Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '21 - Hochrhein-Bodensee
21 9 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten Anlagenteile ohne Produkt. Sind Zeitschaltungen möglich? 4. Ist alles geschützt und gedämmt? Eine gute und vollständige Wärme- und Kältedäm- mung muss selbstverständlich sein. Gerade dabei können nachträglich kaum noch zusätzliche Dämm- schichten aufgebraucht werden. Zudem ist die Qua- lität des Dämmmaterials mit zu berücksichtigen. 5. Sind alle Anlagenteile zugänglich, und gibt es ein Ersatzteilkonzept? Servicefähigkeit und Reparaturfähigkeit erhöhen die Verfügbarkeit. Möglichst viele Standardteile (Anbie- terbreite und Verfügbarkeit beachten) und wenige Spezialteile. Jedes Sonderbauteil reduziert die Fle- xibilität in der Ersatzteilversorgung. Gleichzeitig er- höht es die Abhängigkeit von Lieferanten. Lassen Sie sich vor jeder Anschaffung von den Anbietern ein vergleichbares Ersatzteilpaket anbieten. Natürlich sollten auch die Servicekosten immer berücksichtigt werden. 6. Sind Gewährleistungen und Schnittstellen vorhan- den? Achten Sie auf langfristige Funktionsfähigkeit. Eine Einbindung in eigene Systeme sollte ohne Sonderanfertigung/-programmierung möglich sein. Machen Sie die Erfüllung von Garantien nicht von be- sonderen Erfüllungsoptionen wie Wartung in kurzen Intervallen von speziellem Personal abhängig. Die Funktionen von Technik, Beschaffung und Energie- versorgung sollten deshalb immer den gesamten Zu- sammenhang einer Investition berücksichtigen. Nicht jeder günstige Einkauf ist langfristig wirtschaftlicher und klimaeffizient. Es kann sinnvoller sein, zu Beginn etwas mehr Geld auszugeben, wenn dadurch das Budget bei der Wartung geringer bleibt und der CO 2 -Fußabdruck insgesamt möglichst klein ist. Zim »Klimaneutralität ist unser Ziel« Interview mit Joachim Gerteis Manager Environmental Affairs and Occupational Safety bei dem Automobilzulieferer ARaymond Welche Rolle spielen Energieeffizienz und Klimaschutz bei ARaymond? Joachim Gerteis: Den Umwelt- und Klimaschutz verfolgen wir schon seit Jahrzehnten in unserem Unternehmen. Wir haben schon früh ein Umweltmanagement eingeführt. Dabei geht es um die Umweltverträglichkeit von Produkten und Prozessen einer- seits sowie die Verhaltensweisen der Mitarbei- ter andererseits. 2012 haben wir beschlossen, zusätzlich ein Energiemanagement einzuführen. Mit über 300 Messstellen können wir sehr genau und minutiös die Energienutzung beobachten und den einzelnen Abteilungen genaue Anga- ben zum Energieverbrauch geben. Dabei geben wir den Verbrauch auch in Euro an, damit die Kolleginnen und Kollegen sich den Verbrauch besser vorstellen können. Das Monitoring dient natürlich auch dazu, den Energieverbrauch im- mer weiter zu senken. Was machen Sie genau, um den Energiever- brauch zu senken? Wenn wir erkennen, dass eine Maschine zu viel Energie verbraucht, denken wir über Ersatz nach. Bei Neuinvestitionen, egal ob Kühlmaschinen, Pumpen oder Spritzgussmaschinen, achten wir darauf, dass die Verbrauchswerte sehr gut sind. Das Angebot an energieopti- mierten Maschinen wird auch immer besser. Es gibt mittlerweile Spritzgussmaschinen, die voll elektrisch und nicht hydraulisch sind. Auch vor Ort tüfteln wir an der Produktion, zum Beispiel ob Temperatursprünge bei der Härtung sein müssen oder ob es doch konstanter geht. Es geht aber bei allem auch darum, die einzelnen Mitarbeiter zum Mitmachen zu motivieren. Jeder soll sich Gedanken machen, auch wenn es nur darum geht, das Licht auszumachen oder richtig zu lüften. Selbstverständlich schulen wir unsere Belegschaft, das Thema Energieeffizienz stets mit- zudenken. Darüber hinaus nutzen wir die Abwärme in der Produktion zum Beispiel zur Beheizung der Duschen in den Sanitäranlagen. Bei größeren Anlagen nutzen wir Sprinklertanks als Wärmepuffer. Für den Pendelverkehr zwischen den Standor- ten Weil und Lörrach haben wir Elektroau- tos angeschafft, die an Tankstellen auf dem Werksgelände geladen werden. In Lörrach planen wir außerdem gerade, die ganze Flä- che komplett neu zu bebauen. Wir möchten dann auf das Grundwasser zurückgreifen und damit heizen. Der Standort wird dann CO 2 -neutral sein. Ist ARaymond für die Zukunft gut auf- gestellt? Wir stehen vor zwei Herausforderungen: der Mobilitätswende und dem Klimaschutz. Unser Weg geht nur in eine Richtung: Kli- maneutralität. Das wird von uns erwartet und verlangt. Zum einen vom Gesetzgeber, zum anderen von unseren Kunden, den gro- ßen Autoherstellern. Die möchten bis 2030 klimaneutral sein, das heißt, wir als Lieferant müssen das dann auch. Wir sind gut aufgestellt, weil das Thema für uns nicht neu ist. Aber es bleibt eine große Kraftanstrengung, weil wir auch wettbewerbsfähig bleiben müssen. Wir hoffen, dass die Anstrengungen irgendwann ein Wettbewerbsvorteil sein werden, bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Es bedarf weiterer Innovationen, die uns helfen, CO 2 -neutral zu werden. Eine wichtige Rolle wird der Wasserstoff spielen. Interview: hw Joachim Gerteis Michael Zierer 07622 3907-214 michael.zierer@ konstanz.ihk.de
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