Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Oktober'21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

51 10 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten ZAHLEN Verlässliche Zahlen darüber, wie vie- le Unternehmen in den Nachkriegs- jahren im Regierungsbezirk Freiburg gegründet wurden, gibt es nicht. Die IHK Südlicher Oberrhein hat 73 Un- ternehmen registriert, die im Jahr 1946 gegründet wurden, 52 aus dem Jahr 1947, 75 aus dem Jahr 1948 und 79 mit dem Gründungsjahr 1949. Die Zahlen aus dem IHK-Bezirk Schwarz- wald-Baar-Heuberg: 22 der Mitglie- der wurden 1946 gegründet, 1947 waren es 14, ein Jahr danach 31 und 1949 dann 23. Die Zahlen der IHK Hochrhein-Bodensee sind aus techni- schen Gründen nicht aussagekräftig. Über mehrere im Nachkriegsjahr 1946 gegründete Unternehmen be- richten wir auf den folgenden Seiten und auf Seite 80. mae 1948 folgte die Währungsunion, 1949 wurde die Bundesrepublik gegründet. Sind also in zwei beziehungsweise drei Jahren wieder besonders viele 75. Jubiläen zu erwarten? Sowohl 1948 als auch 1949 gab es einen größeren Boom. Vor allem nach der Gründung der Bundesrepublik und der Verabschiedung des Grundgesetzes 1949 kam ein großer Schwung an neuen Unternehmen dazu. In dem Jahr wurden zum Beispiel Adidas, Tchibo, der Otto-Versand und Liebherr-Maschinen gegründet. Das Jahr markierte nochmal mehr einen neuen Start. Wenn man 1946 und 1949 vergleicht, zeigt sich: Die Gründer aus dem Jahr 1946 brauchten noch mehr Mut und Risikobereitschaft, die 1949er fanden schon mehr Verlässlichkeit vor. Nicht nur Kriege, auch andere Krisen führen zu Aufbruchstimmungen, wenn sie über- standen sind. Rechnen Sie nach der Coronapandemie mit einer Gründungswelle? Man muss natürlich beachten, dass Corona manche Branchen stärker und manche schwächer trifft. Manches kann nachgeholt werden. Zum Beispiel kann ein Sofa, das man während der Krise lieber nicht angeschafft hat, später gekauft werden. Ein Gast- ronomiebesuch kann aber nicht nachgeholt werden. In solchen Branchen ist daher mit einer größeren Insolvenzwelle zu rechnen und dann zeitversetzt auch mit einer größeren Gründungswelle. Wenn jetzt Restaurants schließen, werden, wenn wieder Verlässlichkeit eintritt, andere an ihre Stelle treten. Aber auch hier bedarf es wieder unternehmerischen Mutes und Risikobereitschaft. Was sollten Gründer in diesen Zeiten beachten? Gründer müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen kennen und sowohl das Marktpotenzial als auch die Nachfrage richtig einschätzen. Das ist eine alte Mar- ketingweisheit. Jetzt und damit noch während der Co- ronapandemie ist es zum Beispiel eher riskant, einen neuen Gastronomiebetrieb aufzumachen. Es ist ja nicht klar, ob oder wie viele weitere Wellen oder Lockdowns kommen. Gründer müssen versuchen, die Zeichen der Zeit richtig vorherzusehen. Das ist das Entscheidende. Das gilt heute genauso wie in den Nachkriegsjahren. Interview: mae Bild: Adobe Stock

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