Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Juni'21 - Hochrhein-Bodensee

18 IHK-Zeitschrift Wirtschaft im Südwesten 6 | 2021 REGIO REPORT IHK Hochrhein-Bodensee 17 Wasserstofftechnologien Interview mit Franz Reichenbach 19 Seminar Für Hersteller von Medizinprodukten 20 Schwerpunktthema Eine stillgelegte Branche 21 Unternehmer berichten Alexander und Alexandra Growe sowie Lothar Klein 22 Wirtschaftsrecht für Unternehmer Datenschutz in der Praxis 23 IHK-Konjunkturumfrage Industrie treibende Kraft der Erholung 24 Wie fange ich an? Serie: Klimaschutz im Unternehmen (Teil 1/3) 29 Öffentliche Bekanntmachungen Satzung 32 Lehrgänge und Seminare der IHK INHALT kann man ihn nutzen und mithilfe einer Brennstoffzelle in Strom und Wärme umwandeln. Mit Wasserstoff kann aber auch Energie in Form von synthetischen Kraftstoffen gespeichert werden. Dafür wird der Wasserstoff noch weiterverarbeitet und mit Kohlenstoffdioxid aus der Luft weiter veredelt. Dann erhalten wir zum Beispiel Methanol oder eKerosin, zwei synthetische Kraftstoffe, die sich die energiein- tensive Luft- und Schifffahrt gerade sehr genau anschaut. Es heißt, die Herstellung von Wasserstoff sei sehr teuer. Das ist momentan noch richtig. Das liegt daran, dass der Wirkungsgrad nicht sehr gut ist. Wenn Strom vom Solardach direkt über Batterien genutzt wird, liegt der Wirkungsgrad bei 90 Prozent. Wasserstoff muss erst einmal mit Energie erzeugt und über die Brenn- stoffzelle wieder in Strom umgewandelt werden. Der Wirkungsgrad liegt deswegen bei 30 bis 40 Prozent. Hintergrund: Bei der Brennstoffzelle handelt es sich um einen Energiewandler – sie wandelt Wasserstoff zu elektrischem Strom. Deshalb kann ein solches System nie genauso effizient sein wie eine Batterie, die ein Energiespeicher ist. Wichtig ist die Gesamtkostenrech- nung. Atomenergie oder die Nutzung von Erdgas und Erdöl haben enorme Folgekosten in der Zukunft, die aktuell nicht eingepreist sind. Natürlich ist Wasserstoff jetzt noch teurer, aber auf lange Sicht fahren wir damit sehr viel günstiger. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Wasserstofftechnologie fallen werden, was wiederum sinkende Wasserstoffkosten zur Folge hat. Wird Wasserstoff in erster Linie für eine neue Mobilität eingesetzt? Die Mobilität ist bestimmt der wichtigste Treiber, gerade weil sich Wasserstoff für lange Strecken eignet. Bei Kurzstrecken setzt man auf die normale Batterie. In Sachen Reichweite und Tankzeit ist Wasserstoff viel besser. Auch im stationären Bereich wird er zum Einsatz kommen. Es ist zum Beispiel möglich, Wasserstoff ins Erd- gasnetz einzuspeisen. Gasthermen kommen damit auch gut klar. Erdgasfahrzeuge dagegen sind nicht so flexibel, deswegen ist die Wasserstoffzugabe auf zehn Prozent limitiert. Ist das Thema Wasserstoff auch schon in unserer Region angekommen? Ja, zum Beispiel bei der Schweizer Hexis GmbH in Konstanz. Sie ar- beitet an dem Thema Wasserstoffheizungen. Auf der Nordseite des Sees entwickelt MTU Wasserstoffantriebe für Schiffe, Airbus arbeitet an Wasserstofflösungen für die Luft- und Raumfahrt. Dort ist schon viel Wasserstoff-Know-how. Wasserstoffhochburg ist Stuttgart mit Daimler, die an Wasserstoffantrieben für Autos und Lkw arbeitet. Kurz zusammengefasst: Pro und Contra Wasserstoff? Das Charmante am Wasserstoff ist, dass alle Stoffströme ge- schlossen sind. Um Wasserstoff herzustellen, wird genauso viel Wasser benötigt, wie in der Brennstoffzelle wieder entsteht. Das ist bei Erdöl und Erdgas anders – hier kommt es zu einer immer höheren Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre. Ungünstig ist, dass wir grünen Wasserstoff importieren müssen, um unseren Bedarf zu decken. Ein Teil kann in Deutschland aus überschüs- sigem Strom aus regenerativen Energiequellen erzeugt werden. Der andere Teil kommt entweder aus wind- oder sonnenreichen Ländern. Interview: hw Franz Reichenbach Die IHK-Veranstaltung „Wasserstoff, ech- te Chance oder bloßer Trend?“ findet am 2. Juli im Konstanzer Konzil statt. Die Teilnehmergebühr beträgt 95 Euro inklusi- ve eines kleinen Imbisses. Die Teilnehmer- zahl ist coronabedingt auf maximal 100 Personen beschränkt. Anmeldung unter www.konstanz.ihk.de 143149636.

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