Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 -Südlicher Oberrhein

21 7+8 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten I n Deutschland ist es nicht unüblich, dass Regional- züge von anderen Unternehmen betrieben werden als von der Deutschen Bahn. In Frankreich hat weiter- hin die SNCF das Sagen, doch auch hier bewegt sich etwas. Die Region Grand Est beispielsweise hat keine andere Wahl mehr, wenn es um funktionierende Ver- bindungen geht - auch an der deutsch-französischen Grenze: „Der französische Staat hat viel zu wenig in diese Strecken investiert, von denen einige das ehr- geizige Projekt der Stärkung grenzüberschreitender Verbindungen nach Deutschland unterstützen“, be- dauert Evelyne Isinger, die Delegierte für grenzüber- schreitenden Verkehr der Region Grand Est. Ab 2024 soll es neue Direktverbindungen geben. Die Region Grand Est und Baden-Württemberg investie- ren in Eisenbahnfahrzeuge, die sich für beide Länder eignen: 375 Millionen Euro für 30 Coradia-Polyvalent- Züge von Alstom. Aber bleiben sie in den Händen der alteingesessenen Unternehmen? 2021 ist eine euro- päische Ausschreibung für den Betrieb der Strecken geplant, 2022 eine weitere für die Verwaltung bestimm- ter Teilabschnitte. Andere Projekte werden noch geprüft wie die Verbin- dung Saarbrücken-Hagenau-Karlsruhe, die ein Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2018 als eines der „fehlenden Kettenglieder“ hervorgehoben hat. Im Fernverkehr kann Straßburg auf die angekündigte Rückkehr des Nachtzuges zwischen Paris und Wien hof- fen. Außerdem wird eine Direktverbindung zum Frank- furter Flughafen geprüft. Dieser letzte Punkt war zwar im Dreijahresvertrag „Straßburg, europäische Hauptstadt“ enthalten, erfordert aber den Ausbau des Streckenab- schnitts zwischen Kehl und Appenweier, um Straßburg an die Hochgeschwindigkeitsstrecke des Rheintals an- zubinden. Dieses Vorhaben gibt es seit … 1992. Unternehmen in der Warteschleife Die Konstante der unzureichenden Investitionen gilt auch beim Frachtverkehr. Das Land Baden-Württem- berg gibt selbst zu, dass in den vergangenen Jahren zu wenig in die Infrastruktur investiert wurde. Für das Logistikunternehmen Rhenus, das die Strecken Col- mar-Saarbrücken, Lauterburg-Wörth und Straßburg- Kehl betreibt, bleiben die fehlenden Investitionen nicht ohne Folgen. „Auf dem nord-südlichen Korridor verur- sachen diese mangelnden Investitionen einen 30-pro- zentigen Kapazitätsverlust“, beklagt Sacha Honnert, Geschäftsführer von Rhenus Rail. Der Zug ist sicherer, schneller und umweltfreundli- cher als das Auto, dennoch ist sein Anteil am Ver- kehrsaufkommen immer noch gering (18 Prozent in Deutschland, 10 Prozent in Frankreich). Der Einsatz von Zügen auf beiden Seiten der Grenze ist aufgrund der unterschiedlichen Sicherheits- und Versicherungs- standards mit enormen Investitionen verbunden. Für den Betrieb in Frankreich setzt Rhenus Rail darauf, mit einem französischen Betreiber zusammenzuarbeiten: „Ohne europäische Harmonisierung sehe ich nicht, wie die Lage sich verändern würde. In diesem Kontext ist es viel sinnvoller, eine gute Partnerschaft mit einem französischen Partner abzuschließen”, so Honnert. Pierre Pauma Übersetzung: Nana Häusler Obwohl der Schienenverkehr im Jahr 2020 zurückging, sollen neue Investitionen Deutschland und Frankreich einander näherbringen. Im Frachtbereich entstehen neue Unternehmen neben den etablierten Betreibern, die nach wie vor dominieren. Übersicht über grenzüberschreiten- de Streckenprojekte in ihren verschiede- nen Umsetzungs- stufen. Saarbrücken 2021 2028 2024 2024 2023 (BRT) 2024 2024 2024-2025 Neustadt Flughafen Frankfurt Main Wissembourg Karlsruhe München/ Wien Strasbourg Colmar Breisach am Rhein Mulhouse EuroAirport Müllheim Basel Freiburg O enburg Wörth Lauterbourg PARIS Rastatt Sarreguemines Haguenau Neue Verbindung Andere Linien Höhere Frequenz / Instandhaltung der Strecken Schaffung einer direkten Verbindung aus zwei bestehenden Linien Zu studierende Projekte (Jahr) Voraussichtliche Fertigstellung 2021 Die WiS arbeitet mit der elsässischen IHK-Zeitschrift „Point éco“ und dem Wirt- schaftsmagazin „Wima“ der IHK Karlsruhe zusammen und veröffentlicht gemein- same Beiträge wie diesen. Bild: Citeasen Grenzüberschreitender Zugverkehr Multinationale Großbaustellen

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