Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juli/August '21 - Hochrhein-Bodensee

10 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 7+8 | 2021 TITEL »Wir sehen unsere Sponso- ringpartner als Multiplikatoren für Nachhaltig- keit« Ulrich Lössl Bad Dürrheimer Mineral- brunnen, Bad Dürrheim D ie Bad Dürrheimer Mineralbrunnen GmbH & Co. KG fällt eindeutig in diese Kategorie. Geschäftsführer Ulrich Lössl weiß, dass eine intakte Natur zentral für sein Unternehmen ist: „Das ist unsere Existenzgrundlage, die müssen wir lang- fristig erhalten.“ Deshalb lässt er seine Marke bio- zertifizieren. Aber kann Mineralwasser überhaupt bio sein? Schließlich ist es qua Definition naturbelassen. Oder anders gefragt: Gibt es Mineralwasser, das nicht bio ist? Die EU verleiht ihr Biosiegel bislang nicht an Mineralbrunnen. Die Qualitätsgemeinschaft Biomi- neralwasser, der alle Bioverbände angehören, vergibt dagegen ein privatrechtliches Biosiegel an Mineral- brunnen, wenn diese ein aufwendiges Zertifizierungs- verfahren absolviert haben. Dabei geht es nicht nur um die besondere Reinheit des Mineralwassers, sondern auch um deren langfristige Erhaltung und um eine soziale Komponente, einen wertschätzenden Umgang mit allen Menschen. Lediglich 12 der 200 deutschen Mineralbrunnen tragen dieses Biosiegel, darunter Bad Dürrheimer. Rund 150 zusätzliche Parameter lassen die Biomineralbrunnen ständig analysieren, um ihre Reinheit zu belegen. Das hat auch den Bundesge- richtshof überzeugt, der die Zulässigkeit des Siegels 2012 bestätigte. Umweltschutz wird bei Bad Dürrheimer von vielen Seiten angepackt: etwa mit sparsamem Ressourcen- umgang, dem Bezug von Ökostrom, der Entscheidung, klimaneutral zu produzieren und zwar im strengen Sinne („Scope 3“) oder der Umstellung auf komplett recycelte PET-Flaschen. Nachhaltig wird das ökologi- sche Engagement nach Lössls Auffassung allerdings erst im Zusammenspiel mit Sozialem und Wirtschaft. Dass die Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser genau diese drei Handlungsfelder vorschreibt, hat ihm die Überzeugungsarbeit im Unternehmen erleich- tert. „Es gab anfangs auch viel Skepsis“, berichtet er. Um alle „mitzunehmen“, wie er sagt, hat Lössl die ökologischen auch zu sozialen Projekten gemacht. So unterstützt Bad Dürrheimer beispielsweise die Initiative Baar-Food, die sich für ökologische und solidarische Landwirtschaft auf der Baar einsetzt, nicht nur finanziell, sondern auch tatkräftig. Etliche der 140 Mitarbeiter packen auf dem Gemüseacker mit an und bekommen dabei einen neuen Bezug zu ihrer Heimat und zur Natur. Mitnehmen will Lössl auch die einheimische Bevölkerung, bei der er für Boden- und Wasserschutz sowie Artenvielfalt wirbt. Bei dem von seinem Mineralbrunnen initiierten Pro- jekt „Bad Dürrheim blüht auf“ gibt es beispielsweise Samen für Blühwiesen oder -streifen. So ist ein en- gagiertes Netzwerk aus Bauern, Bürgern, Umweltex- perten zusammengewachsen. „Das ist mittlerweile ein Selbstläufer, da müssen wir gar nicht mehr viel machen“, sagt Lössl. Er kann sich deshalb wieder um neue Projekte kümmern – zum Beispiel die Schorle „Streuobst Schätzle“, die den Erhalt von ökologisch wertvollen Obstwiesen unterstützt oder den „Green Event Guide“. Wer sich von Bad Dürrheimer sponsern lassen will, soll seine Veranstaltung umweltfreund- lich organisieren „Wir versuchen in die Sponsorings möglichst viel Nachhaltigkeit zu bringen und unsere Partner als Multiplikatoren zu sehen“, erklärt Lössl. Er schätzt den Mehraufwand, den sein Unternehmen insgesamt in Sachen Nachhaltigkeit betreibt, auf ei- nen „gut sechsstelligen Betrag“. Lössl ist überzeugt, dass sich dieses Engagement nicht nur für die Natur, sondern auch für den langfristigen Unternehmenser- folg auszahlt. Denn damit könne sich Bad Dürrheimer deutlich und glaubhaft von der Konkurrenz abheben. Seit einigen Jahren sinkt der Mineralwasserabsatz in Deutschland. Bad Dürrheimer verzeichnet zwar auch leichte Verluste. Die sind laut Lössl aber deutlich geringer als bei vielen Mitbewerbern. Der Absatz liegt ziemlich konstant bei circa 120 Millionen Flaschen oder knapp einer Million Hektoliter jährlich. Hier rech- net sich Nachhaltigkeit also. Kathrin Ermert MEHR ZUM THEMA Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg startet zusammen mit dem Land das Projekt „Klimafit“, um vor allem kleinen und mittelständischen Unterneh- men den Einstieg in die Themen Klimaschutz und Energieeffizi- enz zu erleichtern. Das Projekt ist kostenpflichtig, kann aber bezuschusst werden. Es läuft über mehrere Monate und beinhaltet diverse Workshops. Klimafit soll im Herbst starten. Noch sind Plätze frei. www.schwarzwald-baar-heuberg.ihk.de ( 5039426) Die IHK Südlicher Oberrhein will mit ihrem Pro- jekt „Zielgerade 2030“ Firmen für den Klima- schutz begeistern. Sie bietet Dienstleistungen wie CO 2 -Bilanzierung und Maßnahmenpläne zur Klimaneutralität an. Der Preis richtet sich nach der Unternehmensgröße. Zugleich sollen Best- Practice-Beispiele für Nachhaltigkeit werben. www.zielgerade2030.de Die IHK Hochrhein-Bodensee lädt zu zwei On- lineseminaren ein:Am 21. September (13.30 -17 Uhr) geht es um „Klimaschutzgesetz & IEKK“ und am 23. September (13.30-17 Uhr) um „Ein- sparpotenziale im Unternehmen“ www.konstanz.ihk.de ( 143151321 bzw. 143151324) IHK-Ansprechpartner Michael Zierer 07622 3907-214 michael.zierer@ konstanz.ihk.de Marcel Trogisch 07721 922-170 trogisch@vs.ihk.de Jil Munga 0761 3858- 263 jil.munga@ freiburg.ihk.de Ausführliche Interviews mit den IHK-Experten unter www.wirtschaft- im-suedwesten. de/2021/07/01/nach- haltigkeit/

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