Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'21 -Südlicher Oberrhein

TITEL Die Innenstadt der Zukunft ruht auf vielen Schultern: Rathäuser, Citymanager: Sie werden weiter Dreh- und Angelpunkt und Möglichmacher der Innenstadtentwicklung sein. Mit weiteren Part- nern am Tisch wandelt sich ihre Rolle, stärker hin zu Netzwerkkoordinatoren. Wirtschaftsverbände, Handels-/Gewerbever- eine: Sie waren bislang ein starker Partner und Treiber – und werden es bleiben. Einzelhändler: Die Klassiker einer Innenstadt. Sie werden ein wichtiger Player sein, aber nicht mehr der einzige. Gastronomen, Hotellerie: Sie saßen ohnehin schon oft mit am Planungstisch. Ihre Rolle beim „Erlebnis Innenstadt“ wird wichtiger, denn Be- sucher kommen nicht mehr nur zum Shoppen. Tourismusverantwortliche: Auch Touristen bringen Leben in die Innenstädte zurück. Ge- meinsame Ansätze ermöglichen Konzepte aus einem Guss. Kunst- und Kulturbetriebe: Stichwort Aufent- haltsqualität. Kunst und Kultur lässt Menschen verweilen. Zudem bieten sich hier möglicher- weise alternative Umnutzungsmöglichkeiten für Leerstände. Dienstleister, Handwerk: Menschen wollen vieles an einem Ort erledigen können. Dazu gehören auch Arztbesuche & Co. Handwerk kann, wenn es sich sinnvoll integrieren lässt, Leerstände füllen helfen. Immobilienbesitzer/-vermieter: Schon, weil es künftig verstärkt um Leerstandsvermeidung, schlaue Nachnutzungskonzepte und optische Stadtgestaltung geht, wären sie wichtige Part- ner im Boot. Auch Wohnen könnte wieder im Zentrum etabliert werden. Arbeitgeber: Nur wer auch mit einer attrakti- ven Innenstadt punkten kann, bekommt Mitar- beiter von außerhalb angeworben. Bürger aus allen Generationen: Da der Fokus künftig stark darauf liegt, Aufenthaltsqualität zu schaffen, ist es sinnvoll, die Nutzer gleich mit in den Kreativprozess einzubinden. Das bringt Ideen, helfende Hände und schafft In- dentifikation. Externe Berater: Gerade Kommunen, die kei- nen eigenen Innenstadtmanager haben, könn- ten Hilfe von außen gebrauchen. Ideen gibt es meist genug. An Kapazitäten zur Umsetzung hapert es aber oft. Innenstadt – seien es Händler und Gastronomen wie auch Arbeitgeber und Bürger. Also müssen wir uns auch alle gemeinsam darum kümmern.“ Ähnlich dringend sieht das Nikola Kögel: „Es ist doch klar, dass wenn die Innenstadt nicht mehr rund läuft, auch vieles andere nicht mehr funktioniert. Das müssen wir den Menschen noch mehr klar machen.“ Neue Denkansätze für die Innenstadt der Zukunft Dass es dafür extra Anstrengungen bedarf, unterstreicht Peter Markert. Natürlich hätten sich Stadtzentren in den Jahrhunderten zuvor immer wieder in Eigenregie gewandelt: „Innenstadt kennt Krise und kann Krise. Aber selten ging die Veränderung der Rahmenbedingungen so schnell.“ Stadtkümmerer täten deshalb jetzt gut da- ran, Notfallprogramme zur Stabilisierung zu starten und auch schon Post-Coronakonzepte anzugehen. „Wenn du gesund bist und erkrankst, stehst du das besser durch, als wenn du mit Vorerkrankungen startest. Das gilt auch für Innenstädte.“ Die Crux: Es gibt kein Rezept, das allen Kommunen glei- chermaßen hilft. Es braucht eine sehr individuelle Analyse, wo der Schuh am ehesten drückt. „Wir haben in Schram- berg zum Beispiel viel inhabergeführten Einzelhandel“, er- klärt Manuela Klausmann. „Da ist Nachfolge ein größeres Thema, als wenn Sie ein Zentrum mit lauter Filialisten ha- ben. Da die Händler einen engen Kontakt zu ihren Kunden pflegen und mit individueller Beratung punkten, ist aber die Käuferbindung viel stärker. Dies ist wiederum ein großer Vorteil gegenüber dem Onlinehandel.“ So unterschiedlich ausgeprägt die Probleme, so ver- schieden werden auch die Maßnahmenpakete ausfallen müssen. Trotzdem gibt es Ansätze, die sich eher bewährt hätten als andere, erklärt Imakomm-Chef Markert. Vier Themenkreise hat seine Analyse erfolgreicher Innen- stadtkonzepte im vergangenen Jahr ergeben: > Das Problem anders angehen. „Wir müssen von der Denke wegkommen, dass Handel zwingend das Zugpferd sein muss“, sagt dazu IHK-Innenstadtberater Thomas 68% der Kommunen erwarten, dass Leerstands- und Umnutzungsmanagement wichtiger wird. Imakomm Akademie, Aalen. Studie mit 134 kleinen und mittleren Kommunen in Süddeutschland, Sommer 2020 45% der stationären Händler sind nun auch im Internet vertreten. Knapp zwei Drittel (62 %) von ihnen verkaufen über den eigenen Webshop. Quelle: HDE-Online-Monitor 2021, bundesweite Erhebung. 9

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