Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe September '21 - Hochrhein-Bodensee
20 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 9 | 2021 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee V iele Maschinen, Anlagen und Geräte in Betrieben werden heute überwiegend nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten angeschafft. Eine Vorgabe ist dabei in vielen Unternehmensrichtlinien entscheidend: Eine Investition soll sich in möglichst kurzer Zeit amor- tisieren, innerhalb von zwei bis fünf Jahren, am besten weit unter den üblichen Abschreibungssätzen. Selten wird die Investition unter den Aspekten Energieeffizienz oder Klimaschutz bewertet. Genauso wenig werden die wahren Lebenszykluskosten einer Maschine betrachtet oder künf- tige Energiepreissteigerungen eingerechnet. Dabei muss klar sein, dass jede Investition, die heute getätigt wird, lange im Unternehmen bleibt, manchmal sogar mehrere Jahrzehnte. Viele Anlagen und Geräte werden deutlich über die geplanten Nutzungszeiten hinaus verwendet. In nahezu allen Unternehmen stehen Maschinen, die 15 Jahre oder länger im Einsatz sind. Somit lohnt sich langfristig die Betrachtung der Klimarelevanz bei jeder Investition. Bekannt ist, dass die Kosten für Ressourcen und Energie steigen werden und das Verursachen von CO 2 teurer wird. Anschaffungen, die dies nicht berücksichtigen, können in der Zukunft ein Nachteil sein und zusätzliche Kosten verursachen, die wiederum einen Wettbewerbsnach- teil darstellen. Gesetzliche Regelungen, Auflagen oder Grenzwerte werden den Druck weiter erhöhen. Zudem ist es ungewiss, wie Verbraucher, Kunden und Märkte reagieren werden. Möglicherweise lassen sich Produk- te nur noch erfolgreich vermarkten und absetzen, wenn der CO 2 -Fußabdruck von Gütern oder Prozessen klein ist oder gegen Null geht. Ohne ein „Green Labeling“ wird die Wettbewerbsfähigkeit vermutlich leiden und der Absatz ausbleiben. Das Berücksichtigen von klimarelevanten Da- ten bei jeder Anschaffung sollte deshalb zum Standard in der Beschaffungsstrategie werden. Neben den reinen wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie günstiger Preis oder schnelle Abschreibung sollten aber auch die Prozess-, Energie-, Nachhaltigkeits- und Wartungskosten in Zukunft Entscheidungskriterien sein. Hinterfragen Sie jede Investition mit einem Sechs-Fra- gen-Schnellcheck: 1. Welche Energieversorgung benötigt die Anschaffung oder Produktentwicklung? Erfassen Sie alle Energieträger (Strom, Wärme, Kälte, Druckluft, Ab- und Zuluft) und die geforderte Menge und Qualität der Energieversorgung (zum Beispiel Leistungen, Dauerbetrieb, Reinheit). Streben Sie eine Mehrfachnutzung von Energie (Kaskaden, Kraft-Wär- me-Kälte-Kopplung) an. 2. Sind effiziente Bauteile angeboten worden? Vergleichen Sie nur Angebote mit gleichwertigen Ef- fizienzklassen (zum Beispiel Motoren, Sensoren, An- zeige- und Auslesewerte, Regelbarkeit, Abschaltein- richtungen) über alle Bauteile. Akzeptieren Sie keine Angebote, in denen unterschiedlich effiziente Bauteile im Wettbewerb stehen. Fordern Sie dabei immer mög- lichst effiziente Bauteile nach dem aktuellen „Stand der Technik“ ein. 3. Können nicht benötigte Funktionen abgeschaltet wer- den? Viele Maschinen und Geräte verbrauchen im Stand- by-Modus Energie. Bestehen Sie auf vollständigen Ausschaltungen und erlauben Sie keine laufenden Bild: ARaymond/Juri Junkow In den ersten beiden Teilen der Artikelserie „Klimaschutz im Unternehmen“ ging es um das Erkennen von Effizienzpotenzialen im Betrieb und um konkrete Strategien für Einspa- rungen. Im Fokus der dritten und letzten Folge steht die Investitionsplanung. Serie: Klimaschutz im Unternehmen (3/3) Effiziente Investitionsplanung CO 2 -Fußabdruck Mit dem CO 2 -Rechner (www.klimaktiv.de/de/299/unternehmen.html) für Un- ternehmen werden auf transparenteWeise alle unmittelbar und mittelbar ver- ursachten Emissionen entsprechend dem Greenhouse-Gas-Protocol (Scope 1, Scope 2 und Scope 3) sowie der ISO Norm 14064-1 erfasst, bilanziert und dokumentiert. Somit kommen Sie in wenigen Schritten zum Corporate Car- bon Footprint (CCF) Ihres Unternehmens inklusive CO 2 -Bericht und erhalten Kennzahlen für Ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das Ecocockpit (www.mittelstand-energiewende.de/servicestelle/projekte/ co2-fussabdruck.html) ist die kostenfreie Lösung zur Ermittlung des CO 2 - Fußabdruckes. Erstellen Sie mit dem Ecocockpit in wenigen Schritten die CO 2 - Bilanz Ihres Unternehmens (CCF) und Ihrer Produkte (PCF). Identifizieren Sie unkompliziert und praxisnah Ihre CO 2 -Treiber im Unternehmen und leiten Sie Maßnahmen zur Reduzierung ab (siehe auch Seite 58). Kunststofffertigung bei dem Auto mobilzulieferer ARaymond in Weil.
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