Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'21 -Südlicher Oberrhein

24 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2021 REGIO REPORT IHK Südlicher Oberrhein Digitaler IHK-Ausbildertag Kollektive Intelligenz D er Grundgedanke des Veranstaltungsformats Barcamp – „Wer etwas zu sagen hat, sagt es; wer mitdiskutieren will, diskutiert mit.“ – funk- tioniert in Coronazeiten auch online. Denn gerade im Moment, unter den erschwerten Bedingungen bei der Ausbildung, ist der Austausch so wichtig, da viele Aus- bilder mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Wenn es beispielsweise darum geht, den Nachwuchs fit für die Prüfung zu machen, stellten mehrere Perso- nalverantwortliche fest, dass das Homeschooling nicht immer optimal verläuft. Wissen werde oft nicht so ver- mittelt, wie es sein sollte. „Wird das in den Berufsschu- len überhaupt wahrgenommen?“, war eine Frage aus der Runde. „Bei manchen Azubis bin ich guter Dinge, dass sie trotz der Umstände die Prüfung gut schaffen werden“, berichtete ein Ausbilder aus der Gastrono- mie. „Aber ich kann nicht in die Köpfe hineinschauen. Sind alle ehrlich und trauen sich, mich um Hilfe zu bitten, wenn sie sie brauchen?“ Anette Stetter, IHK- Ausbildungsberaterin für Hotel- und Gaststättenberufe, informierte über die Möglichkeit, die Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern: „Rechtlich ist es außerdem so, dass der Azubi bei mehr als zehn Prozent Fehlzeit nicht zur Prüfung zugelassen wird.“ In der Session „Vom Rohdiamanten zur Fachkraft – Auszubildende mit Autismus“ gab Alexandra Holler von der Paulinenpflege Winnenden und Expertin für die barrierefreie Ausbildungsbegleitung, Tipps, wie Ausbilder mit diesem Personenkreis umgehen soll- ten. „Vermeidet Ironie und Sarkasmus. Und bedenkt, dass Autisten nur ein eingeschränktes Einfühlungsver- mögen haben, da sie soziale Kompetenzen lediglich erlernt haben.“ Sie betonte aber auch die Stärken: „Autisten lassen sich weniger ablenken.“ Die Frage aus der Runde, wie der Ausbilder auf einen Azubi zugeht, von dem er glaubt, dass er autistisch ist, beantwortete IHK-Ausbildungsbegleiter Markus Keßner: „Ausbilder sollten keine psychologischen oder medizinischen Rat- schläge geben. Außerdem können und sollten sie keine Therapie, weder Psychotherapie noch Medikation, von auffälligen Auszubildenden verlangen. Droht ein Schei- tern der Ausbildung, sollten sie mit dem Azubi und eventuell auch mit seinen Eltern besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, um den Abschluss zu erreichen. Dabei sollten sie dem Azubi nahelegen zu überprüfen, was er selbst noch machen kann.“ Wichtige Informationen für Betriebe, die junge Leute mit Migrations- oder Fluchthintergrund beschäftigen oder einstellen möchten, kamen von Anna Uhl vom Institut für deutsche Sprache Offenburg. Sie erklärte unter anderem den Aufbau von Integrationskursen, die an mehreren Abenden pro Woche laufen. „Das ist schon eine Belastung“, sagte die Fachfrau. Mit zwölf Als digitales Barcamp hat die IHK Süd- licher Oberrhein Mitte April den dritten Ausbildertag organisiert. Rund 120 Per- sonal- und Ausbildungsverantwortliche nutzten die Möglichkeiten der offenen Workshops, um die Themen einzubringen, die ihnen ein persönliches Anliegen sind. IHK-Mitarbeiterin Susanne Stuckmann moderierte den virtuellen Ausbildertag aus den Räumen der IHK in Freiburg. In einer Session des Ausbildertages ging es um die Begleitung von Auszubildenden mit Autismus. Bilder: IHK Südlicher Oberrhein, Natalie Butz »Ganz wichtig ist aktuell Mund-zu- Mund- Propaganda.« Teilnehmer des Ausbildertags zur Frage, wie Betriebe aktuell Azubis gewinnen.

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