Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'21 - Hochrhein-Bodensee

21 6 | 2021 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten „Auch 2021 abschreiben“ Lothar Klein, Reisebusunternehmer, Binzen D ie Bustouristikbranche ist derzeit wegen Corona zum Nichts- tun verdammt. Einnahmen fehlen, Kosten bleiben, keine Pers- pektive. „Das Jahr 2021 können wir eigentlich auch abschreiben“, sagt Lothar Klein. Der Reisebusunternehmer aus Binzen gehört zu einer Branche, die durch die Coronakrise quasi ein Berufsverbot erlebt. „Es ist ja alles untersagt, wo sollten wir die Leute auch hinfahren.“ Im März 2020 hat er seine beiden großen Busse ab- gemeldet. Bis auf eine kurze Pause im Sommer 2020 stehen sie auf einem Lkw-Gelände. Einmal in der Woche fährt er auf dem Privatgelände einige Runden. „Die Busse müssen regelmäßig bewegt werden, sonst entstehen Standschäden.“ Obwohl die Busse seit Monaten stillstehen, kosten sie Klein eine Menge Geld. Zwar würden aktuell keine Steuern und Versicherungen anfallen, sehr wohl aber viele Tausend Euro Tilgung für den Kredit. „Meine Einkünfte liegen bei nahezu Null Euro. Nur einen kleinen Bus nutze ich ab und zu für kleinere Fahrten wie zum Flughafen. Das ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Natürlich seien die Unterstützungsprogramme hilfreich gewesen, doch die ständigen Änderungen und späten Auszahlungen blei- ben eine weitere Belastung, sagt der Unternehmer. Unfair findet er die schnellen und milliardenschweren Hilfen für die großen Unternehmen in der Branche. Eigentlich würde er am liebsten alles hinschmeißen und aufhören. Doch das könne er sich nicht leisten. „Der Gebrauchtmarkt für Busse liegt am Boden, die Preise sind im Keller. Ich würde mit Schulden zurückbleiben.“ Für den gebürtigen Rheinländer heißt es deswegen: Weitermachen! Wie, das weiß er noch nicht, denn Lothar Klein bezweifelt, dass sich die Busbranche so schnell erholen wird. „Gruppenfahrten werden kleiner werden und für den Urlaub nutzen die Leute wohl eher das Auto oder das Wohnmobil. Wann Schulreisen oder Geschäftsrei- sen wieder stattfinden können, ist ungewiss.“ Klein befürchtet, dass 20 bis 30 Prozent der Reisebusunternehmen die Pandemie nicht überstehen werden. „Der Rest wird sich einen erbitterten Preiskampf um die wenigen Anfragen liefern. Dabei müssten wir eigentlich die Preise anheben.“ Der Bus muss rollen, sonst lohne sich der Betrieb nicht, sagt Klein. „Ein Beispiel: Ich fahre eigentlich jedes Jahr mehrere Rei- segruppen zu den Cannstatter Wasen nach Stuttgart. Nach Abzug aller Kosten bleiben von einer Hin- und Rückfahrt 150 Euro übrig. Die Margen in meiner Branche sind sehr gering. Egal wie viel wir an Aufträgen bekommen werden, den Umsatzausfall durch die Pandemie werden wir kaum kompensieren können.“ Falls es im Sommer zu Lockerungen kommen sollte, wird sich Lothar Klein gut überlegen, ob er seine Busse wieder anmeldet. Für eine Fahrt in der Woche lohne sich die Anmeldung nicht. Er hat die Aufwendungen überschlagen und würde mindestens mehrere Tausend Euro für das Reaktivieren benötigen. Hinzu kommt, dass viele Busfahrer sich mittlerweile beruflich umorientiert haben und nicht mehr zurückkommen werden. Ganz die Hoffnung möchte der erfahrene Busunternehmer aber nicht aufgeben. „Vielleicht haben wir Glück und können im Dezember wieder die Weihnachtsmärkte anfahren.“ hw

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