Wirtschaft im Südwesten - Ausgabe Mai'21 - Hochrhein-Bodensee
IHK Hochrhein-Bodensee REGIO REPORT ANZEIGEN dazu führen, dass die Kosten für Energie aus fossilen Rohstoffen in die Höhe schnellen werden. Es geht jetzt nicht mehr um kleine Schritte, sondern fundamentale Veränderungen. Was sollten Unternehmen in Sachen Klimaschutz nun machen? Die Unternehmen müssen das Thema in alle Bereiche ihrer Unternehmenskultur integrieren. Nur Strom spa- ren reicht nicht. Das denken aber immer noch viele Unternehmen. Statistisch liegt bei den meisten Unter- nehmen der Anteil der direkten Energiekosten an den Gesamtkosten bei ein bis drei Prozent. Das ist nicht viel im Vergleich zu Personalkosten von circa 30 Prozent und Materialkosten von circa 40 Prozent. Aber gerade Materialien werden unter Energieaufwand hergestellt. Mit steigenden Energiekosten steigen also auch die Materialkosten, und das merkt ein Unternehmen dann deutlich. Auch Transportkosten werden steigen und die Anfahrtskosten für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Energiekosten steigen also nicht nur in einem Be- reich, sondern in nahezu allen. Der Klimaschutz betrifft alle Unternehmensbereiche? Ja, vom Drucker bis zur großen Maschine. Deswegen müssen Un- ternehmen ihre Investitionen auf ihre Klimaverträglichkeit überprü- fen. Wenn ein Unternehmen heute eine Maschine kauft, die nicht energieeffizient ist, aber Jahrzehnte im Betrieb zum Einsatz kommt, könnte das ziemlich teuer werden. Leider wird bei Neuanschaffun- gen selten berücksichtigt, ob ein Modell energieeffizient ist. Die Einkaufsabteilung hat den Auftrag, möglichst günstig zu bestellen. Richtig wäre es deswegen, Investitionen langfristig und ganzheitlich vor allem aber mit der Relevanz auf Klimaschutz neu zu denken. Welche Auswirkungen könnte es für ein Unternehmen haben, das sich dem Klimaschutz entzieht? Unternehmen, die das Thema ignorieren, werden am Markt nicht be- stehen können. Sie geraten in vielen Bereichen ins Hintertreffen. Ein Beispiel sind EU-Hilfsgelder, die aufgrund der Coronakrise ausgebe- ben werden. Viele EU-Gelder werden an Bedingungen geknüpft – in diesem Fall an den Klimaschutz. Das wird künftig der Standard für Zuschüsse und Fördergelder sein. Ein weiteres Beispiel sind die Kreditfähigkeit be- ziehungsweise Taxonomie. Die EU und die europäische Zentralbank planen, dass die Bewertungen der Kreditfä- higkeit von Unternehmen den Klimaschutz berücksich- tigen, andernfalls gibt es zwar auch einen Kredit, aber mit höheren Zinsen. Ein klarer Wettbewerbsnachteil. Unternehmen fordern zunehmend von ihren Zulieferern einen Nachweis über den ökologischen Fußabdruck, und der sollte gegen Null gehen. Der Druck wird weiter zunehmen. Ausreden wird es dann nicht geben. Das Thema mag abstrakt sein, aber es ist der Job eines jeden Managements, sich mit abstrakten Perspektiven und langfristigen Entwicklungen auseinandersetzen. Was bietet die IHK dazu an? Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Veranstaltungen zur Energieeffizienz angeboten. Es gibt Informationen auf unserer Homepage wie zum Beispiel einen CO2-Rechner für das Brenn- stoffemissionshandelsgesetz. Auf Anfrage sind auch Merkblätter verfügbar. Die Weiterbildung hat Angebote für Energiescouts, um auch schon den Auszubildenden das Thema nahe zu bringen. In kompakter Form ist das auch für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Form einer Tagesveranstaltung auf Anfrage im Angebot. Interview: hw Michael Zierer Referent für Umwelt und Energie, IHK Hochrhein-Bodensee
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