch viele Hotels in der Region haben schlechten oder gar keinen Mobilfunkempfang. Zum Beispiel das am Rande des Freiburger Mooswalds gelegene Gesund- heitsresort Freiburg , zu dem das Dorint-thermen- hotel gehört. „Wir als Hotel- und Klinikeinrichtung im Mooswald haben sehr große Herausforderungen be- züglich der Mobilfunkabdeckung. Unsere Gäste können schlichtweg ihre Mobilfunkgeräte nicht nutzen. Ge- schäftsreisende sind für ihre Kunden nicht erreichbar“, sagt Geschäftsführer Pierino Di Sanzo: „Dies ist einer der Hauptbeschwerdegründe in unserem Haus.“ Auf der Website des Waldhotels am Notschreipass wird auf den eingeschränkten Mobilfunkempfang bestimm- ter Anbieter hingewiesen – und zugleich ein Ausgleich angeboten. „Nutzen Sie unser gratis WlAN im Hotel und eine gratis telefonflat im Zimmer“, heißt es dort für die Gäste. Bei der Präsentation der Studie berichtet eberhard liebherr, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, wie ärgerlich es sei, wenn er durch den Schwarzwald fahre und telefongespräche immer wieder abbrächen. WIK- Consult-Chef Sörries führt die Schweiz als positives Beispiel an, da es dort in allen Zügen flächendecken- den Handyempfang gibt. „Da reißt das Gespräch auch in tunneln nicht ab. In Deutschland telefoniert man im Zug lieber nicht.“ Das gilt auch, wenn man entlang des Hochrheins an der Schweizer Grenze unterwegs ist und keinen empfang übers gut funktionierende Schweizer Netz hat. L ucia Rehm vom Kies- und Betonwerk der Familie Rehm in Lotstetten (landkreis Waldshut) kennt das Problem. Mit ihren Fahrern, die in der deut- schen Grenzregion zu Baustellen unterwegs sind, kom- muniziert sie nur per telematiksystem. Gespräche mit dem Handy würden ständig abbrechen. Diese erfahrung macht die Geschäftsführerin der zur Unternehmens- gruppe gehörenden SeBA Sekundärbaustoff-GmbH auch selbst, wenn sie zum Beispiel Richtung Klettgau, Stühlingen oder Bonndorf fährt. „Wenn man unterwegs mal schnell was googeln will, dauert das ewig“, sagt sie. Im Werk selbst, das an drei Seiten von der Schweiz umgeben ist, empfangen die Handys Schweizer Netz. Um auch mit Internet und telefonie versorgt zu sein, haben Rehms im Unternehmen ein eigenes WlAN-Netz aufgebaut. „Das fehlende Mobilfunknetz beeinträchtigt bei uns zwar nicht die Produktion, aber die Kommunika- tion“, sagt sie und verweist auf andere Unternehmen in ihrer Gemeinde, die deswegen auch einschränkungen in der Fertigung hätten. lucia Rehm hofft, dass endlich bestehende Mobilfunkmasten ausgebaut werden, damit die Region flächendeckend zumindest mit 3G oder 4G versorgt ist. Zugleich berichtet sie von Protesten in der Bevölkerung, als vor einigen Jahren in Nachbarorten Mobilfunkmasten errichtet werden sollten. V on Widerstand gegen neue Mobilfunkmasten ist auch bei der Präsentation der IHK-Studie die Rede. Sie verzögern oftmals die ohnehin lang- wierigen Genehmigungsprozesse für neue Masten – für diese sind die Kommunen zuständig – und sind in Ängs- ten der Bevölkerung vor der Strahlung begründet. „Von den bisher vergebenen Frequenzbändern geht keine Gefahr aus“, betont André Olveira-lenz, der bei der IHK Südlicher Oberrhein den Geschäftsbereich Innovation und Umwelt leitet, und verweist auf wissenschaftliche erkenntnisse des Bundesamtes für Strahlenschutz. Für die noch nicht vergebenen Frequenzbänder sei aber noch weitere Forschung nötig. Bei der jüngsten Versteigerung der Mobilfunkfrequen- zen im Jahr 2019 hatten die Mobilfunkgesellschaften die Auflage erhalten, weitere Mobilfunkmasten zu er- richten. Bis in etwa einem Jahr, so die Pläne, soll die Menge der unterversorgten Gebiete in der Region und allen voran entlang der Schweizer Grenze zurückgehen (dann sollen die auf der Karte Seite 6 blau markierten Flecken Mobilfunkempfang haben). Bis 2024 müssen zudem alle Verkehrswege mit Mobilfunk versorgt sein. „Bis in drei Jahren gibt es deutliche Fortschritte“, sagt Sörries von WIK-Consult. „Aber nach unserer Prognose bleiben noch weiße Flecken.“ Und Jürgen Anders, Professor für Digitale Infrastruk- turen im ländlichen Raum an der Hochschule Furt- wangen, gibt zu bedenken: „Mobilfunkmasten werden »Fehlendes Netz beein­ trächtigt die Kommuni­ kation« Lucia Rehm Rehm Kies- und Beton- werk, lotstetten Bild: Daniel Berkmann - Adobe Stock, Montage: Keim Die Mobilfunkstudie und die Handreichung 5G für Firmen gibt es zum Download unter www. wirtschaft-im-suedwes- ten.de/downloads

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