Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 -Schwarzwald-Baar-Heuberg

15 7+8 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten A+M: ABDA UND MICHAEL HITZ Als zu Beginn der Coronapandemie Schutzmasken hierzu- lande Mangelware waren, wurden Abda Hitz (35) und ihr Mann Michael Hitz (40) aktiv. Die Textilingenieurin und der Wirtschaftsingenieur fanden es unverständlich, dass ein so hoch entwickeltes Land wie Deutschland vom Ausland abhängig ist und nicht selbst Schutzmasken pro- duziert. Im April 2020 beteiligten sie sich – mit Erfolg – an einer Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeri- ums für medizinische Gesichtsmasken und gründeten in Schopfheim die A+M GmbH . Seit August 2020 produ- zieren sie in den Räumen einer ehemaligen Sockenfabrik, in die sie einen Reinraum einbauten, Alltags-, OP- und FFP2-Masken. Inzwischen auf vier Anlagen mit zwanzig Mitarbeitern in zwei Schichten. Anfangs boomte das Ge- schäft geradezu. Das hat sich in den vergangenen Mo- naten jedoch geändert: „Die Situation ist sehr schwierig geworden, da Billigmasken aus China die Preise stark drü- cken und kein deutscher Maskenhersteller aufgrund der höheren Fertigungskosten mithalten kann“, berichtet Ab- da Hitz. Auch öffentliche Aufträge würden nur nach dem Preis vergeben. Um davon weniger abhängig und auch für die Zeit nach Corona gerüstet zu sein, haben die Gründer, die zuvor als Assistentin der Geschäftsführung bei einem Textilunternehmen beziehungsweise als Prokurist bei ei- nem japanischen Messtechnikgerätehersteller gearbeitet hatten, ihr Portfolio erweitert. Über ihren Onlineshop ver- treiben sie nun beispielsweise auch Antigenschnell- und -selbsttests, Luftreiniger sowie Schutzbekleidung. mae AVOTAC „Hätte ich die Idee ein Jahr früher gehabt.“ Das dachte sich Peter Bürkle fast jeden Tag im vergangenen Frühjahr, als das Coronavirus die Welt erstmals lahmlegte. Der 41-Jäh- rige bastelte da nämlich an einer Lösung für manch ein Hygieneproblem: ein wiederverwendbarer Handschuh, der Kontakte vermeiden und so Schmierinfektionen verhindern soll. Allein: Die Entwicklung brauchte Zeit. Bürkle, studierter Sozialpädagoge und damals viel reisender Personalberater, hatte im Herbst 2019 gemeinsam mit seiner Frau Franziska Bürkle , einer Ärztin, beschlossen, solch einen Handschuh für all jene Fälle zu entwickeln, in denen man sich nicht die Hände waschen kann, nachdem man Türklinken, Einkaufs- wagen oder Automatenbildschirme berührt hat. Im Frühjahr 2020 gründete er dafür Avotac. Der Name steht für „Avoid Contact“, also Kontakt vermeiden. Der Handschuhprototyp entstand am Küchentisch, um ihn zur Serienreife zu bringen und zu produzieren, suchte Bürkle Partner. Mithilfe eines vom Land finanzierten Gründerberaters kam der Kontakt zumWäschehersteller Conta in Albstadt zustande. Der hatte schon zuvor mit Start-ups zusammengearbeitet und konn- te Bürkle bei der finalen Entwicklung samt antimikrobieller Beschichtung unterstützen. Man einigte sich auf eine Min- destbestellmenge, und seit diesem Frühjahr ist der Baum- wollhandschuh mit Verstau-Manschette auf dem Markt. Der Vertrieb läuft bislang über den eigenenWebshop und einige Apotheken. Bürkle kann sich auch ein B2B-Geschäft vorstel- len, ihn für Firmen nach deren Wunsch zu gestalten. Und er wäre bereit, mit einem Investor oder Business-Angel zu kooperieren. Die bisherigen Investitionen von rund 20.000 Euro hat er weitestgehend privat finanziert. kat

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