Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2021 REGIO REPORT IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg Als Experte für Veränderung und gelingen- den Wandel beschäftigen Sie sich im Mo- ment viel damit, was Unternehmen jetzt vermeiden oder besser richtig machen sollten, wenn es darum geht, neu durch- zustarten. Warum sollte ein Unternehmen überhaupt darüber nachdenken, das „Neu durchstarten“ aktiv zu gestalten? Geht es nicht einfach so weiter? Jörg Tausendfreund: Das wäre natürlich schön und bestimmt auch das, was sich alle, sowohl Mitarbeitende als auch Unter- nehmer, wünschen würden. Die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Viele Unternehmer machen gleichzeitig genau hier einen ent- scheidenden Denkfehler. Die Unternehmer waren die ganze Zeit vor Ort und am Ball. Die Mitarbeitenden hingegen waren viel- fach teilweise oder komplett in Kurzarbeit und haben in der Konsequenz den direkten Kontakt und Anschluss zu dem, was passiert, gar nicht halten können. Neustart bedeutet, dass in der ersten Zeit ganz viel in Schulung und Ausbildung, aber auch in die erneute Bildung des Teams investiert werden muss. Nichts ist fataler, als jetzt mit der Haltung „Versuch und Irrtum“ neu durchzustarten. Abläufe müssen neu vereinbart und eingeübt werden, wer gute Leistungen und hervorra- genden Service bieten will, muss das vorab tun und nicht am Kunden üben. Konflikte sind sonst vorprogrammiert, und die Kooperation leidet, anstatt besser zu werden. Wenn jetzt also ein Unternehmer be- schließt, in den Neustart zu investieren, dann muss das ja in der Realität sehr schnell gehen. Gibt es denn so etwas wie eine Checkliste oder Tipps, was unbedingt gemacht werden sollte? Nun ja, hier kollidieren zwei Dinge, die ir- gendwie gut zusammengeführt werden sollten. Auf der einen Seite geht es natür- lich darum, schnell wieder effektiv und leis- tungsfähig zu werden. Auf der anderen Seite braucht es gerade in dieser Phase ganz viel Menschlichkeit, ganz viel Kontakt und Ge- spräche. Im Prinzip können Unternehmer, wenn sie fünf Punkte beachten, direkt schon ganz viel richtig machen. Damit ein Team gut arbeiten kann, ist es wichtig, zu jeder Zeit klare Ziele zu haben. Damit ist gemeint, dass die Mitarbeitenden eine echte Orientierung dahingehend brauchen, was wichtig ist und was auf das Erreichen des Ziels einzahlt. Damit ist auch gemeint, dass sie ihre Hand- lungen darauf ausrichten können, das Ziel zu erreichen. Klare Aufgabenverteilung ist ebenfalls enorm wichtig. Es muss im Team klar sein, wer was macht. So können sich die Mitarbeitenden auf ihre Aufgabe einstellen und am Ende ist alles getan, was es für einen erstklassigen Service und eine gute Leistung braucht. Das bedeutet übrigens nicht, dass Mitdenken nicht mehr stattfinden soll. Es geht einfach darum, viel Klarheit zur eigenen, primären Aufgabe zu haben und zum Bei- ZUR PERSON Jörg Tausendfreund ist Experte, Innova- tor und Autor. Sein Fachgebiet ist das gelingende Gestalten von Wandel und digitaler Transformation für Unterneh- men und Organisationen. Tausendfreund zeigte in zwei IHK-Kompaktwebinaren betroffenen Betriebe auf, welche Vor- bereitungen zu treffen sind, um so schnell wie möglich wieder mit einem motivierten Team am Start zu sein und gemeinsam Leistung zu bringen. Im nachfolgenden Interview fasst Jörg Tau- sendfreund zusammen, auf was Inhaber, Geschäftsführer aus dem Einzelhandel, Gastgewerbe, Dienstleistungsbetriebe, Veranstalter und Freizeiteinrichtungen achten müssen, um ihre Mitarbeitenden wieder gut einsteigen zu lassen. » Es muss klar sein, wer was macht « Wenn die Kurzarbeit vorbei ist, wieder geöffnet werden kann und die Mitarbeitenden zurückkommen, dann stehen viele Unternehmer vor einigen Herausforderungen. So lange waren die Mitarbeiter noch nie weg, das Unternehmen noch nie so lange zu. Und auch wenn die gesamte Ausstattung noch vor Ort ist, braucht es für alle einen emotionalen und kooperativen Neustart. Jörg Tausendfreund über Betriebe nach dem Ende der Kurzarbeit

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