Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 - Hochrhein-Bodensee

23 7+8 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten ANZEIGE Branche allerdings erst für das kommende Jahr. „Mehr noch als die Gästefrage stellt sich den typischen Gast- gewerbsanbietern gerade eine andere: Wo bekomme ich für 2021 noch Fachkräftepersonal her?“ Insgesamt ist die Stimmung laut Wilkesmann in nahezu allen Bereichen sehr gut, sogar besser als noch vor sechs Monaten gedacht. „Besonders der Binnentourismus profitiert“, sagt der Konstanzer Unternehmer. „Fernreisen wird es auch weiter- hin geben, aber viele Menschen haben gemerkt, dass Deutsch- land doch auch ganz schön ist. Verstärkt wird die Binnennach- frage durch das Thema Micro- adventure. Einfach mal für zwei Tage raus – dieser Trend hat sich durch Corona beschleunigt.“ Bettina Kornmayer, Heikorn Kleidung GmbH, Singen „Ich denke, die enorme Erleichterung ist jedem anzu- merken, doch eine gewisse Unsicherheit bleibt beste- hen, was ist mit der nächsten Herbstsaison? Kommt nochmal ein Lockdown?“, sagt Bettina Kornmayer von Heikorn Kleidung aus Singen. Der lange Lockdown steckt der Unternehmerin immer noch in den Knochen. Über viele Monate kreisten ihre Gedanken zwischen Wut und Verzweiflung und immer um die Frage, wie sie die weiteren Kosten bedienen kann: Gehälter, Sozial- versicherungen, Finanzamt und die Miete. Aber auch darum, wie und womit sie ihre Kunden abholt, um neue Mode zu zeigen und zu verkaufen. Jetzt kann die Singenerin wieder ihre Kunden bedie- nen. Doch der Start musste gut geplant werden. „Un- sere Vorbereitungen lagen zuerst in der Umsetzung der jeweiligen Hygieneauflagen und der Planung der Mitarbeiter. Man wusste ja nicht, wie viel los sein wird. Außerdem haben wir viel Zeit verbracht mit der Verteilung von der aufgestauten Ware. Es musste ein Ausgleich zwischen neuer Ware und noch reduzier- ter Ware vom Januar und Februar erarbeitet werden.“ Dennoch blickt Bettina Kornmayer positiv nach vor- ne. „Wenn wir vom Staat die versprochenen Hilfen erhalten, bin ich recht zuversichtlich für das restliche Jahr. Die Umsätze ziehen erfreulicherweise sehr gut an, die Frühjahrs- und Sommermode wird also sicher gut verkauft werden. Wir haben geplant, bis in den Juli hinein regulär die Sommerware zu verkaufen, da wir für den Herbst erst ab August geordert haben, somit haben wir Zeit. Dem Herbst und Winter sehe ich auch positiv entgegen, vorausgesetzt, es gibt keine neuen Einschränkungen!“ Carolin Engel, Werkstatt für Hüte und Mützen, Radolfzell Dankbar und erleichtert ist Carolin Engel aus Radolfzell, dass ihr Geschäft nach Monaten des Lock- downs wieder geöffnet ist. „Es sieht tatsächlich so aus, als ob sich die Coronalage langsam entspannt. Darüber bin ich sehr froh und hoffe, dass wir auch die längerfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie gut verdauen werden.“ Wenn sie zurück- blickt, dann spricht die Unternehmerin von einem gro- ßen Auf und Ab mit vielen schlaflosen Nächten. „Als Einzelhändler sind wir allerdings von Natur aus Opti- misten und daran gewöhnt, uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen.“ Die Zeit im Lockdown hat die Radolfzellerin genutzt, um Dinge zu erledigen, für die sie sonst keine Zeit hatte. „Meine Werkstatt- arbeit ging gut voran, und es entstanden mehrere Gruppen ganz neuer Hüte und Mützen mit frischen Ideen und viel Muße. Ich bin erleichtert, dass die Menschen jetzt ganz bewusst wieder im Einzelhandel kaufen und der Wert der Fachgeschäfte im Lockdown deutlich wurde: Beratung, Freund- lichkeit, Individualität und fachliche Kompetenz. Vieles ist in dieser Zeit schärfer sichtbar geworden.“ Caro- lin Engel sagt, dass das Schlimmste hoffentlich überstanden ist und mit der fortschreitenden Impfkampagne auch eine langfristige Entspannung kommt. „Wir alle sind relevant für unser wirtschaftliches System.“ hw Carolin Engel Bettina Kornmayer

RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ2MDE5